Start in den Karneval

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Der Titel war Programm. „Karneval einmal klassisch 2017 opus 15 das Motto: a la Quatsch“

Burkard Sondermeier auf dem Plakat des WDR3

Burkard Sondermeier auf dem Plakat des WDR3

Die Camarata Carnaval in der Besetzung Burkard Sondermeier (Sprecher, Sänger, Liedermacher, Autor, Bass und „La Fumm“), Igor Kirillov (Klavier, Xylophon, Orgel und Theremin), Camila Moukarzel Ortega (Flöte, Piccolo, Trittangel und Lokpfeife), Jeroen De Groot (Violine), Slawomir Lackert (Oboe, Englischhorn, Akkordeon, Orgel, Standpäuckchen) und Ekaterina Weyers (Klavier, Orgel) trat am vergangenen Freitag im Augustinum auf. Hervorragende Musiker und ein großartiger Programmgestalter zeigten, dass Karneval auch klassisch geht bzw. Klassik karnevalistisch dargeboten werden kann.

Das Ensemble Camarata Carnaval

Das Ensemble Camarata Carnaval

Das rund 2stündige Programm, vor einem begeisterten Publikum, die leeren Plätze waren wohl hauptsächlich der Grippe- und Erkältungswelle geschuldet, begann mit der Begrüßung des Publikums durch Burkard Sondermeier, der mit seinem Programmansatz das 15. Jahr erfolgreicher karnevalistischer Unterhaltung, abseits der gewohnten Pfade, erreicht hat.

Während der Begrüßung

Während der Begrüßung

Musikalischer Auftakt im Ersten Aufzug war „Der Mummenschanz“ aus der Oper „Der Goldschmied von Toledo“ von Jacques Offenbach, gefolgt von „Der Hummelflug“ von Nicolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow, toll gespielt von Jeoren de Groot. Geradezu bildlich herbeigespielt wurden für mich venezianische Masken, mit dem Stück „Air Des Masques“ von André Campra. Begleitet von der Orgel sang dann Burkard Sondermeier das altkölnische Lied „De Geiss…“. Einen ganz neuen Text erhielt die Arie des Papageno aus der „Zauberflöte“ mit der Aria aus dem Singspiel „Der Fliegenfänger“ von Wolfgang Amadeus Mozart, vorgetragen von Burkard Sondermeier. Der nämliche erzählte (ne Verzäll) auch gleich die Geschichte „Der Kammerjäger“, der gerufen wurde um Katzenflöhe zu vertreiben, die von der getürmten Ehegattin zurück gelassen worden waren. Eine von Franz Liszt nachgelassene (oh karnevalistisches Wunder) Paraphrase des „Flohwalzers“ für Pianoforte zu fünf Händen, einfach super vorgetragen, brachte die Zuschauer zu begeistertem Applaus. Der „Quatscher“ sang anschließend „Sa Famille“ von Yvette Guilbert. In dieser, immer wieder zum Lachen reizenden Geschichte kommt einem Verliebten, bei dem selben Mädchen, erst der Schirm und dann die Uhr abhanden, um am Schluß von der ganzen Familie beim Tête-à-tête umringt und zur Heirat gezwungen zu werden. Dieser Historiette folgte, in bester Readers-Digest-Manier, eine Kurzfassung – das gut 15minütige Stück wird auf 7 Minuten reduziert –  von „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin für Klavier und Orgel. Burkard Sondermeier wiederum gab „Dat Camping Leed“ von Karl Berbuer (do lachste dich kaputt …) aus dem Jahre 1954 zum besten, gefolgt von „Carnaval Breton“, einem Vals Musette von Emmanuel Weber. Mit einer Zugabe zur Pause, dem Lied „Köln wird immer am Rheine steh’n“ von Fritz Klutsch und Bob Schütte wurde das Publikum in diese entlassen. Zu diesem Lied aus dem Jahre 1945 konnte Burkard Sondermeier berichten, dass die Rechte daran in einem New Yorker Verlag gelegen haben und das Lied also über Amerika in seine Heimat kam.

Der Zweite Aufzug begann mit dem mitreißenden Can Can aus der Oper „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach. Danach war Karl Kraus mit „Wiener Faschingsleben 1913“ in so ziemlich allen Wiener Kneipen und Restaurants unterwegs und als er am nächsten Morgen, erwartungsgemäß verkatert, einen weiteren Kneipenbummel ablehnt, nennt ihn sein Freund „blasiert“. Vorgetragen wurde dies, wie alle Wort- und Liedbeiträge von Burkard Sondermeier. Der „Säbeltanz“ von Aram Chatschaturjan wurde, diesmal vom Xylophon begleitet, großartig gespielt. Zu diesem Komponisten konnte Sondermeier ein Histörchen beitragen, denn Chatschaturjan wollte den großen Meister Salvador Dalì kennen lernen und wurde auch von diesem auf sein Schloß eingeladen. Nach langer Wartezeit im großen Salon erklang plötzlich der „Säbeltanz“ und Dalì schwebte, völlig nackt, mit einem großen Blumenstrauß durch den Raum und verschwand wieder. Für Chatschaturjan war die Audienz damit beendet. Hierauf folgte ein Quereelchen (fröhliches Lied mit ernstem Inhalt), in dem die Kölner Verhältnisse aufs Korn genommen wurden. In dem Duo für Violine und Piano „Thême Irlandais et Le Carnaval de Venis“ von Charles Dancla konnten Ekaterina Weyers und Jeroen De Groot ihr Können beweisen. Das Chanson „Eins, Zwei, Drei …“, getextet, komponiert und vorgetragen von Burkard Sondermeier war der nächste Programmpunkt. Diesem folgte der „Honky Tonk Train Blues“ von Meade Lux Lewis, für Klavier zu vier Händen und Lokpfeife. Das Chanson „Meine Träume“ wurde vom gesamten Ensemble gespielt und vom Komponisten selbst gesungen. Danach erzählte B. Sondermeier von „Willi un Rös“, laut Programmheft ein selbsterlebtes, urkölsches Szenarium aus dem Jahre 1975. Und ich verstand nicht ein Wort davon. Hier kann mensch sich schon fragen, ob es sinnvoll ist, einer mehrheitlich nichtkölschen Besucherschar ein reines Dialektstück vorzutragen, ohne wenigstens eine rudimentäre Übersetzung mitzuliefern. Das allseits bekannte Lied „Am Aschermittwoch“ von Jupp Schmitz beendete das offizielle Programm, wurde jedoch von zwei Zugaben, der „Tarantella“ von Jaques Offenbach und dem Karnelvalslied „Ihr künnt mich ens“ (Fastelovend fiere) von Burkard Sondermeier, ergänzt. So ging dieser unterhaltsame Abend fröhlich wie begonnen zu Ende.

Übrigens: die neue Tonanlage hat sich an diesem Abend bewährt und ich bin schon ganz gespannt auf die erste Filmvorführung.