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Ritus m „feierlicher religiöser Brauch; Zeremoniell„: Im 17. Jh. aus gleichbed. lat. ritus entlehnt, das etymologisch verwandt ist mit dt, Reisen – Dazu: r i t u e l l „zum Ritus gehörig, nach dem Ritus vollzogen“ (18./19. Jh.; aus gleichbed. frz. rituel, lat. rituālis); R i t u a l  s „rituelle Ordnung“ (18. Jh.; aus lat. rituāle, dem substantivierten Neutrum von lat. rituālis „den Ritus betreffend“).

So wird, im „DER GROSSE DUDEN“ Band 7 Herkunfstwörterbuch, das Thema der philosophischen Gesprächsrunde, „Rituale – Spielregeln oder Einengung des Lebens„, definiert.

Am Dienstag fand sich die gewohnte Runde, unter der Leitung von Dr. Thomas Ebers, zur philosophischen Deutung des Begriffes Ritual zusammen. Zunächst wurden die Begriffe Gewohnheit, Tradition und Ritual auf einen gemeinsamen Nenner untersucht. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass Gewohnheit und Tradition zwar ähnlich gedeutet werden, aber ganz generell zum Ritual verschieden sind.

Die Gewohnheit ist eine wiederkehrende Handlung, die aber jederzeit umgeändert oder ganz aufgegeben werden kann. Ähnlich, in ihrer Bedeutung jedoch wesentlich bestimmender, ist die Tradition. Obwohl eine Handlung oder ein Verhalten, evtl. schon über Generationen hin, immer gleich ausgeführt wird, kann sie aber trotzdem auch wieder aufgegeben werden.

Das Ritual jedoch, im normalen Sprachgebrauch meistens religiös gedeutet, ist aber gerade nicht eine gewohnheitsmäßige oder traditionelle Handlung, sondern es ist der Weg zu einer Findung der „Heiligen Zeit“ und  des „Heiligen Raumes“; eine Entrückung aus dem „Hier und Jetzt“ und diese ist nicht zur Verfügung stehend, d.h. nicht zu kaufen. Das muss nicht unbedingt einen religiösen Hintergrund haben. Rituale der Entrückung finden sich in allen Kulturen und allen Zeitaltern (rituelle Bestattungen, rituelle Tänze).

So kritisiert etwa der Schriftsteller Martin Mosebach in seinem Buch „Häresie der Formlosigkeit“ die liturgischen Änderungen im Ablauf der katholischen Messe durch das Zweite Vatikanische Konzil nicht zuletzt deshalb, weil die Rituale darin, in seinen Augen, verwässert wurden. Einer der Teilnehmer verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Zulauf von jungen Menschen zum Islam oft gerade in der strengen rituellen Praxis begründet ist.

Der österreichische Philosoph Robert Pfaller wiederum vertritt die Ansicht, dass unsere Gesellschaft verlernt hat zu feiern und sich vom alltäglichen Hier und Jetzt zu lösen. In seinem Buch „Wofür es sich zu leben lohnt: Elemente materialistischer Philosophie“ schreibt er:

Wir mäßigen uns maßlos. Das ist das Merkmal unserer Epoche, ihr Krankheitssymptom. Statt zu fragen, wofür wie leben, fragen wir uns nur noch, wie wir möglichst lange leben.

Einig war sich die Runde, zum Schluss, darüber, dass Rituale unverzichtbar sind.