Wertewandel, -vielfalt oder -verlust? Fortsetzung

Im Nachtrag zur Diskussion im vergangenen Monat rekapitulierte Dr. Ebers, Leiter der philosophischen Gesprächsrunde, selbst Philosoph und Religionswissenschaftler, nochmals kurz den Inhalt der damaligen Erörterung, in der eine Gegenüberstellung utilitaristischer und auf Kants Ethik basierender Überlegungen vorgenommen worden war. Außerdem war zur Sprache gekommen, ob Menschen generell nur orientiert an ihrem Eigennutzen oder altruistisch handeln. Darüberhinaus legte er, wie immer üblich, eine Liste mit Büchern vor, die das diskutierte Thema behandelten. Ganz speziell hob er dabei das Buch von Samuel Scheffler „Der Tod und das Leben danach“, erschienen 2015 im Suhrkamp-Verlag, hervor.

In der nachfolgenden Diskussion wurde zuerst einmal versucht zu klären was Werte eigentlich sind. Dieser Begriff tauchte erstmals im 19. Jhdt. auf und bezog sich auf den ökonomischen Wert einer Sache. Aber was ist gemeint, wenn wir von Werten sprechen? Überzeugung, Richtlinie, Moralvorstellung, Aufgehobensein, Umfeld und Wichtigkeit wurden bei der Evaluation des Wertebegriffes dabei genannt.

Unter ideellen Werten versteht man nach Siegbert A. Warwitz[2] Werte, die nicht primär der materiellen Gewinnvermehrung dienen, sondern sich nach sozialen Maßstäben ausrichten bzw. eine Steigerung der geistigen Lebensqualität, eine innere Bereicherung, eine Reifung der Persönlichkeit bedeuten. Dies setzt ein Verständnis für immaterielle Werte und die Unterscheidungsfähigkeit von Nutzdenken und Sinnstreben voraus. Als bedeutendste Motivationsquellen sieht er „eine metaphysische, auch religiöse Orientierung, ein humanistisches Denken oder eine soziale Ausrichtung. Wikipedia

In unserer Diskussion entwickelte sich der Konsens darüber, dass Werte vom Einzelnen übernommen (verinnerlicht) werden müssen, während Normen sanktioniert werden (Ausgrenzung, Strafen) und evtl. nur deshalb eingehalten werden. Normen ändern sich auch (Umgang mit Homosexualität, Scheidung, Abtreibung). Werte hingegen sind übergeordnet, trotz gesellschaftlich anderer Sichtweisen – hier verwies Dr. Ebers auf den Philosophen Karl-Otto Apel, der mit seinem Hinweis auf die Inuit, die ihren Sterbenden einen würdevollen Übergang ermöglichen indem sie diese aussetzen, nicht anders handeln als wir, wenn wir eine lebensverlängernde Apparatemedizin verhindern. Der Wert, der hinter diesen beiden Handlungen steht ist der nämliche.

Zum Abschluss wurde noch ein Blick auf die aktuelle politische Situation geworfen. Sind Trump, Le Penn oder die AfD Zeichen eines Wertewandels? Hier war sich selbst unser leitender Philosoph nicht sicher. Sind dies wirklich Zeichen für einen Wertewandel oder besteht nicht doch ein Konsens auf der Werteebene? Die Zukunft wird zeigen, ob dies nur Hoffnung ist.

Ein Gedanke zu „Wertewandel, -vielfalt oder -verlust? Fortsetzung

  1. Wenn man sich eine sognt. Werte-Gesellschaft einmal als einen gesamten Organismus analog eines Menschen betrachtet, weisen erwähnte Phänomene darauf hin, dass eine durch „Werte“ definierte Welt jederzeit durch ausgegrenztes „Unwertes“, jene Gesellschaften brachial überfallen und in sie einbrechen kann.

    Dann kann man sich fragen, wie viel an unwerter Wildheit und Bestialität eigentlich mittels unserer „Schmerz-und anderer Krankheiten“ in den „Körper“ abgeleitet, geerdet und materialisiert bezw. manifestiert wird. Ausmerzen lässt sich das nicht. Denn wo täten sich diese sich denn kund, die schließlich wir selber sind? Hier tut sich Ratlosigkeit auf, und die Frage; gehören sie nicht zusammen in einen weiseren ökologischen Gesamtheit? Und sind sie nicht kollektiv ein Regulativ des menschlichen Zusammenlebens par excellence? Worauf hin wir versuchen mit all zu kurzsichtigen Werkzeugen zu verbessern, was nicht zuletzt in einer ganz anderen Dimension beheimatet ist.

    Lieben Gruß, Arkis.

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