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In der Reihe „Cinema Augustinum“ wurde gestern, Donnerstag, dieser, im wahrsten Sinne des Wortes aus der Zeit gefallene, Film vorgeführt. Überraschend viele Zuschauer wollten die Geschichte der jungen Irin Eilis kennen lernen und, um es vorweg zu sagen, es hat sich gelohnt.

Der Film führt zurück in die Mitte des vorigen Jahrhunderts und dies geschieht nicht nur in Form der Dekoration sondern auch in seiner Art der Umsetzung. Die heute üblichen schnellen Schnitte fehlen und die Geschichte hat alle Zeit sich zu entwickeln. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das der Enge und Perspektivlosigkeit ihres irischen Dorfes entflieht und durch die Unterstützung eines irischen Pfarrers, der schon lange in den USA lebt, nach New York kommt. Nach einem tränenreichen Abschied von ihrer Schwester und Mutter fährt sie mit dem Schiff ihrem Ziel entgegen. Während der Überfahrt hilft ihr eine resolute Mitpassagierin die erste Seekrankheit zu überstehen und von dieser wird sie (mit etwas Schminke gegen allzuviel kranke Blässe) auch noch gut durch die Einwandererkontrolle geschleust.

Dank der Vorarbeit des Pastors kommt sie in Brooklyn in einem Boardinghouse bei einer christlichen Pensionsmutter unter und erhält auch eine Anstellung in einem Kaufhaus. Zunächst wird sie von herzzerreißendem  Heimweh geplagt, das sie sich, in ihren Briefen nach Hause, an ihre Schwester, von der Seele schreibt. Bei einem Weihnachtsessen für arme irische Einwanderer hilft sie im Service. Ihr Mentor, Father Flood, ermöglicht ihr einen Buchhaltungskurs zu besuchen, damit sie ihre Begabung später auch entsprechend umsetzen kann.

An einem irischen Tanzabend lernt sie Tony, einen Italiener, kennen und die gegenseitige Liebe beginnt. Tony nimmt sie auch mit zu seiner Familie und stellt sie dort vor. Als alles im Glück zu ertrinken scheint stirbt überraschend ihre geliebte Schwester. Obwohl die Beerdigung schon vorüber ist will sie zurück. Tony bittet sie, ihn vorher zu heiraten und sie willigt in eine „geheime“, standesamtliche Hochzeit ein. In ihrem alten Heimatort versuchen ihre Mutter und ihre alte Freundin mit allen Mitteln Eilis zum Hierbleiben zu bringen. Nancy, die Freundin stellt ihr Jim vor, sie bittet sie bis zu ihrer Hochzeit zu bleiben, und sie bekommt eine Aushilfsstelle am Arbeitsplatz ihrer verstorbenen Schwester.

Als alles darauf hinaus läuft, dass sie wohl mit Jim eine Zukunft anstrebt wird sie von ihrer früheren Arbeitgeberin, einer wenig beliebten Ladenbesitzerin, auf ihre Heirat angesprochen. Da erkennt sie, dass sich in ihrer alten Heimat nichts geändert hat und ihr wird bewusst, dass sie gerade aus diesen Gründen fortgegangen war. Am nächsten Tag besteigt sie wieder das Schiff nach New York und dort schließt sie ihren Ehemann, Tony, in die Arme.

Das zum Inhalt des Filmes. Unter der Regie von John Crowley entstand ein sehr wahrhaftiges Abbild der damaligen Zeit und die großartige Saorise Ronan, verkörperte auf bewundernswerte Weise die Wandlung eines schüchternen, verängstigten Mädchens zur selbstbewussten jungen Frau.

Die für mich einzige Kritik an diesem Film ist, dass das teilweise erbärmliche Leben der Einwanderer nicht deutlicher dargestellt wurde. Menschen die, „sie haben die Straßen, Brücken und Häuser gebaut“, wie es Father Flood ausdrückte, sind am Ende auf ein kirchliches Weihnachtsessen angewiesen. Und auch die Konflikte zwischen den verschiedenen Nationalitäten haben sich sicher nicht nur auf Prügeleien (wie sie im Film verbalisiert wurden) halbstarker Iren und Italiener beschränkt. Aber das ist auch schon alles an kritischer Anmerkung. Den Film darf mensch sich durchaus ansehen.