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Einer der größten Vorteile des Alters scheint mir, dass mensch dann über seine Zeit weitgehend frei bestimmen kann, und dadurch ein erhebliches Mass an Freiheit gewinnt.

Zeitliche Vorgaben sollten eigentlich nur noch von gesellschaftlichen Verpflichtungen oder Arztterminen ausgehen. Einkäufe können auf ruhige Zeiten verlegt werden, und Autofahrten am Wochenende müssen nicht sein. Wir bestimmen über unsere Zeit.

Zeigt das Barometer einen schönen Tag an (oft genügt auch ein Blick aus dem Fenster) oder kündet der Wettertrend gar von einer längeren Schönwetterperiode, steht es uns frei, diese Zeit ganz für uns zu nutzen. Ein Ausflug oder eine längere Reise sind (sollten) dann kein Problem sein.

Warum, fragen sich die Jüngeren und im Arbeitsverhältnis stehenden, sieht mensch dann gerade zu Stoßzeiten so viele Ältere in den, sowieso überfüllten, Geschäften, oder am Wochenende unterwegs?

Bei uns im Restaurant herrscht offiziell freie Platzwahl. Dies jedoch nur theoretisch, denn, meiner Schätzung nach, mindestens 90% der Gäste wollen ihren „angestammten“ Platz, den sie auch mit allen Mitteln verteidigen.

Es ist wohl die Macht der Gewohnheit, die immer wieder dazu führt, dass wir uns so verhalten wie wir das über Jahr(zehnt)e getan haben. Dabei ist das Verharren im Gewohnten, gerade für Ältere, wie ein schleichendes Gift.

Selbstverständlich können Gewohnheiten das Leben erleichtern, da der automatisierte Ablauf wenig geistige Anstrengung erfordert. Im Umkehrschluss ist es aber gerade die fehlende geistige Flexibilität, die den Tag leer erscheinen lässt, und zu dem bekannten Ausspruch „der Tag ist geradezu vorübergeflogen“ führt.

Sich immer wieder auf neue Situationen einstellen, den Tag immer neu annehmen und spontan darauf zu reagieren. Das hält geistig fit und gibt uns erst die Freiheit die wir dem Alter verdanken.

Zum Abschluss wieder ein Schwanenteich Vers (ich kann’s halt nicht lassen):

Am Schwanenteich die Leut‘
Die haben echt Humor
Sie können über sich selbst noch lachen
Das kommt höchst selten vor