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Im Rahmen der 2. Ahrweiler Freiheitswochen, von den „Freiheiter“ veranstaltet, deren Motto Freiheit und Toleranz ist, – das Augustinum ist dieses Jahr erstmals ein Kooperations-Partner – fand am Sonntag (12.3.) eine Lesung der Wort-Werker (LiterAHRische Gesellschaft e.V.) statt. Vogel, Wind, Gedanke sein – frei, so der Titel dieser Lesungen, fand leider nur ein spärliches Publikum – vermutlich dem ersten richtigen Sonnentag seit langer Zeit geschuldet.

In ihrer Begrüßungsansprache hinterfragte Frau Ghazel Wahisi, stellvertretende Vorsitzende der Freiheiter, zunächst den Titel und stellte sich selbst die Frage: „Der Vogel, ist er frei, nur weil er fliegen kann?; der Wind ist er frei, zu wehen wohin und wie stark er will?; allein die Gedanken, sie sind frei und werden immer mehr“? Was passiert gerade in Deutschland, dem Land von dem sie niemals erwartet hätte, dass mensch sich hier um die Demokratie wieder ängstigen muss. Um so wichtiger ist es dass, der Gedanke der Freiheit und der Toleranz verstärkt weiter getragen wird. Die Ahrweiler Freiheitswochen (Fr., 10.03.2017 bis So., 19.03.2017) von denen diese Lesung nur ein ganz kleiner Teil der großen Veranstaltungszahl ist, wollen ganz bewusst hierfür sorgen.

Die „Wortwerker“ mit G. Lieverscheidt (am Piano) und Wolfgang Grambs (rechts) von den Freiheitern

Anneliese Boaro führte anschließend durch das Programm und stellte die einzelnen Wortwerker und ihre Lesungsbeiträge vor. Begleitet wurde jeder Beitrag durch ein musikalisches Zwischenspiel, von Günther Lieverscheidt am Piano vorgetragen. Los ging es mit Rosel Lieverscheidt und ihrem Beitrag über Toleranz zu – Jung und Alt. Darin machte sie klar, dass Toleranz nicht von den Jungen erwartet werden soll, denn diese müssen sich erst noch ihr eigenes Leben erkämpfen, die Alten aber, mit ihrer Lebenserfahrung sind aufgefordert sich an die eigene Jugend zu erinnern und der Jugend mit Wohlwollen und Toleranz zu begegnen. Die Geschichte Zuhause in der Fremde erzählte den Weg zweier äthiopischer Kinder, die sich auf den langen Weg zu ihrem Onkel in Deutschland machen und hier über die Stationen des Kinderheimes, der Schule und Ausbildung ihren Weg in eine neue, zweite, Heimat finden. Mit lyrischen Texten wartete dann Ulrike Filitz auf. Flucht und Entscheidung waren die Themen ihrer Gedichte und ein Wortbeitrag befasste sich mit der Wortsuche, die schlußendlich in der Wortintegration, der allerersten Flüchtlingsaufnahme, führte. Ulrike Paulick blickte in ihrem Beitrag Rasenmäher auf das allumfassende Streben nach Wachstum, mit einer einzigen Ausnahme: der des Rasens, denn der wird schonungslos und lautstark gestutzt. Herberts letzter Auftritt war eine köstliche Geschichte von einem Hund, Herbert, der mitten in der Stadt, auf der belebtesten Straße zusammenbricht und trotz Reanimationsversuchen nicht wieder zum Leben erwacht. Die, wegen des Abtransportes, um Hilfe gebetene Polizei fühlt sich nicht zuständig und ein tragen ist aufgrund der Größe auch nicht  möglich. Endlich findet sich die Lösung in einem TV-Karton. Auf dem Bahnhof bleibt dieser für einen Moment unbeaufsichtigt und wird gestohlen. Die Überraschung der Diebe konnte sich jeder Zuhörer selbst ausmalen. Mit Helmut Schmelmer trat der einzige männliche Wortwerker auf die Bühne. Zunächst las er das Gedicht Begegnung von Ulrike Paulick vor, das ihm so gut gefallen hat. In einer, von mir so empfunden, pessimistischen Sicht schildert sie darin den Aufenthalt im Wartesaal des Lebens. Danach brachte H. Schmelmer eigene Beiträge zu Gehör. Wohnungswechsel, Toleranz, Reise, Kunst, Freigefühl und Schutzraum, Frühling und Frei sein, was wäre waren die Themen. Ihm folgte Christa Schyboll, eine gestandene Autorin, die schon mehrere Bücher (Romane und Lyrik) veröffentlicht hat. Sie trug ein Essay zur Freiheit vor, in dem sie das Böse, Verlustängste, Partnerschaft, Politik, Religion und Selbsterkenntnis im Bezug zur Freiheit untersuchte. Inneres Freiwerden für etwas, nicht von etwas, das ist Freiheit. Und wenn Herz und Hirn im Streit liegen, dann ist das Herz die bessere Instanz, so ihr Resümee. Der letzte Wortbeitrag war Beate Unger vorbehalten. Ihre Themen waren Veränderung, Abstand und Loslassen. Die Verse Spaziergang im Labyrinth und Sinnsuche bildeten den Abschluss. Als Abrundung dieser Lesung folgte noch die Hymne an die Zukunft von Udo Jürgens mit dem Sprechgesang von Rosel Lieverscheidt und der Pianobegleitung ihres Mannes Günther Lieverscheidt.

IHR VON MORGEN (HYMNE AN DIE ZUKUNFT)

„Ihr von Gestern!
Eure Träume
Schweben immer noch durchs all,
Und wir hören
Eure Stimmen
Noch als fernen Widerhall.
Ihr habt euch von den Sternen
Die uns leiten, weit entfernt.
Doch aus euren Fehlern
Haben wir gelernt.“

Ihr von Morgen
Werdet wissen,
Was aus dieser Erde wird.
Uns’re Hoffnung ist zerschlissen,
Und wir haben uns verirrt.
Wer wird in tausend Jahren
Uns’re Ängste noch versteh’n?
Ihr von Morgen werdet staunend
Rückwärts seh’n.

Aus Gedanken werden Ziele,
Aus dem Samen wird ein Baum,
Und aus einem werden viele,
Freiheit schafft sich ihren Raum.
Wer wird in tausend Jahren
Uns’re Fragen noch versteh’n?
Ihr von Morgen werdet staunend
Rückwärts seh’n.

Ihr von Morgen!
Wenn ihr neu erwacht,
Dann vergeßt nicht uns’re Träume,
Denn in ihnen suchten wir Tag und Nacht
Euer unsichtbares Land.

Jedes Wasser findet Gräben,
Oft kann Schwäche Stärke sein,
Und im Laufe vieler Leben
Höhlen Tropfen einen Stein.
Wer wird in tausend Jahren
Uns’re Zweifel noch versteh’n?
Ihr von Morgen
Werdet neue Wege geh’n!

Ihr von Morgen habt gefunden
Was uns unerreichbar schien.
Schlugen wir der Welt auch Wunden,
Vielleicht habt ihr uns verzieh’n.

Wer wird in tausend Jahren
Uns’re Fehler noch versteh’n?
Man wird davon nichts mehr seh’n:
Den Staub von unsern Füßen,
Wird der Wind der Zeit verwehn.
Ihr von Morgen
Werdet neue Wege geh’n!