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Am letzten Freitag präsentierte Lutz Görner sein neues Programm „Franz Schubert – Sein Leben – Seine Lieder – Seine Musik“. Diesmal war das Augustinum sogar für den ersten öffentlichen Auftritt auserwählt, in den Worten von Lutz Görner: „Sie haben heute das Recht der ersten Nacht, zumindest der geistigen“. Und zahlreiche Besucher wollten sich diesen Genuss nicht entgehen lassen.

In seinem kurzen Leben hat Franz Schubert mehr als 1500 Werke komponiert, wovon über 600 Lieder. Allerdings hatte er nur ein einziges öffentliches Konzert gegeben. Das am 31. Januar 1797 geborene, 13. Kind der Eheleute Franz Theodor und Elisabeth fiel schon früh mit seiner musikalischen Begabung auf. Sein erster Musiklehrer fühlte sich gut von ihm unterhalten, denn beibringen konnte er seinem Schüler nichts, was der nicht schon konnte und mit 10 Jahren hat der Schüler seinen zweiten Musikausbilder entlassen, weil er von diesem nichts mehr lernen konnte. Franzens Vater war Lehrer und so sollte auch der Sohn Lehrer werden. Wegen seiner schönen Knabenstimme wurde Franz Schubert als Sänger in das kaiserliche Konvikt aufgenommen. Franz Schubert war ein scheuer, introvertierter Mensch, der nur selten lächelte und keine wirkliche Kameradschaft mit seinen Mitschülern pflegte. Ihn interessierte allein die Musik und wenn er komponierte, benutzte er nicht mal das Klavier – das bringe ihn aus dem Konzept – sondern schrieb das innerlich Gehörte direkt auf. Mit 16 Jahren wurde er aus dem Konvikt verwiesen. Antonio Salieri, einer der bedeutendsten Musikpädagogen seiner Zeit, war von Schuberts Können so angetan, dass er diesem kostenlosen Unterricht erteilte. Mit 18 Jahren hatte der junge Mann schon 2 Sinfonien, div. Messen und Lieder, sowie einige Sonaten und Klavierstücke komponiert.

Zwischen diesen biografischen Angaben, von Lutz Görner in seiner ausdrucksstarken und humorigen Art vorgetragen, waren Schuberts Klavierstücke und Lieder zu hören. Am Piano  spielte die großartige Nadia Singer und Edward Leach, lyrischer Tenor aus England, sang die Lieder.

Nadia Singer, Edward Leach und Lutz Görner

Nadia Singer, Edward Leach und Lutz Görner

Zunächst war das „Impromptu Nr. 3 D899″ zu hören. Diese Pianistin hat einen solch unglaublichen Anschlag, dass ich für einen Moment glaubte einer Sinnestäuschung zu erliegen. Nadia Singer entlockte dem Piano die kraftvollsten Töne und ich sah fast keine Fingerbewegung, so als ob da ein elektrisches Klavier spielte.  Es folgte „Moments musicaux Nr. 3 D780“ und darauf der „Ungarische Marsch D 818″, mit dem ein wahres Feuerwerk abgebrannt wurde. Weiter im Programm standen die Goethelieder „Erlkönig“, „Heideröslein“ und „Musensohn“. Und damit hatte der Neuzugang im Kosmos Görner, der Tenor Edward Leach, seinen Auftritt. Obwohl, meiner Meinung nach, beim ersten Lied, das Piano zu laut war, brachte Leach den Erlkönig derart dramatisch rüber, dass mein ganzer Körper mit Gänsehaut überzogen war.

Franz Schubert war nach der Entlassung aus dem Konvikt noch zwei Jahre Schulgehilfe bei seinem Vater, bevor er zu seinem Freund, dem 19jährigen Franz von Schober zog, um dort mehr Zeit für seine wahre Profession, die Komposition, zu haben. In dieser Zeit bestand Schuberts Leben, seinem jugendlichen Alter entsprechend, aus Komposition am Tag, Opernbesuch am Abend und Heuriger in der Nacht. Der Beschreibung eines seiner damaligen Freunde nach, war Franz Schubert: klein, kaum 150 cm groß, hatte ein rundes dickes Gesicht, einen kurzen Hals, alles an ihm war rund und breit, den Kopf trug er zwischen den Schultern, hatte einen stumpfen Ausdruck, war schüchtern und wortkarg. Sein Freundeskreis, unter dem sich kein Musiker befand, weitete sich immer weiter aus. Einer der Freunde, Leopold von Sonnleitner, organisierte zu Ehren Schuberts die sogenannten Schubertiaden, musikalische Zusammenkünfte, die ihm Gelegenheit boten seine Werke aufzuführen.

„Grazer Galopp D925“, „Klavierstück Nr. 1 D946“, das Lied „Der Wanderer“ (dort wo du nicht bist, dort ist das Glück), „Walzer D779 und D366“ und „Am Meer“ ein von Görner selbst gesprochenes Lied waren weitere Glanzpunkte des Abends.

Im Dezember 1822 erkrankte Schubert erstmals. Nach einem Krankenhausaufenthalt im Herbst 1823 besserte sich sein Zustand, um jedoch schon im Frühjahr des folgenden Jahres ganz besonders belastend zu werden. An seinen Freund Leopold Kupelwieser schrieb Franz Schubert: „ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen der Welt“. Mit 26 Jahren war Schubert an Syphilis erkrankt, einer Krankheit die seit über 500 Jahren nicht ausgerottet werden konnte und der heute noch, sogar mit steigenden Neuerkrankungen, in Berlin über 6000 pro Jahr, mehr als HIV-Neuerkrankungen, Menschen verfallen. Am 19. November 1828 verstarb Franz Schubert, vermutlich an Typhus, in der Wohnung seines Bruders Ferdinand (den er im Alter von 14 Jahren einmal um finanzielle Unterstützung angegangen war, weil: „wer zwei Röcke hat gebe dem einen der keinen hat“). Schubert wurde gerade mal 31 Jahre alt.

Abendprogramm

Abendprogramm

Zu hören waren noch „Gretchen am Spinnrade“ in der Klavierfassung von Franz Liszt (der sich zu Schubert wie folgt äußerte: „Schubert ist groß in der Kunst, seine Lieder sind Aphorismen des Herzens“), das Schubert mit 17 Jahren komponiert hatte; „Der Lindenbaum“, wieder von Edward Leach gesungen; und als Abschluss aus der „Gasteiner Sonate D850“ der 2. Satz (hier meinte ich die innere Zerrissenheit dieses Menschen zu spüren). Der überaus starke Beifall erzwang zunächst als Zugabe, das wieder wunderschön gesungene Lied „Die Forelle“. Als der Beifall nicht enden wollte drehte Görner den Spieß um und kündete „Das Wandern ist des Müllers Lust“ an, dessen 1. Strophe aber vom Publikum mitzusingen sei, was dann auch nach zwei Versuchen leidlich klappte. So ging dieser erlebnisreiche, musikalische Abend zu Ende.