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Gleich zweimal waren wir diese Woche mit dem englischen Maler konfrontiert. Am Montag führte Dr. Silke Bettermann, Kunsthistorikerin am Beethoven-Haus-Bonn, in die Bilderwelt Turners ein. Anhand einer Vielzahl von Dias, angefangen von seinem Selbstporträt, das ihn mit 24 Jahren zeigt, bis hin zu seinen Spätwerken,

die zu einer fast gegenstandslosen Befreiung der reinen Farbe führten

wie Frau Bettermann ausführte, wurde von ihr der Lebensweg des Künstlers nachgezeichnet.

Schon als 9jähriger verdiente Turner durch das Kolorieren von Drucken Geld und trug so zum Lebensunterhalt der Familie bei. Obwohl Autodidakt, wurde er mit 14 Jahren an der Royal Academy aufgenommen und ein Jahr später konnte er dort schon sein erstes Aquarell ausstellen. Mit 21 Jahren wurde er außerordentliches  und mit 26 Jahren ordentliches Mitglied der Royal Academy of Arts in seiner Heimatstadt London. Turner bereiste ganz Europa und brachte von diesen Reisen immer gefüllte Skizzenbücher mit, die Grundlage seiner Gemälde wurden. Durch die Ansicht von zwei Bildern des franz. Malers Claude Lorraine beeinflusst wandte er sich der Gestaltung historischer Bilder zu. Historienmalerei war zur damaligen Zeit die beim Publikum am besten angesehene Kunst. Die Landschaftsmalerei, Turners eigentliches Metier, fand nur geringes Ansehen. So verfiel er auf die geniale Idee in seine Naturbilder historische Begebenheiten einzufügen, so z.B. in einem Bild in den Alpen Hannibal mit seinen Elefanten. Wichtiger war ihm jedoch, durch die entsprechende Gestaltung mit den Farben, die Kraft, ja Gewalt der Natur im Bild festzuhalten.

Seine Spätwerke fanden besonders bei den Impressionisten sehr starken Widerhall, denn er verzichtete mehr und mehr auf gegenständliche Ausführung und ließ allein noch die Farben des Lichtes in all seinen Schattierungen sprechen.

Am Donnerstag dann, stand der Film „Mr. Turner“ auf dem Programm. Um es gleich vorweg zu nehmen: obwohl der Film mehrfach ausgezeichnet wurde und in seinem Hauptdarsteller, Timothy Spall, einen großartigen Interpreten des Malers hatte, war ich enttäuscht. Daran konnte nicht die  Ausstattung, ich fühlte mich immer wieder an die Verfilmungen von Geschichten Charles Dickens erinnert, und auch nicht die großartige Umsetzung der Turnerschen Bilder etwas ändern. Es war eine endlose Aneinanderreihung von Episoden, Turner mit Skizzenblock, wieder im Haus, auf der Straße, in der Academy usw. usw. Das Hauptproblem sehe ich jedoch darin, dass der Film, ohne gute Kenntnis der Malerei Turners, oder eben der gekonnten und fundierten Einführung von Dr. Bettermann, unverständlich blieb. Der unbelastete Betrachter sah eigentlich, überspitzt formuliert, nur einen fiesen Widerling der grunzend und brummend durch die Welt lief. Einzig seine Weigerung, für 100.000 Pfund seine Bilder zu verkaufen und diese lieber dem Staat für seine Museen zu schenken, konnte versöhnlich stimmen.

Ganz ehrlich?:  ich hätte lieber die 2 1/2 Stunden mit meinen Büchern (s. Seite Bücherlust) verbringen sollen.