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Im diesjährigen Sommerkino brachte das Augustinum 4 Spielfilme, die alle im Zusammenhang mit mathematischen Könnern, wenn nicht gar Genies, standen. Und, was sehr wichtig ist, in allen Filmen geht es um Personen und Ereignisse, die wirklich existierten und geschahen. Den Auftakt machte

„Die Vermessung der Welt“. Zu diesem Film muss ich sagen, dass mir schon das Buch, obwohl hochgelobt und deshalb gekauft, nichts sagen konnte. Wer sich ein wenig mit der Erderkundung und Astronomie beschäftigt hat, der kannte beide Wissenschaftler und deren Leben. Und auch zu dem Film, vor Jahren im Fernsehen gesehen, habe ich keinen Zugang gefunden. Das mag durchaus an mir liegen, sei’s drum, ich habe mir jedenfalls diesen Film der Reihe nicht (nochmals) angeschaut.

„Die Poesie des Unendlichen“ habe ich gesehen und war schon mal begeistert. Wenn ein kleiner Junge mit Zahlen jongliert und im Selbststudium Mathematik lernt ist das wirklich bemerkenswert, zumal es im Indien der Kolonialzeit für einen indischen Jungen unmöglich war die Universität zu besuchen. Seine mathematischen Berechnungen konnte er jedoch auch nirgendwo anbringen und, da er über keinerlei sonstige Ausbildung verfügte, musste er als Buchhalter eine untergeordnete Stelle antreten. Glücklicherweise förderte sein unmittelbarer Vorgesetzter seine Passion.  Dieser war es auch, der sich mit den Berechnungen von Srinavasa Ramanujan an den Mathematikprofessor Godfrey Harold Hardy in Cambridge wendet. Der lädt ihn nach Cambridge ein und vermag es durchzusetzen, dass Ramanujan dort studieren darf, wo dieser allerdings unter rassistischen Vorurteilen und dem westlichen Essen zu leiden hat. Lehrer und Schüler, beide ganz gegensätzlichen Kulturen verhaftet, kommen sich über die Mathematik, auch menschlich, näher. Der eine, Ramanujan, ein strenggläubiger Brahmane, der völlig intuitiv zu seinen Ergebnissen kommt und diese für gottgegeben ansieht. Der andere, Hardy, will alles exakt durch Beweise abgesichert wissen. Gegen alle Widerstände des Lehrkörpers gelingt es Hardy für das junge indische Genie die Aufnahme in die Royal Society zu erreichen. Ramanujan kehrt bei Beginn des 1. Weltkrieges todkrank nach Indien zurück und stirbt dort ein Jahr nach seiner Rückkehr.

„The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ befasst sich mit der Entschlüsselung der im 2. Weltkrieg von Deutschland entwickelten Verschlüsselungs-Maschine ENIGMA. Dass dies passiert ist weiß natürlich jeder der mit der Geschichte dieser Zeit vertraut, oder diese sogar selbst miterlebt hat. Der Mensch,  Alan Turing (1921-1954), der hinter diesem mathematischen Kraftakt stand ist jedoch weniger bekannt. Die Rolle dieses Mathematikgenies spielt Benedict Cumberbatch, der mir als „Sherlock“ aus der TV Serie schon besonders gut gefallen hat. Ähnlich wie er diese Rolle spielt muss auch der Charakter des Alan Turing gewesen sein. Von sich überzeugt, fast arrogant, unnahbar und Gefühlen abhold. Als Einzelkämpfer nur schwer in eine Gruppe zu integrieren setzt er seine Idee jedoch durch und baut eine Rechenmaschine, die den Computer vorwegnimmt. Sein persönliches Problem, seine Homosexualität, ist in seiner Lebenszeit ein unüberwindbares Hindernis und er wird deshalb von der Justiz verfolgt, was schlußendlich in seinem Suizid endet. Bis 1970 war seine herausragende Arbeit bei der Entschlüsselung von ENIGMA geheim. Erst 2013 wurde seine Leistung durch ein „Royal Pardon“ von Königin Elisabeth II. anerkannt. Ein unbedingt sehenswerter Film.

„Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ war der Höhepunkt dieser kleinen Filmreihe. Er handelt von Frauen, die „Männer auf den Mond schießen“ wie es unsere Kulturreferentin treffend ausdrückte. In diesem Film wird die Geschichte von drei afroamerikanischen Mathematikerinnen, die maßgeblich am Mercury- und am Apollo-Programm der NASA beteiligt waren, erzählt. In einer Zeit da die ersten Weltraumflüge anstehen und die Rassentrennung zumindest juristisch aufgehoben ist werden die herausragenden mathematischen und analytischen Kenntnisse der drei Freundinnen dringend benötigt. Aber trotzdem ist die rassistische Haltung immer noch der übliche Umgang mit diesen Frauen. So müssen sie weiterhin eine Toilette für Colored-People aufsuchen und dafür einen langen Weg über das Gelände zurücklegen. Auch müssen sie ihren Kaffee aus einer gesonderten Kanne entnehmen. Ihr oberster Vorgesetzter räumt damit jedoch auf und der erste Astronaut der für die USA die Erde umfliegen soll, John Glenn, vertraut allein ihren Berechnungen. Auch die IBM-Anlage wäre nicht so schnell einsatzbereit gewesen ohne die Mitarbeit einer dieser Frauen und aller anderen weiblichen „colored“ Mitarbeiterinnen. Diese herausragende Leistung wurde, und das ist der eigentliche Skandal, verschwiegen und erst durch ein Sachbuch der Autorin Margot Lee Shetterly im Jahr 2016 ans Licht gebracht. Der Film basiert auf dieser Buchvorlage. Diesen Film unbedingt anschauen.