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Waren es im vergangenen Jahr Gegensätze die hinterfragt wurden, widmet sich der philosophische Gesprächskreis in diesem Jahr Themen die besonders im Blick sind und von den Teilnehmern vorgeschlagen werden können.

Am Dienstag war es, wen wundert’s?,  das Thema der Flüchtlinge und deren Aufnahme. Wurde zunächst das logistische Problem, die Grenzpassage, die Unterbringung, angesprochen, richtete sich der Fokus sehr schnell auf die Frage: wie wird mit den Flüchtlingen umgegangen, welche Auswirkungen hat diese Zuwanderung auf unsere Gesellschaft? In unserem Kreis von 20 Teilnehmern befanden sich 5 ehemalige Flüchtlinge aus der Nachkriegszeit. Die derzeitige Zuwanderung ist jedoch wesentlich geringer, so dass auf 50 Teilnehmer nur ein weiterer Flüchtling kommen würde.

Dr. phil. Thomas Ebers, seit 2011 Leiter von „4 2 3 Institut für angewandte Philosophie und Sozialforschung“ in Bonn, Moderator des Gesprächskreises, lenkte den Blick auf die Begriffe Integration und Leitkultur und stellte die Frage was für uns wohl unverzichtbar und von den Zuwanderern anzunehmen  sei. Während der eine schon deutsche Sitten (abnehmen des Hutes und Begrüßung mit der rechten Hand) als wichtig erachtete, waren es bei einem anderen die Sprache und Gesetze, und für einen dritten galt der Grundsatz „lasst alle machen und schauen was dabei herauskommt“. Wichtigste Grundlage aber sollte das Grundgesetz sein.

Bei der Frage der, laut David Lockwood, so genannten Sozial-Integration, wurden Befürchtungen hinsichtlich Parallelgesellschaften laut. Dr. Ebers berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ausstellung im „Haus der Geschichte“ in Bonn, die dem Thema Zuwanderung von 1950 bis zur Gegenwart gewidmet war. In dieser Ausstellung sei klar zu sehen gewesen, dass in der Vergangenheit keine Integration gewünscht war. Unsere Befürchtungen, die also auf den Erfahrungen der Vergangenheit beruhen, in der Zukunft keineswegs zutreffen müssen.

Integration schließt Exklusion und Separation aus, bedeutet aber auch keine Inklusion.

Entnommen dem Wikipedia-Artikel "Integration"

Entnommen dem Wikipedia-Artikel „Integration“

In diesem Zusammenhang wurde auch die Burka angesprochen. Was macht es aus, dass mensch von diesem Anblick unangenehm berührt wird? Es ist die Angst vor dem Unbekannten. Was verbirgt sich hinter dieser „Ver“kleidung? In der europäischen Kultur ist das Antlitz, der Blickkontakt ein wesentliches Element des Vertrauens und der Begegnung. Was uns Angst macht ist für den Träger aber vielleicht nur eine alte übernommene Tradition, in seinem Lebensumfeld ein ganz normales, unverdächtiges Kleidungsstück. Ausdruck einer uns fremden Kultur bleibt es allemal.

Wichtig ist, zu erkennen, dass Integration keineswegs die Forderung zur vollständigen Aufgabe der dem Zuwanderer eigenen Kultur beinhalten darf.

Eine Anmerkung von mir: heute habe ich im „Max Planck Forschung“ Heft 4.2015 folgendes gelesen:

Ein internationales Forscherteam um Wolfgang Haak und Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte hat durch die Analyse von genetischen Daten aus verschiedenen Zeiten und Regionen nachgewiesen, dass das landwirtschaftliche Wissen aus Anatolien in der heutigen Türkei nach Europa kam. Es verbreitete sich, weil Steinzeitbauern von dort in verschiedene Teile des Kontinents wanderten.

So gesehen, haben sich die türkischen Zuwanderer nur bei ihren Vorfahren einquartiert.