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Am zweiten Tag widmete sich Norbert Weis eingehend der „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ und der Frage „Was soll ich tun?“. Kant beschäftigte sich ja seit der „Kritik der reinen Vernunft“ mit der Beantwortung von drei zentralen und grundsätzlichen Fragen:

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?

Nachdem die erste Frage in der „Kritik der reinen Vernunft“ behandelt worden war, wurde die zweite in der „Grundlegung zur Methaphysik der Sitten“ näher betrachtet. Dieses Werk wurde 1785 veröffentlicht und enthält den berühmten „Kategorischen Imperativ“, der aus den drei folgenden Formeln (heute würden wir Regeln sagen) besteht:

a) Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetzt werde.

b) Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.

c) Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person jedes anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.

Mit diesem Imperativ setzt Kant den autonomen Menschen voraus, der aus eigener moralischer Verantwortung handelt, denn eine Handlung nur zur Vermeidung von Strafe ist wertlos.

Aber jenseits seiner philosophischen Lehrtätigkeit war Kant ja auch Mensch. So wurde seine Akkuratesse von seinem Freund, dem Bürgermeister Theodor Gottlieb von Hippel, einem Autor, in dem Lustspiel „Der Mann nach der Uhr“ karikiert. Allerdings war seine Pünktlichkeit mehr der rigorosen Tageseinteilung seines Freundes Joseph Green geschuldet.

Kant war absolut kein Familienmensch, wenn auch ein recht geselliger Zeitgenosse. Mit seinem Bruder und seinen beiden noch lebenden Schwestern hatte er praktisch keinen Kontakt, obwohl er die letzteren finanziell unterstützt hat. Mit der Kirche hatte er, trotz einem streng pietistischen Elternhaus, indem er aufgewachsen war, nur wenig am Hut. Gottesdienste besuchte er nur wenn dies unumgänglich war. Er war zwar nicht dem weiblichen Geschlecht abhold, sein Frauenbild entsprach allerdings ganz seiner Zeit. Zu den Juden hatte Kant ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits pflegte er regen Kontakt mit Herz und Mendelssohn, den reformerischen Juden, während ihm die Orthodoxie der östlichen Juden widerstrebte.

Kant war ein Verfechter des autonomen Menschen und seiner Freiheit, auch der politischen, die er wie folgt begründet (entnommen dem Kant-Lexikon von Rudolf Eisler)

Das Prinzip der politischen Freiheit ist: „Niemand kann mich zwingen, auf seine Art (wie er sich das Wohlsein anderer Menschen denkt) glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit anderer, einem ähnlichen Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann (d. i. diesem Rechte des anderen), nicht Abbruch tut“, Theor. Prax. II (VI 87 f.). Die politische Freiheit „besteht darin, daß jeder seine Wohlfahrt nach seinen Begriffen suchen kann und auch nicht einmal als Mittel zum Zweck seiner eigenen Glückseligkeit von anderen und nach derer ihren Begriffen gebraucht werden kann, sondern bloß nach dem seinigen“, Lose Bl. C 15; vgl. Recht, Staatsverfassung, Denkfreiheit, Fortschritt, Publizität, Aufklärung.

Der dritte Tag widmete sich  „Kant – im Alltag, Religion und Politik“, worüber ich dann im Teil III berichten werde.