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Gerade mal 24 Literaturinteressierte fanden sich gestern zur Lesung von Ulrich Meyer-Doerpinghaus in unserem großen Theatersaal ein. Schade eigentlich, denn der promovierte Historiker, in Oberwinter lebende Autor, konnte durchaus interessant über sich selbst und den Mythos Rheinromantik erzählen.

Meyer-Doerpinghaus ist Münsterländer, fühlte sich aber schon während seines Geschichtsstudiums zum Rhein hingezogen. Bereits in seiner Dissertation hat er sich mit dem Rhein beschäftigt. Das führte später zur Übersiedlung ins Rheinland und zur Heirat mit einer Rheinländerin. Seit 15 Jahren lebt er nun, mit Frau und zwei Kindern, in Oberwinter, mit direktem Blick auf seinen geliebten Rhein, hinüber nach Unkel und die Erpeler Ley.

Wir haben den Fernseher inzwischen abgeschafft, denn der Blick aus dem Fenster bietet immer wieder neue, interessante und überraschende Ausblicke.

So schilderte Meyer-Doerpinghaus seinen Wohnsitz. Und schon ist er bei seinem Buch, das den Titel „Am Zauberfluss – Szenen aus der rheinischen Romantik“ trägt, der den Zeilen

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

von Joseph Eichendorff zu danken ist. Alles, was in der deutschen Kunst- und Kulturgeschichte Rang und Namen hat, passiert Revue, denn sie alle waren vom Rhein fasziniert oder lebten, zumindest eine Zeit lang, an diesem Fluss.

Ob Ferdinand Freiligrath, der in Unkel wohnende Dichter; der Komponist Franz Liszt, der auf der Insel Nonnenwerth mit seiner Geliebten, und Mutter seiner Kinder, Marie d’Agoult eine, wenn auch letzten Endes vergebliche, Aussöhnung feierte; Anette von Droste Hülshoff; Gottfried und Johanna Kinkel, Mitbegründer des „Maikäferbundes“, einer literarischen Gruppe in Bonn; Robert und Clara Schumann. Sie alle sind mit dem Rhein verbunden gewesen.

1790 hatte Georg Forster, ein deutscher Naturforscher, Ethnologe, Reiseschriftsteller und Revolutionär in der Zeit der Aufklärung, den Rhein und besonders das Mittelrheintal, den späteren Inbegriff der Rheinromantik, noch als „einförmig und bedrohlich“ beschrieben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sollte sich diese Sicht jedoch, bis hinein in unsere Zeit, mit Ricarda Huch, Thomas Mann, oder Rüdiger Safranski – für die das Rheintal einer menschlichen Seele glich –  total ändern. Friedrich Schlegel, der „Erfinder“ der Romantik lebte von 1804 bis 1809 in Köln, und für ihn war der Rhein zwischen Bonn und Koblenz schön und erhaben und somit Kunst. Die französische Besatzung durch Napoleon führt zum Niedergang Kölns und Schlegel zog weiter nach Wien.

Schon war eine Stunde, kurzweilig, informativ und unterhaltsam vergangen, und der Autor war noch nicht weit über die Einleitung seines Buches hinaus gekommen. Diese Lesung machte auf jeden Fall Lust auf die Lektüre des ganzen Werkes.