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Am Mittwoch, wurde in der Reihe „Die Welt im Kopf“, von Dr. med. Magnus Heier, Neurologe, Buchautor und Journalist, vor einem zahlreich erschienen Publikum, der Vortrag „Gedächtnis – wie sich Erinnerungen ins Gehirn einbrennen und warum“, gehalten. Seine Ausführungen waren mit zahlreichen Bildern unterlegt. Um mein Lob gleich zu Anfang los zu werden, Dr. Heier ist ein großartiger Redner, der sein Publikum mit humorvollem Vortrag, überaus verständlich mit den komplexesten Themen, fesseln kann. Gleich zu Beginn gab er seinem Auditorium den Rat nicht gegen Kinder Memory zu spielen, denn da wären die Erwachsenen gnadenlos unterlegen.

Wie aber funktioniert die Erinnerung? Erinnerungen bestehen nicht nur in Bildern oder Geräuschen, auch Gerüche oder geschmackliche Erlebnisse können eine Erinnerung hervorrufen. In den 70-75 Milliarden Gehirnzellen (wobei ca. 80.000 täglich absterben) werden die empfangen Eindrücke, ähnlich kleinen Mosaikteilchen, in verschiedenen Arealen abgespeichert und erst durch den Hippocampus (auch Seepferdchen genannt), für jede Gehirnhälfte einer, zusammengefügt. Danach genügt ein Teil, eben ein Geruch oder ein Geräusch, um die ganze Erinnerung zu aktivieren. Diese Teile werden immer wieder neu zusammengesetzt, bis sie nach 12 Monaten unauslöschlich eingeprägt sind und der Hippocampus für diese Erinnerung, nicht mehr benötigt wird.

Ein interessanter Fall für die Neurologie war z.B. Henry Molaison, der durch eine Operation, aufgrund schwerer Epilepsie, beide Hippocampi verlor und seither keine neuen Erinnerungen mehr speichern konnte, obwohl seine Erinnerungen an die Zeit vor der Operation alle noch abrufbar waren.

Ein anderes Phänomen ist die sogenannte Inselbegabung, deren wohl bekanntester Vertreter Stephen Wiltshire ist. Dieser Mann kann nach einem einzigen Überflug einer Großstadt wie Rom, Paris oder London ein komplettes Panorama dieser Städte zeichnen.

Erinnerungen sind jedoch auch manipulierbar, wie die Psychologin Elizabeth Loftus mit ihrem Experiment „Lost in the mall“ nachweisen konnte. In diesem Experiment wurde den Probanden vorgegaukelt sie seien im Kindesalter in einem Einkaufszentrum verloren gegangen und ein Teil von ihnen war sich dann sicher, dass er dieses Erlebnis erinnern würde.

Neue Verbindungen im Gehirn sind bis ins hohe Alter möglich. Auch die Furcht vor einer Demenz ist eigentlich nicht notwendig. So leiden nur 4% der über 70jährigen und lediglich 20% der über 80jährigen an einer Art dieser Erkrankung. Die gute Botschaft, Nichtdemenz ist normal. So wurde festgestellt, dass der Wortschatz bis zum Alter von 80 Jahren anwächst.

Selbstverständlich muss der Einzelne auch selbst dazu beitragen, dass sein Gedächtnis immer in Form bleibt, wie auch der Körper trainiert wird. Hierzu empfiehlt Dr. Heier:

Schlaf (immer so viel der Körper braucht, da gerade die Traumphasen für die Verarbeitung in unserem Gehirn sehr wichtig sind);
Lernen (egal was auch, das Gehirn will und muss beschäftigt sein);
Eselsbrücken (geistige Verbindungen);
Zahlen (diese als Bilder mit einer Geschichte verknüpfen); Hörgerät (ein schlechtes Gehör ist auch für das Gehirn schädlich);
Lesen (nicht gerade die Zeitung mit den 4 großen Buchstaben);
Gestikulieren (diese Bewegungen helfen Verbindungen zu knüpfen);
Tagebuch (schriftliches Festhalten des Tages verstärkt die Erinnerung);
Schreiben (alles was mensch niederschreibt bleibt besser haften);
Medikamente (am besten darauf verzichten);
Kaffee (hat viele gute Auswirkungen);
Sport (macht das Deutsche Sportabzeichen, denn körperliche Betätigung stärkt nicht nur den Body);
Kommunikation (häufiges Gespräch ist gut für neue Verknüpfungen);
Aktiv sein (warum nicht noch im Alter die Seniorenuniversität besuchen?);
Soduku (diese zu lösen ist zwar nicht schlecht, stärkt aber das Gehirn nur für diese spezielle Anforderung)

Nach Abschluss seines Vortrages, der mit viel Beifall aufgenommen wurde, stellte sich Dr. Heier noch Fragen aus dem Publikum, wobei er meinte: „jetzt haben Sie die Möglichkeit einen Neurologen ohne dreimonatige Wartezeit zu sprechen“. Bei dieser Fragerunde ging es um verschiedene Themen, so z.B. dass der ausreichende und notwendige Schlaf nicht an einem Stück sein muss, weil mensch gerade bei einem Mittagsschlaf schnell in die Traumphase kommt; oder dass Nahrungsergänzungsmittel bei normaler, ausgewogener Ernährung absolut nicht notwendig sind (außer jemand sei Alkoholiker); oder dass das Erlernen von Gedichten sehr hilfreich sein kann (wie jedes Erlernen einer neuen Sprache oder Aktivität ein gutes Gehirntraining ist).

Auf den nächsten Vortrag, am 1. Juni 2016, darf mensch sich jetzt schon freuen.