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Die ganze Woche über hatte mensch das Gefühl in einem Bienenstock zu sein. Wo mensch auch hinkam, es summte und brummte, wurde diskutiert und den Kopf geschüttelt. Der Artikel der SZ und Informationsbrief der Geschäftsführung hatten Wirkung gezeigt und für viel Unruhe gesorgt. Am Mittwoch dann kam der Anschlag, dass am Freitag, gestern also, um 16:30 Uhr eine Information durch die Geschäftsleitung des Augustinum erfolgen würde.

Ich würde mir ja wünschen, dass der Theatersaal bei unseren Kulturveranstaltungen des öfteren auch nur annähernd so gut gefüllt wäre wie er das gestern war.

Ausschnitt des Saales um 16:20

Ausschnitt des Saales um 16:20

Aber wenn mensch persönlich betroffen ist, ist das Interesse verständlicherweise um so größer.

Aufgrund des Fragenkataloges, der von 3 Bewohnern in München vorgelegt wurde, konnten sich die Verantwortlichen darauf einstellen was die Bewohner umtreibt und welche Auskünfte sie erwarten.

Zuerst begann Prof. Dr. Markus Rückert (Vors. Geschäftsführer) darüber zu informieren welche Beweggründe zu dem Deal geführt hatten. Grundlegende Überlegung, bereits im Jahr 2006, war, die Abhängigkeit des Augustinum von den Banken zu reduzieren um nach und nach, auch durch Rückzahlung von Wohndarlehen der Vorvertragspartner und Bewohner, völlig schuldenfrei zu werden. So wurden zunächst 5 Häuser an die Commerzbank Hamburg verkauft. Dieses Geschäft war auch vollkommen reibungslos verlaufen, so dass dann weitere 11 Häuser veräußert werden sollten (darunter auch Bad Neuenahr).

Der Verkauf der 11 Häuser wurde durch eine Umwandlung von 670 Mio. Vermögen in Darlehensforderungen gegenüber dem Käufer finanziert. So weit, so gut.

Prof. Dr. Rückert machte ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die Situation für die Bewohner sich nicht geändert hat. Das Augustinum ist weiterhin gut aufgestellt es besteht keinerlei Anlass sich um die finanzielle Seite Sorgen zu machen. Die Wohndarlehen sind im 1. Rang als Grundschuld abgesichert, die insgesamt unter 60% des aktuellen Wertes liegt. Er versäumte auch nicht, einzugestehen, dass die Geschäftsleitung zu viel Vertrauen in die beiden Beschuldigten gesetzt habe und in vielen Situationen (bedingt durch eine Krankheit des einen der Beschuldigten) zu nachsichtig gewesen sei.

Die juristische Seite beleuchtete dann Herr Joachim Gengenbach (Aufsichtsratsvorsitzender), der seit dem 2. April 2014 in der Geschäftsführung tätig ist. Die 11 Häuser und 3 weitere, durch Dritte verkaufte, sind an den Käufer (eine wohl eigens für den Deal gegründete norddeutsche Firma) übereignet und im Grundbuch auf diesen eingetragen.

Aufgrund der staatsanwaltlichen Untersuchung, die im vergangenen Jahr eingeleitet wurde, sind diese Häuser jedoch beschlagnahmt worden. Die Verträge wurden allesamt gekündigt und eine Anfechtung des Eigentums eingeleitet. Einem neuerlichen Artikel der SZ vom 29.5. ist zu entnehmen, dass insgesamt 29 Verfahren anhängig sein sollen.

Mit der Eröffnung des Hauptverfahrens rechnet das Augustinum spätestens im 4. Quartal 2015. Betroffen sind hiervon 2 Mitarbeiter des Augustinum, 2 Käufer und ein Vermittler. Diese hätten sich das als Anschubfinanzierung gedachte Investitionsdarlehen von 40 Mio. unter sich aufgeteilt.

Die von der Presse groß herausgestellte Räumungsklage gegenüber dem Haus Aumühle ist durch das Landgericht Lübeck, wegen Verdachts von Straftaten, ausgesetzt worden.

Herr Gengenbach bilanziert, dass der Schaden für das Augustinum die Rücklagen betreffen wird,  die wirtschaftliche Gesamtsituation jedoch nicht beeinträchtigt wurde.

Weshalb dieser ganze Deal so scheiterte, liegt meines Erachtens an dem heute üblichen Finanzgebaren. Es werden nur noch Zahlen bewegt und keine Werte mehr. Firmen, die jahrelang Verluste einfahren (s. Google, Amazon) werden mit einem höheren Aktienwert notiert als Unternehmen, die Werte erzeugen und Gewinne machen. Hätte der Käufer die Häuser bezahlen müssen, wäre spätestens nach der Auflassung die ganze Geschichte aufgeflogen. So wurden jedoch nur Summen in der Buchhaltung von einem Ort an den anderen transferiert.

Die heute beantwortbaren Fragen wurden alle, auch innerhalb der Fragerunde, erschöpfend und nachvollziehbar, von den beiden Herren, beantwortet.

Was bleibt ist jedoch: wie und wie schnell kann der Image-Schaden behoben werden? Wie lange werden die ganzen Prozesse dauern und welchen Ausgang werden sie haben?

Aus diesem Grunde kann ich nur, leicht modifiziert, wie einst Marcel Reich-Ranicki, enden: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und viele Fragen offen.“