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Viel Interesse fand der Philosophische Gesprächskreis am vergangenen Dienstag, der sich der Frage „Geist oder Gehirn – Verändern die neueren Ergebnisse der Gehirnforschung unser Bild vom Menschen?“ Bei seiner Einführung in die Thematik erläuterte Dr. Thomas Ebers, dass im Jahr 1990 die Dekade des Gehirns eingeläutet wurde. Während 1968 noch 2.000 Publikationen aus der Neurowissensschaft veröffentlicht wurden waren es 1988 bereits 12.000, 2008 27.000 und seit 2010 ist mensch damit beschäftigt eine „Landkarte des Gehirns“ zu erstellen.

Ähnlich dem Humangenomprojekt wird dabei versucht die neuronalen Vorgänge im Gehirn zu lokalisieren. Was immer der Mensch tut oder denkt wird mittels der Nervensignale im Gehirn bildlich darstellbar und kann somit einer bestimmten Hirnregion zugeordnet werden.

Schnell war sich die Runde darüber einig, dass das Gehirn sichtbar ist, der Geist, was immer auch darunter verstanden wird, jedoch unsichtbar. In der Zwillingsforschung z.B. wurde festgestellt, dass sich selbst gemeinsam aufwachsende eineiige Zwillinge zu ganz unterschiedlichen Personen entwickeln können, andererseits aber getrennt aufwachsende ganz übereinstimmende Verhaltensmerkmale zeigen können.

Sigmund Freud prägte das Wort von den Kränkungen der Menschheit und nannte deren drei. Die Verursacher waren: Kopernikus (die Erde ist nicht Mittelpunkt des Weltalls), Darwin (der Mensch entwickelte sich aus der Tierreihe) und Freud selbst (der Mensch wird vom Umbewussten gelenkt). Nun soll noch die 4. Kränkung hinzukommen, die Kognition (die Lokalisierung der Informationsverarbeitung und das Denkens). Wikipedia erklärt wie folgt:

Gegenstand der Kognitionswissenschaft ist bewusstes und unbewusstes Erleben, das oft zwischen Sensorik und Motorik lokalisiert wird, sowie die Verarbeitungen von Information im Rahmen menschlichen Denkens und Entscheidens. Darunter fallen z. B. Wahrnehmung, Denken, Urteilen, Gedächtnis, Lernen und Sprache. Ihr Gegenstandsbereich ist nicht auf die Kognition eingeschränkt, sondern umfasst ebenso sehr Emotion, Motivation und Volition.

Die Gehirnforschung als naturwissenschaftliche Disziplin kann alle Abläufe darstellen und erforschen, die reine Mechanik. Daraus aber den Schluss zu ziehen was den Menschen, die Person, das Ich ausmacht (das Unsichtbare), ist ihr jedoch versagt und das kann sie auch nicht erforschen.

Bei Versuchen stellte Benjamin Libet  fest, dass, noch bevor es zu einer Handlung kommt, im Gehirn die entsprechenden Neuronen aktiv wurden. Das würde letztendlich bedeuten, dass die Schuldfähigkeit ganz anders definiert werden müsste. Insofern hat die Gehirnforschung, bei unkritischer Wissenschaftsgläubigkeit, einen sehr starken und möglicherweise unheilvollen  Einfluss auf unsere Sicht des Menschen.

Freier Wille, Schuldfähigkeit, Freiheit, all dies ist von der Gehirnforschung tangiert und geht uns daher alle etwas an. Das ist nicht nur ein Thema für den Elfenbeinturm sondern berührt unseren Alltag und unsere Zukunft ganz entscheidend.