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Ein Höhepunkt im Konzertkalender des Augustinum ist immer der Auftritt von Künstlern der Villa Musica, eine rheinland-pfälzische Landesstiftung mit Beteiligung des SWR, die sich die Förderung herausragender junger Musikerinnen und Musiker zur Aufgabe gemacht hat. Am Sonntag war es wieder soweit. Das  „Ensemble Variabile“, für diesmal ein Trio, bestehend aus den Musikern Claudio Mansutti, Klarinette; Andrea Musto, Violoncello; Federica Repini, Klavier, spielte Werke von Ludwig van Beethoven, Nino Rota und Johannes Brahms.

Zum Auftakt erklang das Klaviertrio B-Dur, op. 11 „Gassenhauertrio“, mit den Sätzen Allegro con brio, Adagio und Tema: Pria ch’lo l’impregno Allegretto, von Ludwig van Beethoven. Und es begann sogleich furios. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass es zu laut sei, aber als ich, und mit mir die meisten anderen der zahlreichen Hörer, in den Pausen zum 2. und 3. Satz das typische Schlafgeräusch vernahm, musste ich einsehen, dass dies nicht sein konnte. Das Stück wurde hinreißend gespielt und am liebsten hätte ich, besonders im dritten Satz, mitgeträllert.

Anschließend wurde von Nino Rota (1911-1979), einem berühmten Filmkomponisten, der für seine Musik zum „Der Pate II“ den Oscar verliehen bekam, das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier gespielt. Bei diesem Stück habe ich eine ganze Geschichte erlebt. Der erste Satz, ein Allegro, entführte mich in die Vorweihnachtszeit früherer Jahre, als die Geschäfte an den Adventssonntagen noch geöffnet hatten und in den Städten Gewimmel und Hektik vorherrschte. Es war, als würde ich Zeitrafferaufnahmen dieser Situation erleben. Beim Andante dann, dem 2. Satz, kehrte Ruhe und fast Erschöpfung ein. Letzte Vorbereitungen wurden getroffen und die Erwartung und Anspannung bis zum Heiligen Abend stieg. Beim 3. Satz, einem Allegrissimo, lebte das Weihnachtsfest auf. Alle waren fröhlich, nur hie und da ein Brummen und vorübergehende Differenzen, aber die Freude herrschte vor.

Da sowohl Beethovens Trio als auch das Trio von Rota ähnlich aufgebaut sind, muss ich, für mich selbst überraschend, feststellen, dass in diesem Vergleich, sportlich ausgedrückt, es 1:0 für Rota ausgegangen ist. Vielleicht macht sich hier im Ausdruck die Nähe zu unserer Zeit bemerkbar. Und es ist ein Beweis, dass zeitgenössische Musik durchaus hörbar sein kann. Das ganze Stück strotzte nur so von überraschenden Einfällen.

Den Abschluss bildete das Trio a-Moll, op. 114, von Johannes Brahms. Ein ebenfalls brillant aufgeführtes Stück, das mich jedoch nicht in diese vorher erlebte Bilderwelt entführte. Als Zugabe war noch ein Teil eines Bruckner Werkes zu vernehmen.

Das „Ensemble Variabile“ hat die Villa Musica wieder großartig vertreten und uns, einen echten Genuss beschert, der auch den verdienten Beifall fand.

v. links: C. Mansutti, F. Repini, A. Musto

v. links: C. Mansutti, F. Repini, A. Musto