Am 16. 10. berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass „gegen vier Geschäftsleute, die den Seniorenstiftbetreiber über Jahre dreist ausgenommen haben sollen“ nun die Anklage vorliegt. Obwohl grundsätzlich nicht sehr viel neues aus dem Artikel hervorgeht, ist doch interessant wer angeklagt werden soll. Es handelt sich um Prof. Dr. Markus Rückerts ehemaligen Geschäftsführerkollegen Wilkin, die beiden Betreiber von NK und einen in der Schweiz lebenden Geschäftsmann. Von einer Anklage gegen Dr. Rückert hat die Staatsanwaltschaft, nach Prüfung ob er willentlich Konzernvermögen veruntreut habe, abgesehen, da dieser „keinesfalls die Absicht gehabt habe, das Lebenswerk seiner Familie zu schädigen. Sondern arglos und gutgläubig gewesen sei, was aber nicht strafbar ist“. Ein gegen Rückert eingeleitetes Bußgeldverfahren wurde wieder eingestellt.

Das Augustinum beteuert, die 7400 Bewohner der Seniorenstifte müssten sich keine Sorgen machen, ihnen drohten keine Nachteile. Die Verluste, derzeit mit 30 Millionen beziffert, habe man verkraften können. In meiner Jugend wurde nach dem Grundsatz verfahren: „Nichtwissen schützt vor Strafe nicht“. Im Wirtschaftsleben scheint es jedoch eher so zu laufen, dass die Verantwortlichen Firmenlenker grundsätzlich ungeschoren bleiben. Auszubaden haben es, auch im vorliegenden Fall, die Mitarbeiter und, ja auch die Bewohner.

Dem Personal wird seit Jahren immer mehr abgefordert und doch ist es stets freundlich. Die Servicekräfte sind zu bewundern, denn trotz einer eher bescheidenen Bezahlung (diese soll nicht mal mit der von stundenweise Beschäftigten im Drogeriemarkt vergleichbar sein) sind sie immer guter Laune und bieten eine, auf jeden Bewohner individuell eingehende Bedienung. 

Hier möchte ich einen – etwas vom Thema abweichenden, aber trotzdem wichtigen – Einschub machen.

Ab 2. November steht wieder das Sparschwein für die Aktion Weihnachten bereit. Eine Bitte an alle unsere Bewohner. Zahlt wenigstens € 100 pro Bewohner, damit eine halbwegs anständige Summe zusammenkommt. € 100, ich habe schon früher darauf hingewiesen, sind nicht mal 30 Cent pro Tag. Und diese aufgeteilt auf rund 130 Empfänger machen 0,23 Cent. Wem das zu viel ist, sollte sich vielleicht überlegen ob er am richtigen Ort ist.

Meiner Meinung nach, und damit befinde ich mich durchaus nicht allein, hat das Augustinum einen gefährlichen Weg eingeschlagen. Den, der Gefahr, die gute Gründungsidee des Augustinum durch rein wirtschaftliche Überlegungen aus dem Blick zu verlieren und sich dem Niveau eines normalen Pflegeheimes zu nähern. Zu viel Zentralismus hat sich noch selten als wirklich erfolgreich herausgestellt. Die Leistungen, und das ist nicht zuletzt beim Kulturangebot zu merken, werden seit Jahren reduziert.

Vor einigen Wochen war ich einmal in der Mensa der Universität Köln zum Mittagessen. Welch Überraschung, die servierten Kartoffeltaschen waren exakt die gleichen, wie bei uns im Haus. Da muss ich mich doch fragen ob die Mensa so hochwertig kocht oder das Augustinum Kantinenessen serviert.

Wenn Bewohner die schon 15 und mehr Jahre im Haus leben von früheren Jahren erzählen, dann wird das ganze Ausmaß des Leistungsabbaues nur um so deutlicher. Gemessen an früheren Zeiten muss es sich um paradiesische Zustände gehandelt haben. Werden wir in Bälde im Fegefeuer ankommen?

Setzt das Augustinum hier auf eine beschleunigte Fluktuation der Bewohner? Mit dem steigenden Eintrittsalter wird das auch so sein, und die Neubewohner kennen ja frühere, bessere Zeiten nicht. Trotzdem glaube ich, dass dies ein Irrweg ist.