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Unter diesem Titel stand die philosophische Gesprächsrunde vom Dienstag, 25.4.17. Dr. Thomas Ebers, wie immer Leiter dieser Diskussionsrunde, brachte im Nachtrag zu unserer letzten Runde (s. meinen Blog: Populismus) noch einige Anregungen zum Thema Populismus mit. Zum einen der Hinweis auf Jan-Werner Müllers Essay „Was ist Populismus?“. Dann, als Antwort auf das Zitat: „Wenn Populismus die Macht des Volkes und für das Volk bedeutet, bin ich Populistin“ von Marine le Pen, stellte Dr. Ebers diesem die Aristotelische Staatsformenlehre gegenüber:

Auszug aus „Nachtrag zum phil. Monatsrückblick“ von Dr. Ebers

Zum anderen einen kurzen Auszug aus einem Interview der Tageszeitung „El País“ mit  Papst Franziskus, in dem dieser vor den populistischen Kräften in Europa warnt: „… in Krisenzeiten bestehe die Gefahr, dass ein Heilsbringer gesucht werde, von dem erwartet wird, dass er den Menschen ihre Identität zurückgebe und sie gegen andere Völker mit Mauern abschirme. Eine solche Abschottung sei sehr schlimm … Das Urteilsvermögen funktioniert in Krisenzeiten nicht, weshalb der Dialog in solchen Zeiten sehr wichtig sei“. Sowie einen Hinweis auf ein Essay von Bernd Stegemann, Dramaturg am Berliner Ensemble„Das Gespenst des Populismus“, in welchem dieser die Schuld an dem was schiefläuft in unserer Gesellschaft den Kapitalisten und sogenannten Besitzbürgern zuschreibt.

Danach ging es zum heutigen Thema über. Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel machte den Begriff „postfaktisch“ 2016 während einer Rede populär, in der sie davon sprach, dass „nicht mehr Argumente zählen würden sondern Gefühle“. Einer der Teilnehmer fand, dass das nur ein neuer Begriff für eine alte Tatsache sei, denn Interessen-Lügen habe es schon immer gegeben, nur dass diese jetzt, befördert durch das Internet, von jedermann verbreitbar seien. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Lügen der Irak-Kriege. Wenn dem wirklich so ist, dann besteht natürlich die Gefahr einer allgemeinen Wahllosigkeit und Beliebigkeit. Nichts ist mehr glaubhaft oder alles kann bezweifelt werden. Niemand kann wissen wann gelogen wird. Das warf die Frage auf, was überhaupt Fakten sind. Eine Teilnehmerin erinnerte sich des Philosophieunterrichts  in dem erklärt wurde was WAHR ist.

Wenn sich etwas so ereignet hat; wenn sich etwas tatsächlich so ereignet hat; wenn vermutet wird, dass sich etwas so ereignet hat.

Populisten arbeiten nicht mit Fakten, während Fakten überprüfbare Aussagen darstellen, wie ein weiterer Teilnehmer aus der Wissenschaft ableitete. Dr. Ebers erklärte, dass der Begriff „Fakt“ aus dem 18. Jh. stammt und die Bedeutung von „machen, von etwas gemacht“ hatte. Ein Faktum ist es dann, so lange das Gegenteil nicht bewiesen ist. Fakten leiten sich aus Erfahrung und Pragmatismus ab. Ein weiterer Teilnehmer brachte den Vergleich von Meine Meinung = Mein Revier ins Gespräch. Und in Meiner Meinung bin ich unbelehrbar, ich errichte eine Mauer um mich (s. o. Papst Franziskus). Bei aller Beharrung auf der eigenen Betrachtungsweise darf jedoch die Achtung vor dem Anderen nicht fehlen, und es muss immer die Möglichkeit zum Dialog bestehen bleiben. Dr. Ebers brachte innerhalb dieser Diskussionsrunde zwei Zitate, die ich hier ganz bewusst an den Schluss stelle:

Man sollte sich nicht durch Tatsachen beirren lassen“ (Robert Lembke)

„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie bereits gefunden haben (André Gide)