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Mit dem interessanten Thema der Mitte beschäftigte sich gestern der philosophische Gesprächskreis unter Leitung von Dr. Thomas Ebers. Angesichts gehäufter Meldungen von der Mitte die „verloren geht“, so ging die „Mitte“ laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung von 65 auf 58 Prozent zurück, stellte Dr. Ebers die Frage, was überhaupt die Mitte ist.

Bei einer angeregten Diskussion wurde schnell klar, dass es die Mitte gar nicht gibt. Allein in der Statistik wird von drei verschiedenen Ermittlungsarten der Mitte ausgegangen. Dem Modus = der häufigste Wert einer Häufigkeitsverteilung; dem Median = ermittelt z.B. das mittlere Einkommen so, dass Ausreißer unberücksichtigt bleiben; dem arithmetischen Mittel = der sogenannte Durchschnitt. Die Mitte kann sich aber auch auf einen Raum beziehen, vom Rand aus gesehen werden, oder sich in uns selbst befinden, von der gesellschaftlichen Mitte noch gar nicht gesprochen. Daraus ergibt sich, dass die „Mitte“ ein relativer Wert, von inhaltlich schwammiger Qualität, ist.

Üblicherweise wird die Mitte zumeist vom Rand aus gesehen und definiert. Das erzeugt einen extremen Druck bezüglich der Bildung und des Einkommens, der sich in biologischen Folgen, z.B. Abgrenzung nach Unten, bemerkbar macht, da einerseits die Angst vor dem Abstieg vorhanden ist und andererseits das Bestreben in die Mitte zu gelangen. Dieser Druck zeigt sich demographisch in dem Hantelbild, eine schwach ausgebildete Mitte steht einer starken Ober- und Unterschicht gegenüber, den beiden Rändern.

Aristoteles, Sokrates oder Konfuzius sahen die Mitte jedoch im ethischen Handeln, das Extreme (= extreme Ränder) vermeidet.

Aristoteles:

Wer alles flieht und fürchtet und nirgends standhält, wird feige, wer aber nichts fürchtet und auf alles losgeht, wird tollkühn.

Das Instrument der Mitte bestimmt die Charaktertugenden genauer

Konfuzius:

Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint

Harmonie und Mitte galten ihnen als erstrebenswert.

Unsere gesellschaftliche Mitte ist nicht gleich der philosophischen Qualität der Mitte. Eine Aufwertung, nicht Mittelmaß, wäre von Nöten. Die Ränder, auch die, diese Ränder bildenden Flüchtlinge, die zu uns kommen, zu nutzen um der Mitte eine höhere moralische und ethische Qualität zu geben, das ist die Aufgabe mit der wir uns alle befassen sollten. Nicht die parteipolitische Mitte bringt die Gesellschaft voran, sondern nur das ethische Handeln der Gemeinschaft, das extreme Ränder vermeidet, kann eine Gesellschaft wirklich weiter entwickeln.

Die Teilnehmer dieser Gesprächsrunde waren sich einig, dass diese Diskussionreihe unser Hiersein überaus bereichert.