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Wenn ich bin, ist der Tod nicht; wenn der Tod ist, bin ich nicht

Euklids Sicht des eigenen Todes spiegelt den gelassenen Umgang mit der eigenen Sterblichkeit wider, der dem Alter als Chance zukommen kann.

Vor einigen Tagen beschäftigte sich die philosophische Gesprächsrunde, unter der Leitung von Dr. Ebers, mit diesem Thema. Es wurden sehr schön die erhabenen Möglichkeiten des Alters heraus gearbeitet, aber, was ich an der Philosophie bemängele, ohne die realen Umstände wirklich zu berücksichtigen. Natürlich wurde angesprochen, dass die pekuniären Verhältnisse massgeblich beeinflussen ob sich jemand im Alter wohl fühlen kann. Rein philosophisch ist das jedoch nicht relevant, da gelten nur die reinen geistigen Möglichkeiten die das Altsein bietet.

Ich möchte hier darum den philosophischen Gesichtspunkt bewusst außer acht lassen und mich mit den realen Umständen des Alters und der Kontroverse Alt gegen Jung beschäftigen.

Wer an seine eigene Jugend zurück denkt wird sich bestimmt erinnern, dass alles was von den „Alten“ kam erst mal abzulehnen war. Und das soll auch so sein. Die Jugend will, muss und soll ihren eigenen Weg finden. Daraus ergeben sich vielleicht familiäre und gesellschaftliche Spannungen, aber noch lange kein Konflikt.

Zum Konflikt hochgepusht wurde es erst, als der Vorwurf erhoben wurde, die Alten würden auf Kosten der Jungen leben. Als sich der damalige Jungpolitiker Mißfelder mit der Äußerung „ein 85jähriger braucht keine neue Hüfte auf Kosten der Allgemeinheit“ hervortat. Als aufgrund der Wiedervereinigung staatliche Aufgaben den Sozialkassen auferlegt wurden und dadurch die Mittel dieser Systeme schwer belastet wurden. Als die Absenkung der Renten auf 46% damit begründet wurde, dass zu viele Alte die Leistungsfähigkeit der Jungen übersteigen würden. Wenn einmal einige Milliarden bei der Rentenkasse auflaufen, sofort Beitragssenkungen zu Gunsten der Arbeitgeber geplant werden, anstatt diese Mittel als Reserve für die voraussehbaren Belastungen zu behalten.

Es ist traurig, dass in unserem Land immer mehr Menschen von Kinder- und Altersarmut betroffen sind. Dass alte Menschen, die ein hartes und langes Arbeitsleben hinter sich haben auf Sozialhilfe angewiesen sind. Von einem erfüllten Alter in Würde ganz zu schweigen. Dass junge Menschen keine Perspektive mehr haben und sich Hartz IV Generationen heranbilden.

Das alles ist jedoch nicht dem natürlichen Alt gegen Jung geschuldet sondern einer Politik, die diese Missstände willentlich hinnimmt.

Wir Betroffenen, die Jungen wie die Alten sollten sich nicht gegeneinander aufhetzen lassen sondern gemeinsam dafür sorgen, dass das Leben in diesem Land – und darüber hinaus weltweit – für Jung und Alt würdevoll und materiell gesichert gelebt werden kann.

Heute mal wieder einen – sehr sarkastischen – Schwanenteich-Vers:

Am Schwanenteich die Leut’
die wollen 100 werden
hört lieber mit dem Knoblauch auf
die Jungen wollen erben.