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Es war ein sympathischer Auftritt des Musikers Rafael Rieck,

Am Flügel des Augustinum: Rafael Rieck

Am Flügel des Augustinum: Rafael Rieck

den dieser gestern, am Mittwoch, mit seiner Lesung aus dem Roman „Das Weiberdorf“ von Clara Viebig (1860-1952), und seiner eigenen musikalischen Kommentierung am Piano, hier absolvierte. Rieck tourte in den 1970ern mit dem amerikanischen Bluesmusiker Blind John Davis in Europa. Er begleitete aber auch Udo Lindenberg, oder trat als Solist, selbst in China auf. Mit seinem „Eifelblues“ spielte er bei den Lesungen des Eifel-Krimi-Schriftstellers Jaques Bendorf auf. Jetzt, nachdem er sich in seiner alten Heimat, der Eifel, „zur Ruhe“ gesetzt hat, begeistert er sein Publikum mit Lesungen aus Eifel-Büchern und seinen gekonnten Blues- und Jazz-Darbietungen.

Zunächst schilderte Rieck die Zeitumstände, das Kaiserreich am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in denen Clara Viebig mit ihrer schriftstellerischen Arbeit begann. Mit ihrem Roman „Das Weiberdorf“, der in dem Eifelort Eisenschmitt (im Roman Eifelschmitt) spielt, hatte sie ihren großen Durchbruch, denn der Roman wuchs sich zu einem echten Skandal aus. Die Bewohner von Eisenschmitt fühlten sich unzutreffend geschildert, die Kirche nahm Anstoß an der freizügigen Darstellung menschlicher Leidenschaften. Bei einem Urlaubsaufenthalt des Ehepaares Viebig-Cohn in Manderscheid, musste sich dieses handgreiflichen Angriffen der Eifeler erwehren.

Aus diesem Roman nun, las Rafael Rieck vor, und spielte zu den einzelnen Szenen des Buches Improvisationen seiner Kompositionen,  die er selbst nur Einfälle nennt. „Blues für Klör“ (ob ich dieses Platt immer richtig verstanden habe, da bin ich mir nicht sicher) machte den Auftakt. Es folgten „Erup und eraf“ (wohl rauf und runter); und „Dauner Käs“ (Rahm mit Resten aus der Küche). Das Stück „Himmel und Ähd“ (gebratene Blutwurst, Kartoffelpüree und Zwiebeln) spielte Rieck gleich zweimal. Unzufrieden mit seiner ersten Darbietung, sein Kommentar: „der Beifall ist sehr zögerlich und Sie haben recht, mir gefällt das auch nicht“, nahm er das Stück nochmals vor und es klang dann auch ganz anders. Diesmal war der Beifall reichlich. Die Schilderung einer armen, kranken Frau, im Buch, zu der ein Besucher sagte: „Du wirst doch nicht himmeln“ (sterben) inspirierte ihn zu „Dem Himmel nah“ und zum Abschluss sang er seinen „Eifelblues“, der ihn schon sein halbes Leben begleitet. Zur Zugabe ermuntert spielte er dann noch den „Eifeltrain“-Boogie und einen Blues aus den Anfangsjahren dieses Genres.

Nicht ohne das Versprechen gerne wieder zu kommen verabschiedete sich Rafael Rieck und dankte seinen Zuhörern für ihre Anwesenheit, während diese ihm für seinen Auftritt mit herzlichem Applaus dankten.