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Bei einem Spaziergang entdeckte ich die Ankündigung einer Führung durch das Bundeshaus,

Bundeshaus und Leben auf dem Bundesplatz

Bundeshaus (Nordfassade) und Leben auf dem Bundesplatz

in deutscher Sprache, die in 15 Minuten beginnen sollte und noch nicht ausgebucht war. Diese Gelegenheit wollten wir, meine Frau und ich, uns nicht entgehen lassen und gingen gleich zur Anmeldung. Nach Aushändigung der Eintrittskarten wurde uns vom Wachdienst der Personalausweis abverlangt und dafür erhielten wir ein Besucherschild überreicht. Anschließend durchliefen wir noch einen Sicherheitscheck, gleich dem an einem Flughafen. Nachdem wir unsere überflüssigen Habseligkeiten in einem Gardarobenschränkchen verstaut hatten bekamen wir noch ein Hörfunkgerät überreicht, so dass wir unsere Führerin auch immer gut hören konnten. Dann ging es auch schon los mit dem Ersteigen des ersten Podestes im Kuppelbau.

Das Bundeshaus wurde anlässlich der Gründung des modernen Bundesstaates, und der Festlegung auf Bern als Hauptstadt 1848, zunächst mit dem Bundeshaus West, 1852 bis 1857, errichtet. Die Platznot zwang, zumal mit der Revision der Verfassung im Jahre 1874, zu einer Erweiterung, die mit dem Bundeshaus Ost erreicht wurde, das in der Zeit von 1884 bis 1892 erbaut worden war. 1893/94 dann wurde durch die beiden Räte das Parlamentsgebäude beauftragt, das mit dem Kuppelbau, außergewöhnlich für diese Zeit in Europa, da Kuppeln eher Sakralbauten vorbehalten waren, eine Verbindung beider Häuser schuf und gleichzeitig ein Abbild der Schweizerischen Demokratie wurde. Die Kreuzesform übernahm außerdem noch das Flaggensymbol der Schweiz. 30 Gesteinssorten aus 13 verschieden Kantonen wurden dabei verbaut um so die föderale Struktur des Landes in seinem Parlamentsgebäude zu dokumentieren. Baubeginn war im September 1894 und die Übergabe des Gebäudes erfolgte am 1. April 1902.

In der Kuppel sind das Schweizer Kreuz

Die Kuppel

Die Kuppel

und die Wappen sämtlicher Kantone dargestellt. Darunter befinden sich 4 Glasfenster

Eines der Fenster (MetallIndustrie)

Eines der Fenster (MetallIndustrie)

mit der Darstellung aus dem Arbeitsleben der Bevölkerung, das Volk als obersten Souverän symbolisierend. Unterhalb der Fenster, sich gegenüberliegend, auf gleicher Höhe, befinden sich der Ständerats- und der Nationalratssaal. In etwa, aber wirklich nur annähernd, dem Bundesrat und Bundestag bei uns vergleichbar.

Im Ständeratssaal

Im Ständeratssaal

Im Nationalratssaal

Im Nationalratssaal

Während der Führung konnten wir Besucher im jeweiligen Saal den Platz eines/einer Abgeordneten einnehmen. Im Ständeratssaal, der im Renaissancestil mit dunklem Täfer ausgekleidet ist, wurden z. B. die Vertiefungen für die Tintengläser gleich zweimal umgewidmet. Zuerst wurden daraus Aschenbecher und jetzt verbergen sich darin die Abstimmungsknöpfe der Neuzeit. Da im Ständerat keine Übersetzung stattfindet und jeder der Abgeordneten in seiner Landessprache vorträgt, muss auch jeder der Gewählten alle drei Landessprachen, deutsch, französisch und italienisch, (rätoromanisch ist hier ausgenommen) beherrschen.

Die drei Eidgenossen

Die drei Eidgenossen

 

In der Eingangshalle fallen besonders die Statuen der drei Eidgenossen, Repräsentanten des ersten Bundes, dem Rütlischwur der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden, auf. Jede der 3 Figuren  und der Sockel wiegen 8 Tonnen.

 

 

Im Nationalratssaal ist  das Wandgemälde „Die Wiege der Eidgenossenschaft“ besonders bestimmend.

Die Wiege der Eidgenossenschaft

Die Wiege der Eidgenossenschaft

In diesem Gemälde von Charles Giron werden der Rütli, die Ortschaft Schwyz und die Mythengipfel dargestellt. Innerhalb der Wolken erkennt man eine allegorische nackte Frauenfigur, die als Symbol des Friedens einen Olivenzweig in der Hand hält. Und am Felsvorsprung links ist, als Anspielung auf den 1. April als Eröffnungsdatum des Parlamentsgebäudes, eine Forelle abgebildet, da der Aprilscherz im französischen als poisson d’avril bezeichnet wird.

Die Kuppelhalle mit Ost- und Westbau

Die Kuppelhalle mit Ost- und Westbau

Die Wandelhalle dient dem Treffen der Abgeordneten untereinander oder mit der Presse und Lobbyisten. Auch ihre Computerarbeit erledigen die Volksvertreter hier. In die Ratssäle darf, ausgenommen bei den Führungen, kein Besucher. Interviews oder TV-Berichte werden immer in der Wandelhalle geführt.

Decke in der Wandelhalle

Decke in der Wandelhalle

Die, übrigens kostenfreie, rund einstündige Führung war überaus interessant und informativ. So konnte ich, neben all den Informationen zu dem Gebäude, z.B. lernen, dass der Schweizer Franken als Einheitswährung, erst 1848, mit dem neuen Bund, eingeführt wurde. Zuvor hatte jeder Kanton seine eigene Währung. Unsere Ausweise haben wir natürlich, gegen Abgabe der Besucherschilder, wieder zurück bekommen.