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Auf der letzten Station seiner diesjährigen Konzerttour, die er seit über 25 Jahren zu Gunsten der Tarahumara-Indianer Mexikos durchführt, weilte Romayne Wheeler,

Romayne Wheeler begrüßt sein Publikum

der Pianist der Sierra Madre Mexiko, in unserem Augustinum. Zu Beginn meinte er, dass es nach 50 Konzerten genug  sei für dieses Jahr und er außerdem 50jähriges Jubiläum als Musiker und Komponist habe. Sein Weg führte ihn dabei in über 52 Länder dieser Erde. Mit seinen weltweit durchgeführten Konzerten geht es Wheeler darum Spenden für den von ihm gegründeten Hilfsfonds einzusammeln. Interessant ist die Ausbildungs-Biographie des 1942 in Santa Elena, Kalifornien, geborenen Künstlers. Er studierte am Mozarteum in Salzburg und danach an der Hochschule für Musik in Wien. Hier legte er 1968 sein Diplom für Komposition und 1972 (!) das als Pianist ab. Bis 1992 lebte Wheeler in Wien und seit 1994 hat er seinen Wohnsitz in der Sierra Madre. Seine Hobbys sind Gedichte, Prosa und Aquarellmalerei.

Der erste Teil seines Konzertes war Frédéric Chopin (1810-1849) gewidmet, weil, so der Pianist: „dessen Musik in meinem Leben immer wichtig war“. Es begann mit der „Ballade in F-Dur, Op. 38/2“ (1839). Dieser Ballade folgte einer der, nach Chopins Tod veröffentlichen, in  den Jahren 1829-1835 komponierten „Walzer As-Dur, Op. 69/1“. Ebenfalls nach Chopins Tod erschien das nun folgende „Nocturne in Cis-Moll“ (vermutlich ebenfalls zu Op. 9 gehörend), das einen inneren Frieden auszulösen vermochte.  Das darauf gespielte „Nocturne in E-Dur, Op. 9/2“ (1830-1831) war von Chopin selbst zum Druck gegeben worden. Weiter ging es mit 3 Etüden. Zuerst die E-Dur Etüde Op. 10/3 (1829-1831) genannt „Das Lied“, von Chopin selbst als eine seiner schönsten Melodien bezeichnet, dann eine posthum veröffentlichte Etüde in As-Dur „Lied ohne Worte“, dem die As-Dur-Etüde, Op. 25/1 (1832-1836) „Harfen Etüde“ folgte. Diesen 3 Etüden folgte das „Scherzo in B-Moll, Op. 31/2“ (1835-1837), zu dem Wheeler richtigerweise meinte, dass es Trost, Leid und Perspektive beinhalte.

Nach einer kurzen Pause begann der zweite Konzertabschnitt, der ganz den eigenen Kompositionen und Variationen Wheelers gewidmet war. Zu seinem Zyklus über das Leben im Garten von Montserrat, den er jährlich einmal aufsucht, erzählte Wheeler zunächst von seiner Liebe zu den Bäumen. Danach folgten fünf Lieder aus dem Zyklus von insgesamt 20 Liedern. Es begann mit „El canto de los pájaros“, dem Gesang der Vögel, Variationen über ein 400 Jahre altes katalanisches Volkslied. Dem folgte das sehr hübsche Stück „Der Prúa Garten“, „Die verliebte Rose“, „Wasserlilien“ und das, mich an Mozart erinnernde, „Die strahlende Sonnenblume“. Ein vierjähriges Mädchen, Jesusita, war der Anlass für die beiden folgenden Stücke: „Die Augen von Jesusita“ und Variationen über „Jesusita en Chihuahua“. Strahlend und leuchtend glänzten die Augen und verspielt, neckend und hüpfend bewegte sich Jesusita mit dem Hündchen.

Vom November bis Februar, so erzählte Wheeler, stand er um 4 Uhr früh auf und betrachtete von seinem, hoch auf einem Berg liegenden Haus aus den Sonnenaufgang.  Und in der Toccata „Aurora“ kamen auch die tief abfallenden Schatten und Lichtblitze der ersten Sonnenstrahlen wunderbar zum Ausdruck. Angehängt an dieses Stück war eine „Spieluhr“, die, so Wheeler, ihn überdauern soll, denn eine richtige Spieluhr würde  einmal seine Grabbeigabe werden, weil das Klavier dafür ja leider nicht geeignet sei. Variationen über „Erinnerungen an die Alhambra“ von Francisco Tarrega bildeten den Abschluss des Konzertes. Eingehüllt in ein Gewebe von Tönen wünschte ich mir, dass diese Musik immer weiter ginge und nicht enden möge.

Herzlicher Applaus des Auditoriums dankte dem Künstler, der sich mit zwei kurzen Stücken, einer seiner ersten Variationen die er im Alter von 17 Jahren komponiert hatte, und einem Canon in D-Dur, dafür revanchierte.

Romayne Wheeler verwendet die Spenden aus seinen Konzerten für die Tarahumara-Indiander, die er mit Schulbildung vor Ort und im Internat unterstützt. Hinzu kommt der Unterhalt und Betrieb des „Haus des Heilens“ einschließlich der Personalkosten; die medizinische Grundversorgung der ca. 400 im Umfeld lebenden Familien und Präventivmaßnahmen gegen die Kindersterblichkeit; Lebensmittelversorgung durch Vorratshaltung und Verteilung im Tausch gegen Kunsthandwerk;

Erzeugnisse der Tarahumara

Verbesserung der Wasserversorgung durch den Bau von Brunnen und Wasserspeichern (Flyertext). Ich hoffe nur, dass das Spendenergebnis hier im Augustinum recht reichlich war.

Romayne Wheeler nach dem Konzert