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Es ist mittlerweile schon der Anfang einer Tradition. Zu den Festtagen kommen Sibylle Bertsch und Cosmin Boeru zu Besuch. Am Sonntag, dem 2. Advent 2017, war es wieder so weit. Draußen lag termingerecht Schnee und im Theatersaal, der sehr gut besetzt war – dass die Veranstaltung und der anschließende Bratapfel kostenlos waren, half sicherlich auch mit dazu bei – begannen die beiden Künstler mit ihrem Literaturkonzert. Den Auftakt machte Cosmin Boeru mit dem „Dezember“ aus den „Jahreszeiten, op. 37“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Sibylle Bertsch las „Herbst“ von Werner Friedhoff; „Es schneit, hurra es schneit“, ein Volksgut;

Es schneit, hurra, es schneit!
Schneeflocken weit und breit!
Ein lustiges Gewimmel
kommt aus dem grauen Himmel.

Was ist das für ein Leben!
Sie tanzen und sie schweben.
Sie jagen sich und fliegen,
der Wind bläst vor Vergnügen.

Und nach der langen Reise,
da setzen sie sich leise
aufs Dach und auf die Straße
und frech Dir auf die Nase.

und von Theodor Fontane „Advent“.  Herzerfrischend der „Tanz der Zuckerfee“ aus der „Nussknackersuite, op. 71a“ von P. I. Tschaikowski und „Liebestraum, Nr. 3 As-Dur“ von Franz Liszt.

„An einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang“ von Eduard Mörike, dessen letzte Strophe

Dort, sieh, am Horizont lüpft sich der Vorhang schon!
Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn;
Die Purpurlippe, die geschlossen lag,
Haucht, halbgeöffnet, süße Atemzüge:
Auf einmal blitzt das Aug, und, wie ein Gott, der Tag
Beginnt im Sprung die königlichen Flüge!

lautet, wurde spannungsvoll von Sibylle Bertsch vorgetragen.

Wieder war P. I. Tschaikowski und seine „Nusskackersuite“ an der Reihe. Diesmal, mitreißend von Cosmin Boeru gespielt, der „Marsch“ aus diesem Stück. Dass an Weihnachten „zu viel Weihnachten“ auf Erden sein kann, wurde in der bewegenden Geschichte vom Ochsen und Esel, die damals vor 2017 Jahren an der Krippe gestanden haben, deutlich,  deren Seelen auf die Erde kamen um zu erleben wie Weihnachten von den Menschen gefeiert wird. Aber der Vorweihnachtsrummel war für die beiden dann doch zu viel.

Das ausdrucksstark gespielte „Prélude cis-Moll op 3 Nr. 2“ aus den „Morceaux de fantaisie“ von  Sergei Rachmaninov leitete zu Joachim Ringelnatz und dreien seiner Gedichte über. „Vorfreude auf Weihnachten“, „Weihnachten“ und, was mir besonders gefallen hat, „Schenken“:

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die bedachten
die Gaben wiegen,
sei Dein Gewissen rein.
Schenke herzlich
und frei.
Schenke dabei,
was in Dir wohnt
an Meinung, Geschmack
und Humor,
so dass die eigene
Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist
ohne List.
Sei eingedenk,
daß Dein Geschenk
Du selber bist.

Von Frédéric Chopin folgte die „Etude, op. 10 Nr. 5″, die so leicht schwingend daherkommt, wenn sie denn, wie hier, gekonnt gespielt wird. Und nach zwei weiteren Gedichten war eines der „Préludes op. 23“ von Sergei Rachmaninov an der Reihe. Der letzte Rezitationsbeitrag gehörte dem Märchen „Der alte Silvester und das Jahrkind“ von Eduard Mörike. Den musikalischen Abschluss bildete der „Blumenwalzer“ aus Pjotr Tschaikowskis „Nussknackersuite“.

Sibylle Bertsch mit ihrer schön modulierenden Stimme und Cosmin Boeru, ein Meister seines Instrumentes, haben schon einige Male, und auch diesmal wieder, die Bewohner mit ihrem Können unterhalten, erfreut und beglückt. Daraus darf sich gerne eine Tradition entwickeln.