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Eigentlich hatte ich gehofft den Jazz-Pianisten Rafael Rieck wieder im Augustinum zu hören. Da sich dies bis jetzt jedoch noch nicht realisiert hatte, machten meine Frau und ich am letzten Samstag, 12. August 2017, einen kleinen Ausflug nach Kempenich, wo, im Rahmen der Kempenicher Musiktage, veranstaltet von der evangelischen Kirchengemeinde Adenau, die Eifeljazzer auftraten. In der Besetzung Rafael Rieck, Piano, Stephan Rieck, Bass und Bernd Hennerici, Waschbrett (wo bekommt mensch das noch zu hören und sehen), die seit 20 Jahren zusammen spielt, boten diese drei, deren Gesamtalter 180 Jahre beträgt, wie Rafael Rieck bei der launigen Vorstellung bemerkte, allerschönsten groovigen Boogie und Blues Sound dar.

Die Eifeljazzer

Los ging es mit dem „Pinetop’s Boogie Woogie“, 1928 von Clarence Smith komponiert. Es folgte der „Church Barn Rag“, Pfarrer Thorsten Hertel von der ev. Kirche Kempenich, dem Hausherrn dieser Veranstaltung gewidmet. Weiter ging es mit einem „Washboard Boogi“, gefolgt vom „Eifelblues“ von Rafael Rieck und eine Bearbeitung von „All of me“. „When I’m 64“ sangen die Beatles 1967 und die Band spielte dies, von zweien zurückblickend, von Stephan Rieck vorausblickend. Bevor es in die Pause ging kamen noch der schöne Gospel „Carry the Weight“ und der „St. Louis Blues“ zu Gehör.
Während der Pause erzählte mir Rafael Rieck, dass Bernd Hennerici, einer der ganz wenigen Waschbrettspieler die es noch gibt, und er die letzten Überlebenden der Mayener Jazzszene aus den 1950ern sind. Mit Hennerici verbindet ihn eine 50jährige Musikerzeit und wenn seine Frau mal wieder frägt warum er sich das immer noch antut, dann gibt es nur eine Antwort für ihn: „weil es jung erhält“. Rafael Rieck und seine Mitstreiter leben die Musik, was auch in ihrem Spiel zu spüren ist.
Nach der kurzen Pause schnaubte der „Eifel Train“ durch die Landschaft, um dann vom „Muskrat Ramble“, einem bekannten Armstrong Song, gefolgt zu werden. Ein alter Schlager, 1953 von Lale Andersen gesungen, die „Blaue Nacht am Hafen“ wurde verjazzt dargeboten. Die „High Heel Sneakers“ von Ramsey Lewis folgten um von „You are my Sunshine“, 1937 mit großer Wahrscheinlichkeit von den Brüdern Paul und Hoke Rice geschrieben, abgelöst zu werden. Den Abschluss bildete die „Boogie Night in Kempenich“ von Rafael Rieck. Alle nicht selbst komponierten Stücke waren mit freien Improvisationen gespielt.
Es waren sehr schöne 1 1/2 Stunden und das begeisterte Publikum dankte den Eifeljazzern mit langem und kräftigem Beifall. Mich erinnerte die Atmosphäre dieses frühen Abends an meine allerersten Jazzerlebnisse in den Musikkneipen Mannheims. Das Publikum war vom Kleinkind bis zu den Personen unseres Alters locker und fröhlich. Einen ganz besonderen Beifall gab es, als Pfarrer Thomas Heller in seiner Dankesrede darauf hinwies, dass die Eifeljazzer ganz ohne Honorar aufgetreten sind.
Nach einem Blick auf die bereitstehenden Verstärker und die Raumgröße haben wir uns die nachfolgende Rockband erspart.

Die Kirchenscheune der ev. Gemeinde. Alles war für den Ansturm gerüstet, das Wetter spielte leider nicht mit.