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Während meiner Beschäftigung mit der dunklen Vergangenheit, der Nazi- und deren Folgezeit, konnte ich lernen, dass in manchen Konzentrationslagern regelrechte Schulungen unter den Häftlingen abgehalten wurden, was später auch in dem ein oder anderen Kriegsgefangenenlager praktiziert wurde. Diese Beschäftigung diente in erster Linie dazu, sich nicht in eine Depressionsroutine fallen zu lassen und der drohenden Verrohung zu entziehen.

Dass ein Augustinum mit keinem der genannten Lager auch nur die geringste Ähnlichkeit hat muss ich wohl nicht besonders erwähnen. Aber ich finde es toll, wenn sich in einer Gemeinschaft Personen finden, die andere an ihrem Wissen, ihren Talenten oder ihren Interessen teilhaben lassen, sich auf diese Weise in die Gruppe einbringen. So kommt es immer wieder vor, dass eine/einer unserer BewohnerIn ein spezielles Seminar zu einem Thema anbietet, das ihr/ihm besonders liegt.

Diesmal war es unser Mitbewohner Norbert Weis (veröffentlichte „Königsberg, Kant und seine Stadt“), der an drei Tagen, jeweils eine gute Stunde, über den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) und dessen „Kategorischen Imperativ“ referierte. Anlass für ihn war die in Bonn, im Haus der Geschichte, stattfindende Ausstellung „Schamlos? – Sexualmoral im Wandel“.

Selbstverständlich werde ich hier nicht das gesamte Seminar wiedergeben, sondern ich beschränke mich darauf zu schildern was mir als wichtig erschien, und ich für mich behalten habe.

Am ersten Tag stand Kants Lebensweg und seine frühen Schriften bis hin zur „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ auf dem Programm. Kant war ein sehr produktiver „Veröffentlicher“, zu dessen wichtigsten frühen Veröffentlichungen gehören:  „Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1746); „Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels“ (1755) beschäftigte sich mit dem Sonnensystem, was ihn zu dem Ausspruch: „Gebet mir Materie, ich will eine Welt daraus bauen!“ veranlasste; „Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes“ (1763), worin er zu dem Schluss kommt, „die Idee Gottes ist der Beweis“; „Versuch über die Krankheiten des Kopfes“ (1764); oder „Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik“ (1766), eine Abrechnung mit dem schwedischen Spiritisten Emanuel von Swedenborg, der Kontakt mit Verstorbenen herzustellen versprach, welches ihn zu dem Fazit veranlasst „er habe 7 Pfund Sterling Ausgaben  für 8 Bände Unsinn gehabt“ und den Rat erteilt: „man solle sich gedulden bis man selbst verstorben sei“. 1781 erschien sein, wohl bekanntestes, Werk „Kritik der reinen Vernunft“,worin es in der Vorrede heißt:

Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung
ihrer Erkenntnisse: daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht
abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben,
die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen
alles Vermögen der menschlichen Vernunft.

und das sich mit der Frage beschäftigt wie Philosophie als Wissenschaft angesehen werden kann. Kant unterscheidet darin zwischen Verstand – eine Gleichsetzung mit der Naturwissenschaft und Vernunft – der Idee

Die Vernunft ist „das Vermögen, von dem Allgemeinen das Besondere abzuleiten und dieses letztere also nach Prinzipien und als notwendig vorzustellen“,

Ein anderes Zitat ist: „Ich mußte also das Wissen aufheben um zum Glauben Platz zu bekommen“. So führt er, Kant, etwa aus: „Meinen ist ein mit Bewusstsein sowohl subjectiv, als objectiv unzureichendes Fürwahrhalten. Ist das letztere nur subjectiv zureichend, und wird zugleich für objectiv unzureichend gehalten, so heißt es Glauben. Endlich heißt das sowohl subjectiv als objectiv zureichende Fürwahrhalten das Wissen.

Im Jahr 1785 erfolgte dann die Veröffentlichung von „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, die am zweiten Tag behandelt wurde und dazu folgt Teil II.