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„Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht“

Diese Zeilen aus den „Nachtgedanken“ fallen mir immer zuerst ein, wenn ich den Namen des Dichters Heinrich Heine höre und mir scheint, dass diese Worte immer gültig waren, und heute wieder mehr als aktuell sind. Ich weiß wohl, dass er sich im Verlauf des Gedichtes nicht um das Land, sondern um seine Mutter und seine Lieben sorgt, aber gibt es zutreffendere Zeilen als diesen Gedichtanfang, wenn mensch an den Staat Deutschland, ob Vergangenheit oder Gegenwart, denkt?

Am Montag hielt PD Dr. Jürgen Nelles, Universität Bonn, im Rahmen der VHS-Ahrweiler, im Augustinum, vor einem überraschend zahlreichen Publikum, einen bebilderten Vortrag über Heinrich Heine, dessen Todestag sich heuer zum 160. mal jährte (17. Februar 1856). Dr. Nelles begann seine Ausführungen  mit den letzten Worten des Dichters „Gott wird mir verzeihen, das ist sein Beruf.“ und  der Vorstellung von Heines Geburtsort Düsseldorf.

Hier stand Heines Geburtshaus

Hier stand Heines Geburtshaus

Inschrift

Inschrift

 

 

 

 

 

Hierauf folgte eine Schilderung der Kinder- und Jugendjahre Heines, der am 13. Dezember 1797 als Harry Heine geboren wurde. Heine selbst verlegte seine Geburt jedoch auf den 31. Dezember 1799, weil er sich als Mensch zweier Jahrhunderte sah. Ab 1803 besuchte Heine eine jüdische Privatschule, wechselte aber 1804 an die städtische Grundschule und 1807 an das Düsseldorfer Lyzeum, welches er, allerdings ohne Abschluss, 1814 verließ. Zur Erlernung der lat. Sprache meinte Heine: “Die Römer hätten nie die Zeit gehabt, die Welt zu erobern, wenn sie zuvor hätten Latein lernen müssen.” 1811 erlebte Heine den Einzug Napoleons in Düsseldorf, den er fast hymnisch beschrieb. Zwischen 1815 und 1816 arbeitete Heine bei dem Bankier Rindskopff in Frankfurt. Dort lernte er auch die bedrückenden Zustände eines Ghettos kennen, denn die Juden in Frankfurt waren auf ein solches Viertel beschränkt. Noch 1816 kam  Harry Heine zum Bankhaus seines Onkels Salomon Heine in Hamburg. Dieser Onkel unterstützte seinen Neffen mit finanziellen Zuwendungen bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1844, obwohl er der journalistischen und dichterischen Profession desselben kein Verständnis entgegengebracht hatte: „Hätt’ er gelernt was Rechtes, müsst er nicht schreiben Bücher.“

Da Heines Interesse offensichtlich nicht dem merkantilen Gewerbe gewidmet war, wurde ihm erlaubt, dass er in Bonn das Studium der Rechtswissenschaft aufnahm. Allerdings besuchte er nur eine einzige juristische Vorlesung, dafür jedoch die Vorlesungen von August Wilhelm Schlegel und Ernst Moritz Arndt zur Geschichte der deutschen Sprache und Poesie. Die Zeit in Bonn und Umgebung fand in mehreren Gedichten ihren Niederschlag, wie auch die unerwiderte Liebe zu einer seiner Cousinen:

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen andern erwählt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

„Nacht auf dem Drachenfels“

Um Mitternacht war schon die Burg erstiegen,
Der Holzstoß flammte auf am Fuß der Mauern,
Und wie die Burschen lustig niederkauern,
Erscholl das Lied von Deutschlands heil’gen Siegen.

Wir tranken Deutschlands Wohl aus Rheinweinkrügen,
Wir sahn den Burggeist auf dem Turme lauern,
Viel dunkle Ritterschatten uns umschauern,
Viel Nebelfraun bei uns vorüberfliegen.

