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Tod und Sterben sind ja nicht gerade Themen für einen Unterhaltungsabend. Aber wer die rheinische Lebensart kennt, wird sich nicht wundern, dass es einem Künstler wie Konrad Beikircher, der dieses Programm extra für den besonderen Anlass ausgearbeitet hatte, gelingt, selbst diesem Vorgang noch humoristisch entgegen zu treten.IMG_1088

Da saß er nun, der Schriftsteller, Kabarettist, Sänger, Psychologe, Philosoph, Musikwissenschaftler, Humorist und – Rheinländer aus Liebe zu diesem Völkchen. Neben sich den Koffer für die letzte Reise – und wir alle waren gespannt, mit was er ihn füllen würde.

Ausstellungskoffer

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Zunächst beschäftigte er sich mit den letzten Worten großer Menschen. Goethe sagte: „Mehr Licht“ oder evtl. in seinem hessischen Dialekt „Mer liescht“, was so viel heißt wie „man liegt“😀. Beethoven z.B. wollte sich mit den Worten „plaudite amici, finita est comoedia“ verabschieden, verbürgt ist jedoch „Schade, schade, zu spät!“, die sehnlich erwartete Weinlieferung seines Musikverlegers kam erst in seiner Todesstunde. Gluck, der Komponist, wiederum, war durch seine Frau von allen geistigen Getränken ausgesperrt, da er schwer krank war. Als er Besuch von seinen Freunden und Kollegen hatte, nutzte er die Abwesenheit seines Weibes um zwei vierstöckige Kognaks hinunter zu stürzen – legte sich auf das Sofa und verschied.

Danach folgte eine Geschichte von Jaroslav Hašek, dem geistigen Vater des braven Soldaten Schwejk, in der dessen Seele mehrere vergebliche Versuche unternehmen musste um endlich im Himmel aufgenommen zu werden, den auch dort galt: Ordnung muss sein. Des Weiteren kamen Hüsch, Canetti und H.C. Artmann, der letztere mit Liedern zur Gitarre, zu Wort, bestens präsentiert durch den Vortragenden.

Ein besonderes Schmankerl war „Frau Roleber“, mit der Beikircher lange Jahre im WDR  auftrat, als sie „Frau Walterscheidt“, die

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Gesprächspartnerin in dieser Radio-Reihe, von einer Beerdigung am Rosenmontag berichtete.

Er erzählte von einem Vorfall im Rolandsbogen, als dort ein Gast zusammenbrach und verstarb bevor die Rettungsmannschaft eingetroffen war. Trotz heftiger Dispute der Wirtin mit den Sanitätern musste der Tote mehrere Stunden liegen bleiben, da die Sanitäter keine Toten transportieren (siehe oben bei Hašek). Oder das Gespräch zwischen einem Pfarrer und einem langjährigen Totengräber, der auf die Frage, wie er nach all den vielen Jahren Friedhofsdienst zu seinem eigenen Ableben stehe, die Antwort gab: „Dat mit dem Sterben werd ich auch noch überleben“.

Besinnlich wurde es, als Konrad Beikircher am Piano das Lied „Und wenn es dann so weit ist, möcht‘ ich bei Dir sein“, für seinen Vater, den er in der Sterbestunde begleiten durfte, geschrieben, sang.

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Es wurde viel gelacht an diesem Abend, aber auch große Stille in den Herzen war zu  spüren. Konrad Beikircher hatte seinen Koffer mit vielen unsichtbaren Dingen angefüllt.