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Am vergangenen Freitag gastierte das Ensemble „Spirit, Pleasure & More“ im Augustinum. Dieses Barock-Musik-Trio, in der Zusammensetzung Monika Nielen (Barockoboe und Oboe da Caccia), dem Leiter Christoph Mayer (Barockvioline und Barockviola) und Johanna Seitz (Barockharfe), hat sich der Musik des Frühbarock bis zum Spätbarock verschrieben.

Monika Nielen, Johanna Seitz und Christoph Mayer

Monika Nielen unterrichtet seit 1987 Oboe, Kammermusik und Bläserklassen an der Rheinischen Musikschule Köln und wirkt unter anderem auch bei dem Orchester Musica Antiqua Köln mit.

Christoph Mayer studierte Violine und Barockvioline an den Musikhochschulen in München und Köln. Er war Dirigierschüler von Bruno Weil. Er wirkte in führenden deutschen Barockorchestern, wie der Musica Antiqua Köln, dem Schuppanzigh Quartett und dem Ensemble Musica ad Rhenum mit. Er konzertierte als Kammermusiker in der Styriarte Graz, der Londoner Wigmore Hall, der Berliner Philharmonie und bei den Schwetzinger Festspielen. Er leitet als Spezialist für historische Aufführungspraxis Seminare und Kurse. Er unterrichtete bei der Internationalen Händel-Akademie, er hat regelmäßige Gastdirigate bei der Norddeutschen Philharmonie Rostock. Er gibt Meisterkurse am staatlichen Glinka Konservatorium, das ihm 2006 eine Ehrenprofessur verlieh. Er ist ständiger Gastdirigent des städtischen Kammerorchesters Nizhny Novgorod Soloists und seit 2009 künstlerischer Leiter des Festival Baroque & Classic Nischni Nowgorod (Quelle: Wikipedia)

Johanna Seitz studierte Konzertharfe in Wuppertal und Essen (Hochschulpreis), Barockharfe in Den Haag und Mailand. Ihr Interesse gilt dem Spielen und Erforschen vor allem historischer Harfen sowie der Suche nach originaler Harfenmusik. Ein zweiter Schwerpunkt sind Projekte mit Schauspiel, Tanz und Improvisation. Als Continuospielerin und Solistin ist sie Gast auf vielen Festivals in Europa, im Mittleren Osten, in Asien und Afrika, dokumentiert durch zahlreiche Rundfunk- und CD-Aufnahmen. Neben verschiedensten kammermusikalischen Besetzungen spielt sie u.a. mit Concerto Köln, Echo du Danube, Musica Fiata, Collegium 1704 sowie an vielen Opernhäusern Europas. Bei der Edition Walhall ist sie Herausgeberin einer Harfenmusikreihe. Ersteinspielungen mit wiederentdeckten Harfenkonzerten von Georg Christoph Wagenseil und Johann Wilhelm Hertel erschienen bei den Labels Accent bzw. Aeolos. Johanna Seitz unterrichtete an der Musikhochschule München und gab Kurse am Mozarteum in Salzburg und an den Hochschulen in Nürnberg und Kattowitz. (Quelle: Forum alte Musik Köln)

Der erste Teil des Abends war dem „Frühbarock“, der Zeit zwischen 1600 und 1653, in der Nachfolge der Renaissance, gewidmet. Die Musik des Frühbarocks war hauptsächlich eine italienische Musik. Es begann, im Trio gespielt, mit „Canzon Terza á due Canti“ von Girolamo Frescobaldi (1583-1643), Komponist und Organist am Petersdom in Rom. Es folgte „Ricercar“ von Ascanio Mayone (1570-1627), Komponist, Harfenist und Organist an der Basilica della Santissima Annunziata Maggiore in Neapel. Dieses Stück wurde von der Harfe und der Violine vorgetragen. Biagio Marini (1594-1643), Violinist und Komponist folgte mit „La Candela“, La Chizola“ und „L’Albana“. Weiter ging es mit der Aria „Lagrime mie“ von Barbara Strozzi (1619-1677), einer italienischen Sopranistin und Komponistin, gesprochen von Christoph Mayer und vom gesamten Ensemble gespielt. Nach diesem eher traurigen Stück erklang heiter und getragen die „Sonata Terza á due Soprani“ von Dario Castello (1600-1653), einem Venezianischen Komponisten, über den, außer seinen gedruckten Werken, nur wenig bekannt ist. Ein tolles Harfensolo erklang mit der „Ciacona“ von Giuseppe Tricarico (1623-1697), Komponist, war unter anderem Kapellmeister der Hofkapelle von Wien. Ebenfalls eine „Chaconne“ war vor der Pause noch zu hören, und zwar von Andrea Falconiero (1585-1656), ein Neapolitanischer Lautenspieler, Sänger und Komponist.

Nach der Pause wandte sich das Ensemble dem Hoch- und Spätbarock zu. In Wort (Christoph Mayer) und Spiel (gesamtes Ensemble) wurde als erstes  The Plaint (die Klage) „O let me weep“ aus der Oper „The fairy Queen“ des englischen Komponisten Henry Purcell (1659-1695) vorgetragen. Diesem Stück folgte von Georg Friedrich Händel (1685-1759) die Aria „Ben che mi sia crudele“ aus „Ottone“ (HWV 15/31b). Diese Oper hat Kaiser Otto II. zum Sujet, der zur Verständigung zwischen dem Westreich und Byzanz im Jahre 972 die byzantinische Prinzessin Theophanu heiratet. In dem aufgeführten Stück wurde das Liebesleid musikalisch thematisiert. Geboren in Halle, kam Händel über Hamburg, Italien nach London, wo er sich endgültig niederließ. Sein Grab befindet sich in der Westminster Abbey. Robert Johnson (1583-1633) verfasste hauptsächlich Musik für die höfischen Maskenspiele (Vorläufer der Oper) und arbeitete mit anderen Komponisten zusammen. Von ihm war der großartige „First Set of Maques“ zu hören. Erst begann die Harfe und dann kam die Violine dazu. Danach erklangen drei Stücke von Georg Friedrich Händel. Zunächst die schöne Aria „Serenatevi“ aus der Oper Teseo (HWV 9/6), danach das berührende „Adagio a-Moll“ aus einer Solosonate. Ihm folgte die eher traurige Sinfonia aus dem Oratorium „Saul“. Auch bei diesem Stück begann zunächst die Harfe und dann gesellte sich die Barockviola hinzu. Zum Abschluss des Konzertes war dann der großartige „Second Set of Masques“ von Robert Johnson (and others)  zu hören. Heiter und fröhlich erklang das Spiel und das Violinspiel von Christoph Mayer erinnerte an den „Teufelsgeiger“ Paganini.

Zwischen den Stücken stellten Christoph Mayer noch seine Barockviola, Monika Nielen ihre Oboe da Caccia (ein Instrument, das häufig in der Musik von Johann Sebastian Bach eingesetzt wurde), und Johanna Seitz ihre Barockharfe vor. Während sich die Viola von der Violine nur durch den tieferen Klang unterscheidet ist die Oboe da Caccia, obwohl ebenfalls tiefer (in F) gestimmt, ein ganz anderes Instrument (s. Photo).

Oboe da Caccia, die Barockoboe bzw. Jagdoboe

Wieder anders sieht es bei der Barockharfe aus. Die von Johanna Seitz hat einen dreireihigen Saitenbzug mit 90 Saiten. Durch die kleinere Bauweise hat sie viel weniger Gewicht, aber einen schönen reinen Klang.

Die begeisterten Zuhörer trotzten dem großartigen Ensemble noch eine Zugabe ab.