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Was darf ich hoffen? Das war die dritte Frage, die es noch zu beantworten galt. Und, der kategorische Imperativ im Alltag, in Religion und Politik.

Norbert Weis begann sein drittes Referat mit der Frage: „War Kant ein moralischer Rigorist?“ und beantwortet diese mit einem Zitat Kants: „Nichts Menschliches soll man sich fern sein lassen“, denn Kant war durchaus umgänglich, hatte immer gerne Gäste um sich. K. Vorländer führt in seinem Buch „Immanuel Kant – Der Mann und das Werk“ aus:

Von seiner psychologischen Weitsichtigkeit und Weitherzigkeit, bei aller sittlicher Strenge und Folgerichtigkeit, zeugen die den meisten Abschnitten der Tugendlehre beigegebenen „kasuistischen Fragen„, inwieweit etwa doch Ausnahmen von der strikten Regel, z.B. in der Frage des Selbstmords, der Notlüge, des Weingenusses unter bestimmten Umständen erlaubt sein können. …

Ganz rigoros ist Kant jedoch darin, dass er das Streben zur Vollkommenheit als Pflicht des Menschen sieht.

Aufgrund seiner Schriften und Lehren, Kant gilt als Vordenker der Aufklärung, stand er unter ständiger Beobachtung durch die Zensur und der Kirche. 1793 veröffentlichte er, unter Umgehung der Zensur, „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“, worin er ausführt:„Alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch zu thun können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.“ was ihm von Preußenkönig Friedrich Wilhelm einen „allergnädigsten Specialbefehl“ einbrachte, der ihn verpflichtete

… Euch bei Vermeidung Unserer höchsten Ungnade, daß Ihr Euch künftighin Nichts dergleichen werdet zu Schulden kommen lassen, sondern vielmehr Eurer Pflicht gemäß Euer Ansehen und Eure Talente dazu anwenden, daß Unsere landesväterliche Intention je mehr und mehr erreicht werde; widrigenfalls Ihr Euch bei fortgesetzter Renitenz unfehlbar unangenehmer Verfügungen  zu gewärtigen habt.

Kant nahm Stellung zum Klerus, fragte woher das Eigentum stammt und postulierte: „Freiheit ist nur durch Freiheit zu erreichen“.  In seiner, noch heute verlegten (Reclam), Schrift „Zum ewigen Frieden“ von 1795 denkt Kant die Vision einer Völkergemeinschaft und eines Weltbürgertums voraus.

In einer Gedenkrede zu Kants 150. Todestag stellt ihn der Philosoph Karl R. Popper (1902-1994) auf eine Stufe mit Sokrates

… Beide wurden beschuldigt, die Staatsreligion verdorben und die Jugend geschädigt zu haben. Beide erklärten sich für unschuldig, und beide kämpften für Gedankenfreiheit. Freiheit bedeutete ihnen mehr als Abwesenheit eines Zwanges: Freiheit war für sie die einzig lebenswerte Form des menschlichen Lebens. …

Während der Beschäftigung mit diesem Blog fiel mir ein Beitrag zum Thema Nudge in die Hände. Darunter, übersetzt bedeutet es Schubs oder Stups, ist zu verstehen, dass die Menschen durch entsprechende Manipulation (Beeinflussung) zu einem Verhalten gebracht werden sollen, das dem Manipulierenden, sei es Staat oder Wirtschaft, richtig und gut erscheint.

In der, im Jahre 1784 herausgegebenen, Schrift „Was ist Aufklärung“ sagt Kant unter anderem:

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt und so weiter, so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.

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