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Ausstellungskoffer

Im aktuellen Heft der Max Planck Forschung steht eine Untersuchung über den Musikgeschmack und die Hörgewohnheiten verschiedener Gesellschaftsschichten.

Es gibt erste Untersuchungen seit den 1990er Jahren ausgehend von den USA, dass sich die hierarchische Zuordnung von Musikstilen zu Schichten auflöst. Das scheint aber vor allem für die gesellschaftliche Elite zu gelten, die zunehmend auch Musikstile in ihren Geschmack aufnimmt, die eigentlich mit der Mittel- oder Unterschicht konnotiert werden oder wurden. Für dieses Phänomen gibt es den englischen Begriff des omnivore, also des Allesfressers, der viele Musikstile – auch sehr unterschiedliche – in seinen Geschmack integriert.

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Stephan Maria Glöckner

Auch wenn ich mich nicht zu der „gesellschaftlichen Elite“ zähle – weder will noch kann – ist der Begriff des omnivore durchaus für mich gültig. Und so war es für uns (meine Frau und mich) selbstverständlich, am Sonntag, das Konzert von Stephan Maria Glöckner „Chaos im Kopf“ – das im Rahmen der „Ein Koffer für die letzte Reise“-Ausstellung stattfand, zu besuchen.

Was in Frankreich eine lange und große Tradition hat, das Chanson, Lieder mit starken, den Hörer treffenden, Texten,  führt bei uns, leider, eher ein Nischendasein. Was Glöckner mit seinem Begleiter am Piano, Winfried Schuld, dargeboten hat, waren dann auch echte Chansons. An diesem Abend brachte er, am Klavier wirklich kongenial begleitet, die Lieder „Die Liebe“; „Ziellos“ – zieh los aber sei nicht ziellos“; „Wild horses“ – umgeschrieben zu „weil Rosen“; „Chaos im Kopf“ – hyperaktive Kinder; „Denken“ – sei kreativ; „Ohne jeden Plan“ – über Autismus; IMG_1090„Bleib wie du bist“ – richte nicht andere; „Raum der Liebe“; „Nerds“ – es ist ein Buch mit echten Seiten; „Die Welt muss lächeln“ – ich greife nach dem Glück; „Machtspiele“ – es geht immer nur um Interessen; „Nimm wie es ist“ – anlässlich dem Krebstod seines Freundes; „Klang“ – den jede Liebe kennt; und als Zugabe „Sind ein Paar“.

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Glöckner und Schuld lauschen den Dankesworten

Es war die Musik, das Gitarrenspiel von Glöckner und die Klavierbegleitung von Schuld, und die Texte die überzeugt haben. Gesanglich war ich hin und hergerissen. Die Stimme – meine Frau erinnerte sie an Grönemeyer, obwohl sie keineswegs diese Rauheit hatte – trug weit, aber für mich trat sie hinter der Musik und dem Text zurück.

Im Dezember wird er wieder im Augustinum sein und ich freue mich, ihm dann wieder zuzuhören.