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Cosim Boeru und Sybille Bertsch

Cosim Boeru und Sybille Bertsch

Unter dem Motto „Junger Frühling, sei willkommen“ trugen, am Mittwoch, Sybille Bertsch, Rezitation und Cosim Boeru, Klavier, literarische und musikalische Kostbarkeiten vor.

Es begann mit Edvard Griegs „An den Frühling“. Hierauf rezitierte Sybille Bertsch Goethes „Osterspaziergang“ aus Faust I, gefolgt von der fröhlich daherkommenden „Ballade op 118 Nr. 3“ von Johannes Brahms. Robert Walser kam mit dem verführerischen Duft, das „Das Veilchen“ verströmt, zu Wort, um dann den in Klänge umgesetzten Veilchenduft des Chopin-schen   „Prélude op. 25 Nr. 15“ zu erahnen.

Theodor Fontane begrüßte den lang ersehnten Frühling,

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich’s zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!

Hilde Domin träumt sich mit „Nur eine Rose als Stütze“ in die Wolken und Rose Ausländer rechnet mit dem „April“ ab, findet ihn aber garnicht so übel „im großen und ganzen ein prächtiger Kerl dieser April“. Peter Tschaikowsky lässt darauf den „April“ aus „Die Jahreszeiten“ erklingen.

Von Mascha Kaléko, meine Lieblingsdichterin seit unendlich vielen Jahren, gestand „Sozusagen grundlos vergnügt“ zu sein. Dieses Vergnügtsein war in „Le petit nègre“ von Claude Debussy zu vernehmen, das pure Freude vermittelte. Heinrich Heine wurde rezitiert mit seinen „Neue Gedichte“ II, III, VI und XXXIII“. Grandios hierauf das Ständchen „Leise flehen meine Lieder“ von Franz Schubert in der Bearbeitung von Franz Liszt.

Weiter ging es mit H. Christian Andersen „Der Schmetterling“ (wer zu wählerisch ist bleibt zum Schluss allein), heiter konterkariert von Felix Mendelssohns „Frühlingslied“ aus seinem „Lied ohne Worte op 62“. Antoine de St. Exupéry ließ Blumen erblühen

Ihre Schönheit reifte geschützt in ihrer grünen Hülle. Sie wählte ihre Farben sorgfältig. Sie kleidete sich langsam an, sie ordnete ihre Blütenblätter eins nach dem anderen. Sie wollte nicht so zerknittert aufgehen wie die Mondblumen. …

und von Franz Liszt war sein „Liebestraum 3“ zu hören. Heinrich Heine schilderte den 1. Mai in seiner „Harzreise“, in Töne gesetzt von Frédéric Chopin mit dem „Valse cis-moll op. 64 Nr. 2“.

Sehnsuchtsvoll besingt Eduard Mörike den Frühling mit seinem Gedicht „Im Frühling“

Hier lieg‘ ich auf dem Frühlingshügel:
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag‘ mir, alleinzige Liebe,
Wo d u bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Liebe und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
Es dringt der Sonne goldner Kuss
Mir tief bis ins Geblüt hinein;
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
Mein Herz, o sage,
Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
– Alte unnennbare Tage!

Getragen erklingt das „Prélude op. 32 Nr. 10“ von Sergei Rachmaninoff. Zum Abschluss folgt die Bootsfahrt aus Iwan Turgenjews Erzählung „Asja“ und das himmelstürmende „Prélude op. 23 Nr. 5“, ebenfalls von Rachmaninoff.

Es war ein wunderbar abgestimmtes Programm, das den dankbaren Hörern geboten wurde. Rezitation (schön moduliert) und Musik (gekonnt gespielt) waren hervorragend aufeinander abgestimmt, und so war der Schlussapplaus, der mit einer gleichzeitigen Rezitation von Mörikes „Frühling lässt sein blaues Band …“ und einem Stück von Chopin, als Zugabe, belohnt wurde, mehr als verdient.

Frühling sei herzlich Willkommen!