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Lutz Görner präsentierte in Bonn – die Vorstellung in Bad Neuenahr hatten wir wegen Abwesenheit verpasst – sein Programm „Heinrich Heine schreibt Briefe an Giacomo Meyerbeer“ und für uns war klar, dass wir das erleben wollten.

Der Abend begann jedoch nicht ganz meinen Wünschen entsprechend. Ich hatte mir das so schön ausgemalt: etwas früher anreisen, im Restaurant im Augustinum Bonn gemütlich und gut essen, und anschließend Lutz Görner und Nadia Singer zuhören. Aber nichts war’s. Das Restaurant hat seit neuester Zeit DREI Ruhetage und erst von Donnerstag an, bis Sonntag, geöffnet. Anstatt einem gemütlichen Mahl gab es Butterbrezel mit Kaffee in einer naheliegenden Bäckerei.

Eine mehr als vollwertige Entschädigung für den Start war jedoch das Programm.

Lutz Görner brachte zunächst das Leben des 1791 geborenen Jakob Liebmann Meyer Beer in Erinnerung, der bereits mit 10 Jahren als Pianist öffentlich auftrat. Er reiste in den Jahren 1813 – 1816 nach Wien, Paris und London  und lebte danach fast 9 Jahre in Italien. Hier wurde aus Jakob Giacomo und aus Meyer Beer Meyerbeer. 1825 zog er nach Paris und wurde der meistgespielte Opernkomponist des 19. Jhd. 1832 ernannte ihn der König von Preußen zum Hofkapellmeister und Meyerbeer pendelte zwischen Paris und Berlin. 1842 bis 1846 war er sogar Generalmusikdirektor in Preußen. Am 2. Mai 1864 verstarb er in Paris.

Auf diese Einführung folgte die Wiedergabe eines Briefes von Heinrich Heine an den Komponisten und im Wechsel von Brief und Musikdarbietung verlief der Abend. Köstlich und informativ waren die Äußerungen des wortgewaltigen und bildmalerischen Heine, von Görner in seiner unnachahmlichen Weise vorgetragen. Grandios das Spiel von Nadia Singer. Die Transkriptionen der Meyerbeerschen Opernstücke durch Franz Liszt fanden durch die Pianistin eine großartige Interpretation.

Beim Nonnenwalzer aus „Robert der Teufel“ fühlte ich mich wie in einer Zentrifuge herumgewirbelt, so dass mir fast schwindlig wurde. Dann wieder wurden, in „Die Hugenotten“, gewaltige Tongebäude aufgebaut oder ich wurde mit den Schlittschuhläufern aus „Der Prophet“ im Tanz gewiegt. Von dieser Musik wurde mensch buchstäblich berührt, aufgewühlt und mitgerissen.

Als Zugabe spielte Nadia Singer eine Arie aus „Der Kreuzfahrer in Ägypten“, die von ihr selbst für das Piano transkribiert worden war.

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Keine Pause für die Künstler. Sie mussten signieren und waren in Gespräche verwickelt

Liste der gespielten Stücke: Cavatine aus „Robert der Teufel“; Nonnenwalzer aus „Robert der Teufel“; Eine Fantasie aus „Die Hugenotten“ Pastorale aus „Der Prophet“; Die Schlittschuhläufer aus „Der Prophet“; Arie aus „Il crociato in Égitto“