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* Tag 1 *

Wie schon einige Male in den letzten Jahren hat unsere Mitbewohnerin Helgrid Neisel, Pfarrerin i.R., zur Fastenzeit ein Seminar angeboten, das sich über 4 Freitage erstreckt, und jeweils über eine Stunde geht. Diesmal also zu dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Da ich am ersten Seminarstag leider nicht teilnehmen konnte muss ich mich für diesen Tag mit den, wie immer sehr ausführlichen Unterlagen befassen.

Die Kindheit und frühkindliche Entwicklung, des 1749 in Frankfurt geborenen Dichterfürsten stand am diesem ersten Tag im Fokus.

Das Elternhaus war evangelisch geprägt. Sein Vater, ausgebildeter Jurist jedoch vom ererbten Vermögen lebend, war eher streng und pedantisch. Seine Mutter war das genaue Gegenteil des Vaters, lebenslustig und kontaktfreudig. Johann Wolfgang wurde zusammen mit seiner Schwester Cornelia umfassend geschult. Nach zwei Jahren auf einer öffentlichen Schule übernahmen der Vater und insgesamt 8 Hauslehrer die weitere Ausbildung. Neben den klassischen Bildungssprachen Latein, Griechisch und Hebräisch erlernte Goethe noch Französisch, Italienisch und Englisch. Hinzu kam noch das „Jiddisch“, das in der Frankfurter Judengasse lebendig war. Von seiner Großmutter erhielt der Knabe zu Weihnachten ein Puppentheater, worüber er, in seinem Fragment gebliebenen Theaterroman „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“, dem so genannten Urmeister, der 1777 bis 1785 entstanden war, erzählte. Von der Judengasse in Frankfurt war Goethe zugleich angezogen und abgestoßen. Aufgrund der streng christlichen Erziehung waren die Juden in den Augen des Kindes verantwortlich für den Tod Jesu. Andererseits berichtet er in seiner, zwischen 1808 und 1831 geschriebenen Autobiografie „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“, dass er bei seinen Besuchen in der Judengasse, wo er bei einigen zeremoniellen Anlässen – Beschneidung, Hochzeit und der Feier des Laubhüttenfestes – anwesend war, immer freundlich von den Familien aufgenommen wurde, was ihn zu der Einsicht geführt habe, dass die Bewohner dieser Gasse „auch Menschen sind“.

Neben der Lutherbibel war Friedrich Gottlieb Klopstocks „Der Messias“, die beiden Bände des Buches waren durch den Rath Johann Kaspar Schneider, ein Jugendfreund des Vaters, in die Familie gekommen, eine spannende Lektüre für die beiden Kinder. Und noch ein Buch war es, das Goethe besonders beeinflusste und beeindruckte. Die „Kirchen- und Ketzer-Historie“ von Gottfried Arnold (1666-1714). In Dichtung und Wahrheit schreibt Goethe: „… Dieser Mann ist nicht ein bloß reflectirender Historiker, sondern zugleich fromm und fühlend. Seine Gesinnungen stimmten sehr zu den meinigen …“.

Vorgelesen wurde an diesem ersten Seminartag der Prolog im Himmel aus dem „Faust“ in Gegenüberstellung zu Hiob Kapitel 1 und 2 aus der Bibel. Dieser Prolog endet mit den Worten Mephistopheles:

Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern,
Und hüte mich, mit ihm zu brechen.
Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,
So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.