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Die hoffnungsvollste Situation ist die, wenn es so schlecht geht, dass es nicht schlechter werden kann

Heute würde mensch wohl sagen: „erst wenn du ganz unten bist, kann es nur noch aufwärts gehen“ Das war der Ausgangspunkt für Felix Krulls Karriere.

Vor einem erlesenen Publikum stellte gestern Abend der Schauspieler Volker Ranisch Ausschnitte aus dem Roman von Thomas Mann vor. Trotz einer leichten Verschnupfung gelang es ihm sehr gut, durch ausdrucksstarke Modulation seiner geübten – und gut verständlichen – Sprache, Felix Krull und seine ihn umgebenden Personen erstehen zu lassen.

Volker Ranisch betritt die Bühne

Volker Ranisch betritt die Bühne

 

Ist es unfair wenn ich mir heute Morgen vorgestellt habe, wie es wohl gewesen wäre, wenn Gert Fröbe mit diesem Text auf der Bühne gestanden hätte? Ja, wahrscheinlich schon, denn wir hatten ja einen wirklich vergnüglichen Abend.

Was mich gestört hat, nicht an dem Vortrag sondern am Text, war die Aufzählung mit einem „jüdischen Kaufmann“. Felix Krull ist 1911 entstanden, also in der Kaiserzeit.  Es hat doch auch keiner von katholischen oder evangelischen Kaufleuten gesprochen. War Thomas Mann ein Antisemit? Dass er kein Nazi war, das hat seine Emigration und die Rede an das deutsche Volk ausreichend bewiesen. Aber warum musste – leider auch noch heute – immer das Adjektiv jüdisch gebraucht werden?

Die Zuschauer verließen zufrieden den Theatersaal, nicht ohne dem Künstler gute Besserung gewünscht zu haben.