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Bei der, am letzten Dienstag stattgefundenen philosophischen Gesprächsrunde, wie immer von Dr. Thomas Ebers geleitet, und einem aktuellen Thema der letzten 4 Wochen gewidmet, entwickelte sich um die Causa Böhmermann eine wahre tour d’horizon durch die Medienwelt. Ausgehend von dem Schmähgedicht das Jan Böhmermann in seiner Sendung „Neo Magazin royal“ an den türkischen Präsidenten richtete, wurden Fragen der Meinungsfreiheit, Medieneinfluss, Medienpräsenz und Umgang mit den Medien behandelt. Das Gedicht selbst wurde eher als nicht gerade herausragende Dichtung gesehen und konnte durchaus als beleidigend aufgefasst werden. Andererseits bezog sich Böhmermann explizit auf die diplomatische Reaktion Erdogans, auf eine „Extra 3“ Sendung des NDR, in der ein Nenasong umgedichtet worden war und sich über den Präsidenten lustig machte. Der Botschafter Deutschlands wurde einbestellt und von türkischer Seite ein Eingriff in die Senderfreiheit verlangt. Böhmermann nun, hat, bevor er sein Gedicht vortrug, ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass dieses sehr wohl beleidigend sei und solche Äußerungen nicht gemacht werden dürften. Am Schluß seines Vortrages unterband er sogar das Beifallsklatschen. Mit diesem Vorgehen ist Böhmermann sicher an die Schmerzgrenze der Meinungsfreiheit gegangen, aber meiner Meinung nach immer noch kurz vor einer Verfolgungsmaßnahme geblieben. Jetzt werden also die Gerichte entscheiden.

Was aber ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt? Darf die Presse, dürfen die Medien allgemein, über alles berichten? Und inwieweit werden die Medien von den Protagonisten selbst benutzt? Während einige der Teilnehmer die Medien eher kritisch sahen, wurde doch mehrheitlich ihre „4. Macht“, neben Legislative, Exekutive und Judikative als notwendig und wichtig erachtet. Medien wirken in die Realität hinein. Machen sich die Medien aber andererseits nicht zum Handlanger der Terroristen, wenn sie immer ausführlich über deren Aktionen (Anschläge) berichten? Sind aber die Medien selbst nicht Getriebene geworden durch das Internet? Irgendein Handyvideo wird es ja wohl immer geben und ins World Wide Web gestellt werden.

Alle aber, die eine Wirkung erzielen wollen, sind auf die Medien angewiesen, und verstehen meist auch sie zu nutzen. Donald Trump wäre ohne Berichterstattung über seine Pöbeleien kaum so populär geworden, wie er es in seinem Wahlkampf geworden ist. Pöbeln macht interessant und so erfüllt er eine mediale Logik. Ohne Aufmerksamkeit zu erregen wird auch niemand wahrgenommen. Und selbst Papst Franziskus könnte seine Botschaft nicht so unter die Leute bringen, wenn er sie, und sich selbst, nicht medienwirksam präsentieren würde.

Zum Schluß stellten die Teilnehmer dieser lebhaften Diskussion fest, dass noch sehr viele Fragen offen geblieben sind und eine Vertiefung notwendig sein wird.