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Vivaldi rief und alle, alle kamen. Bis auf den letzten Platz besetzt war am Freitag der Theatersaal im Augustinum. Ob es nur an der Musik lag oder an der Ankündigung, das wage ich nicht zu entscheiden. Auf jeden Fall konnte mensch sich schon allein vom Orchester, der Sinfonietta Köln, – einem renommierten Ensemble, das bei  internationalen Festivals regelmäßig aufspielt – dem Dirigenten, Cornelius Frowein – er lehrt an der Folkwang Universität der Künste Essen und am Orchesterzentrum NRW Dortmund – und dem Solisten, Sergey Dogadin, – hat bereits zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen und Tourneen in Russland, den USA, Japan, Deutschland usw. absolviert – zu diesem Konzertbesuch verführen lassen. Darüber hinaus war noch ein ganz besonderer Genuss versprochen worden, denn Cornelius Frowein sollte „das Publikum zu einem multimedialen Besuch in der Werkstatt des Komponisten mitnehmen“ und so das Erlebnis der „Vier Jahreszeiten“ noch eindrücklicher werden lassen. Und die Zuhörer waren sogar „Premierenpublikum“ für diese Vorgehensweise.

Vivaldis vier, den Jahreszeiten gewidmeten, Konzerten ist jeweils ein Sonett vorangestellt, deren Übersetzungen, allerdings mehr an den Aussagen als am Versmaß orientiert, im Abendprogramm abgedruckt waren. Ob diese Sonette von Vivaldi selbst stammen ist nicht ganz geklärt, aber sehr wahrscheinlich.

Cornelius Frowein widmete sich nun jedem einzelnen Satz des Konzertes „La Primavera“ (Der Frühling) und machte anhand von Notenbeispielen aus der Partitur auf die lautmalerische Umsetzung von Vogelstimmen, Donner und Blitz, Hundegebell, Quellenrauschen oder auch der Charakterisierung einer Wiese aufmerksam. Die entsprechenden Passagen wurden jeweils kurz angespielt. Nach dieser Einführung wurden dann die drei Sätze komplett gespielt.

Das Orchester mit dem Solisten Sergey Dogadin und seinem Leiter Cornelius Frowein

Das Orchester mit dem Solisten Sergey Dogadin und seinem Leiter Cornelius Frowein

Bei dem Konzert „L’Estate“ (Der Sommer) waren es der Kuckuck, die Turteltaube und Stieglitz, der Lamentogesang des ängstlichen Hirten, und eine neue Spielart des Donners, sowie der Fliegenschwarm, besonders angeführte und vorgespielte Muster. Danach folgte die ganze Aufführung der vier Konzertsätze.

In der folgenden Pause waren viele kritische Stimmen zu hören. „Das ist Musikunterricht“ war zu hören, oder „ich will das Stück hören und nicht Musik studieren“. Meine Meinung hierzu will ich erst am Ende des Beitrags kundtun.

Ob durch Hinweis oder eigenes Bemerken. Cornelius Frowein begrüßte die Zuhörer mit dem Versprechen sich kürzer zu fassen und freute sich, dass fast alle wieder gekommen seien. Zum Auftakt des zweiten Teiles schilderte Frowein einige Einzelheiten aus dem Leben Vivaldis. Antonio Vivaldi war das erste von neun Kindern. Erhielt mit 15 die niedere Weihe und mit 18 Jahren die höhere Weihe zum Priesteramt. Mit 25 Jahren wurde er Priester und Kaplan an der Kirche S. Maria delle Pietà. Vivaldi betreute das Orchester des Ospedale della Pietà (eines von vier Heimen in Venedig für Waisenmädchen), das weit über Venedig hinaus bekannt  war und auf allerhöchstem Niveau spielte.

Danach widmete sich C. Frowein wieder den „Vier Jahreszeiten“ und stellte den Herbst, mit seinen trunkenen Dorfleuten, dem Schlaf der Ermattung (unter Verwendung von Veränderungen der Akkorde), dem Galopp der Jäger, dem Hundegebell und Schüssen, vor. Hierauf folgte die drei Sätze des Konzertes „L’Autunno“ (Der Herbst).

Der Winter war durch kalte Tage, Zittern und Zähneklappern geprägt (in der Notation und im Spiel). Ruhig verlief das Largo (Ruhige und frohe Tage am Feuer, während draußen hunterte vom Regen durchnässt werden), und im Allegro brach das Eis, die Winde heulten. Der Erläuterung folgte wieder das gesamte Konzert „L’Inverno“ (Der Winter).

Nachdem der letzte Ton verklungen war feierte das Auditorium das Orchester, seinen musikalischen Leiter und den Solisten. Sergey Dogadin spielte als Zugabe ein Solo des „Teufelgeigers“ Paganini, mit dem er sein überragendes Können nochmals unter Beweis stellen konnte.

Welches Erlebnis war es nun für mich? Ich fand es schade, dass durch den Wechsel von Vortrag, Musikbeispielen und Konzert die ganze Veranstaltung zerhackt wurde. Irgendwie fehlte mir das Gesamterlebnis eines Konzertes, während ich andererseits die Erläuterungen überaus interessant fand. Wenn ich das organisieren müsste würde ich folgendermaßen verfahren. Einführung für das gesamte Konzert, also alle vier Jahreszeiten, etwa eine halbe Stunde früher ansetzen. Nach der Einführung eine kurze Pause (ca. 10 Minuten) und dann die Aufführung des Konzertes von Antonio Vivaldi „Le quattro stagioni“ (Die Vier Jahreszeiten). So könnte jeder Besucher für sich entscheiden ob er sich die Erläuterungen „antun“, oder nur das Konzert hören möchte. Ich für meinen Teil, wäre ganz sicher schon bei der Einführung da.