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Ich weiß nicht woran es gelegen hatte, aber Liedvortrag war für mich lange Zeit eine absolut vernachlässigbare Kunstform und wenn, dann kam mir eher HP Kerkelings „Hurz“ (https://www.youtube.com/watch?v=RAx0P-8n5K4) in den Sinn. Bis zum 5. April 2009 (nein, ganz so gut ist mein Gedächtnis leider nicht, aber ich bewahre alle Programme auf, deren Vorführungen mich beeindruckt haben). An diesem Tag wurde in unserem Theatersaal der Liedzyklus „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert, durch Jörg Hannes Kuhn, Tenor und Wolfgang Hoyer, Klavier, vorgetragen. Und an diesem Tag hat sich für mich eine neue Kunstform erschlossen.

Doch nun zurück zur Gegenwart und dem Donnerstag dieser Woche. Welch ein Zufall, es war wieder Jörg Hannes Kuhn, diesmal mit Maria Heister am Klavier, der eine Auswahl von Liedern und Balladen gesungen hat. Begonnen wurde mit zwei Balladen von Carl Löwe, einem Komponisten und Sänger (Tenor) des 19. Jhdt., der auf seinen Tourneen seine Lieder selbst gesungen und begleitet hat. Die erste war das „Hochzeitslied“ nach J. W. v. Goethe und dieser folgte die hochromantische „Tom der Reimer“, eine schottische Ballade nach Theodor Fontane. Danach „Neue Liebe“ von Heinrich Heine, Musik Felix Mendelssohn und „Verrat“ von Johannes Brahms, einer dramatischen Ballade des Karl von Lemcke um Tod aus Eifersucht. Zur Erholung nach diesem Drama spielte Maria Heister eine Romanze von Robert Schumann. Dieser war auch Komponist der Lieder „Frühlingsfahrt“ und „Waldesgespräch“ nach Texten von Joseph von Eichendorff. Mit den Balladen „Der Fischer“ und „Erlkönig“ nach J. W. v. Goethe wurden wir in die Pause entlassen. Jörg Hannes Kuhn stellte jeweils die Komponisten, Dichter und Inhalte der Balladen und Lieder in kurzen Kommentaren vor, so dass die Zuhörer immer sehr gut informiert waren. Zum „Erlkönig“ gab er seine interessante Interpretation zum Besten, denn für ihn ist es nicht der Tod eines Knaben, sondern das Ende der Kindheit, die Entwicklung vom Kind zum jungen Erwachsenen und der Loslösung vom Vater.

Jörg Hannes Kuhn bei seinen Erläuterungen. Am Piano Maria Heister und ihr Notenwender

Jörg Hannes Kuhn bei seinen Erläuterungen. Am Piano Maria Heister und ihr Notenwender

Der zweite Teil begann mit Liedern von Hugo Wolf nach Gedichten von Eduard Mörike, in der Reihenfolge: „Feuerreiter“, „Geister am Mummelsee“, der lustigen „Storchenbotschaft“„Bei einer Trauung“ und „Selbstgeständnis“. Diesen Liedern folgte das Impromptu op. 66 cis-moll von Frédéric Chopin, akkurat gespielt von Maria Heister. Manchmal würde ich mir wünschen eine Fernbedienung zu haben, mit der ich das Piano leiser stellen könnte. Das Klangvolumen der heutigen, durchaus großartigen Instrumente empfinde ich, für die Musik des 19. Jhdt., und speziell für Chopin einfach zu voluminös.

Diesem Zwischenspiel folgte „Abendempfindung“ von W. A. Mozart, Dichter unbekannt, „Um Mitternacht“ von Carl Friedrich Zelter, Text J. W. v. Goethe und von Franz Schubert die wunderschönen Lieder „Der Mond“ („Abendlied“) nach dem Text von Matthias Claudius und „Wiegenlied“, auch hier ist der Dichter unbekannt.

Für den nuancenreichen Vortrag von Jörg Hannes Kuhn und seiner pianistischen Begleiterin dankte das elitäre (nur die Anzahl betreffend) Publikum mit herzlichem Applaus, was als Zugabe die Ballade „Die Uhr“ von Carl Löwe, nach Johann Gabriel Seidl einbrachte.