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Ausgehend von einem Interview des Philosophen Peter Sloterdijk im „Cicero“, untersuchte der Philosophische Gesprächskreis, am Dienstag, wie immer unter der Leitung von Dr. Thomas Ebersdessen These, dass der Nationalstaat ein langes Leben vor sich habe.

Als lockerer Bund hat die EU mehr Zukunft, als wenn sie auf Verdichtung setzt. Dem Nationalstaat darf man ein langes Leben prophezeien, weil er das einzige politische Großgebilde ist, das bis zur Stunde halbwegs funktioniert. Die überwölbenden Strukturen können nur in dem Maß bestehen, wie die Nationalstaaten ihnen den Rücken freihalten.

Zunächst wurde der Begriff „Nationalstaat“ unterteilt, um, für beide Teile getrennt, eine Bedeutungserklärung zu finden. Als Erstes wurde der Begriff  „Staat“ genauer untersucht. Um als Staat zu gelten, so befand die Runde, bedarf es eines Staatsgebietes, einer Amtssprache, einer Verwaltung, der Staatsgewalt, Steuern und als wichtigstes Element, einer Menschengruppe.

Das deutsche Wort Staat ist dem lat. status (Stand, Zustand) entlehnt. Die früheren Staatsformen der polis („Stadtstaat“), civitas („Bürgerschaft“), res publica („öffentliche Angelegenheit“), regimen („Königsherrschaft“), regnum („Königreich“) oder imperium („Herrschaftsbereich“) haben mit dem heutigen Staatsbegriff jedoch nichts mehr gemein, der sich vielmehr aus seinem Organisationszusammenhang definiert.

Der Begriff „Nation“ wurde aus dem lat. natio (Volk, Sippschaft, Gattung) übernommen. Im 19. Jhd. wurde, als Gegenbewegung zu Napoleon und der franz. Revolution, wieder vermehrt auf die eigene Nation Wert gelegt. Den universellen Regeln, die für alle gültig sein sollten, wurden die landsmannschaftlichen Eigenheiten und Sprache entgegen gestellt.

In der Diskussionsrunde stellte sich sehr bald heraus, dass gerade der Begriff Nation schwer zu fassen war. Was macht eine Nation aus? Die gemeinsame Grenze, die Sprache, Geburt, Kultur und Sitten, die gemeinsam überkommene oder erlebte Vergangenheit? Ein Argument für die nationale Sinngebung wurde, innerhalb der Diskussion,  ganz vergessen. Der Sport. Bei keinem anderen Ereignis kann mensch so schnell die Nationenbildung erkennen. Da hört der Spaß aber auf. Von wegen europäisch, global. Als echte Europäer fühlen wir uns doch nur dann, wenn beim Ryder-Cup die europäischen Golfer gegen die USA spielen und, hoffentlich, gewinnen.

Nur einer der Teilnehmer konnte Verständnis für die These Sloterdijks aufbringen. Er war der Meinung, dass, je größer ein Gebilde ist, um so weniger Demokratie herrscht und um so schwieriger eine gemeinsame Ausrichtung möglich ist. Die Ereignisse um die Flüchtlingswelle der vergangenen 5 Jahre zeigen doch deutlich, dass eigene nationale Interessen (noch?) immer Vorrang haben. Insofern kann das obige Zitat durchaus die Zukunft aufzeigen.