Und aus den Trümmern steigt ein tiefes Ächzen,
Es klirrt und rasselt, und die Eichen krächzen;
Dazwischen heult des Nordsturms Wutgebrause …

Sieh nun, mein Freund! so eine Nacht durchwacht’ich
Auf hohem Drachenfels, doch leider bracht‘ ich
Den Schnupfen und den Husten mit nach Hause.

„Oben auf dem Rolandseck“, „Mir lodert und wogt“.

Im Wintersemester 1820 ging Harry Heine an die Universität in Göttingen, wurde jedoch schon kurze Zeit darauf von der Uni verwiesen, da er, von einem Kommilitonen als Jude beleidigt, sich mit diesem duellierte. Von Göttingen aus ging Heine nach Berlin und wurde dort bald in den literarischen Zirkeln, den Teegesellschaften, heimisch. In Berlin befasste sich Heine auch intensiv mit dem Judentum und begann, sein unvollendetes Werk, den Roman „Der Rabbi von Bacharach“.

Du hast Diamanten und Perlen,
Hast alles, was Menschenbegehr,
Und hast die schönsten Augen –
Mein Liebchen, was willst du mehr?

Auf deine schönen Augen
Hab ich ein ganzes Heer
Von ewigen Liedern gedichtet –
Mein Liebchen, was willst du mehr?

Mit deinen schönen Augen
Hast du mich gequält so sehr,
Und hast mich zu Grunde gerichtet –
Mein Liebchen, was willst du mehr?

1824 trat Harry Heine zum Christentum über und nannte sich von da an Heinrich. Ein Jahr zuvor hatte er seinem Freund Immanuel Wohlwill geschrieben: „Auch ich habe nicht die Kraft einen Bart zu tragen, und mir Judemauschel nachrufen zu lassen, und zu fasten etc.“. Ins gleiche Jahr 1824 fiel seine Harzwanderung und in diesem Jahr entstand sein wohl bekannteste Gedicht, „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“. Das Loreley-Lied gehört so sehr zum deutschen Dichtgut, dass selbst die Nazis, obwohl sie Heines Bücher, er war ja schließlich Jude, verbrannten, dieses nicht verboten haben. Nur stand dann da: „Dichter unbekannt“.

Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Nachdem Heinrich Heine wegen seiner politischen Ansichten immer stärker angefeindet wurde und er der preußischen Zensur überdrüssig war siedelte er 1831, nach Paris über. Hier schrieb er für die „Allgemeine Zeitung“ eine Artikelserie, die sein Hamburger Verleger Julius Campe im Dezember 1832 unter dem Titel „Französische Zustände“ in Buchform herausgab. 1844 erschien „Deutschland ein Wintermärchen“, dem eine Winterreise von Paris nach Hamburg zugrunde lag. In seinem Exil in Frankreich hatte Heine Kontakt zu den bekanntesten Größen des Kulturlebens seiner Zeit wie Hector Berlioz, Ludwig Börne, Frédéric Chopin, George Sand, Alexandre Dumas und Alexander von Humboldt.

Heinrich Heine starb 1856 und wurde auf dem Pariser Nordfriedhof, im Volksmund Cimetière de Montmartre, begraben.

Heines Grab

Heines Grab

DCF 1.0

Grabinschrift

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Werke sind bis in die heutige Zeit relevant und in diesem Zusammenhang frage ich mich, gibt es noch ein anderes Volk, das seine Bewohner, und oft waren (sind) es die besten ihrer Zunft, drangsaliert, verfolgt und, in der Zeit der Nazi-Herrschaft, hunderttausendfach tötet, nur weil sie einer religiösen Minderheit angehören? Bewegungen wie Pegida, NPD und sonstige rückwärts gewandte Gruppierungen lassen Schlimmes befürchten. „Denk ich an Deutschland in der Nacht…“