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Schade für einige größere Lücken im Auditorium, aber unser Theatersaal ist ja auch nicht gerade klein zu nennen. Diejenigen, die diesen Abend, Freitag 20. April 2018, erleben durften, werden ihn wohl nicht so schnell vergessen.

Jamina Gerl, die in Bonn geborene Pianistin, Teilnehmerin am Klavier-Festival Ruhr 2018 und in zahlreichen renommierten Konzertsälen zu Hause, spielte Stücke von französischen und russischen Komponisten aus dem 19. und 20. Jhdt.

Jamina Gerl beim Spiel der Zugabe

Bereits der Auftakt mit Camille Saint-Saëns (1835-1921), schon als Dreijähriger konnte das kleine Genie lesen, mit sechs Jahren schrieb er erste Kompositionen, und mit elf Jahren gab er sein erstes Konzert in der Salle Pleyel in Paris, war ganz toll. 

Jamina Gerl spielte sein „Album pour piano“ Opus 72 von 1884 mit 6 Teilen. Das I. Prélude und das II. Carillon (Glockenspiel) kamen ruhig daher. Es folgte das rasante III. Toccata, abgelöst von den wiegend ekstatischen IV. Valse und V. Chanson napolitaine. Furios beendet mit dem VI. Final.

Ruhig und fast heiter erklang danach das „Nocturne op. 33 nr. 1 in Es-Moll“ (1875) von Gabriel Fauré (1845-1924), einem Schüler von Camille Saint-Saëns.

Maurice Ravel (1875-1937), er wiederum ein Schüler von Gabriel Fauré, komponierte im Jahr 1901 das „Jeux d’eau“ (Wasserspiele). Dieses Stück wurde von Jamina Gerl so gespielt, dass ich das Wasser richtiggehend hörte und sah, wie es dahinfloss, wirbelte, rauschte, heranschoss um gleich darauf wieder ruhig zu fließen.

Ihm folgte Claude Debussy (1862-1918) mit „L’isle joyeuse“ (Insel der Fröhlichkeit) entstanden 1904. Dieses Stück, das letzte vor der Pause, war voll Leben und perlendem Klang.

Den Auftakt nach der Pause, während der rundum begeisterte Stimmen zu hören waren, machte das „Nocturne op. 48 Nr. 1 in C-Moll“ von Frédéric Chopin (1810-1849). Das 1841 entstandene erste von zwei Nocturnes erlangte Weltberühmtheit. Chopin hatte es seiner Lieblingsschülerin Laure Duperré gewidmet. Zart und gewaltig zugleich, ein echtes Chopin-Stück.

Emmanuel Chabrier (1841-1894), Pianist, Komponist, aber auch Jurist, war befreundet mit Édouard Manet dem Impressionisten, und in seinem Haus verkehrten die meisten französischen Komponisten jener Zeit. Erst 1880 beendete er seine Arbeit im Innenministerium um sich ganz der Komposition zu widmen. Von ihm war die „Bourrée fantasque“ aus dem Jahr 1891 zu hören.  Ein tolles, modernes und burleskes Musikstück, begeisternd vorgetragen.

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) wurde in der Zeit Stalins wegen seiner neuen Klänge als „nicht der kommunistischen Kulturideologie gemäß“ verfemt. Die von Jamina Gerl ausdruckstark gespielten „Drei phantastische Tänze op. 5“ aus den frühen Jahren 1922 (uraufgeführt 1925), mit den Sätzen 1: Allegretto, 2: Andantino, 3: Allegretto, erinnerten mich an den Tanz eines modernen Balletts.

Den Abschluss des Programms machte Sergei Prokofjew (1891-1953) mit seiner kraftvoll gespielten „Sonate Nr. 1 op. 1 in F-Moll“ (1909). Prokofjew ging nach der Oktoberrevolution zunächst in die USA. Nach kurzer Zeit verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Paris. 1936 kehrte er jedoch wieder in sein Heimatland zurück.

Im Wirtschaftsleben würde dieser Abend wohl als Win-Win-Situation bezeichnet, denn genau dieses Programm spielt Jamina Gerl am 3. Mai beim Klavier-Festival Ruhr (ausverkauft). So hatten wir das Glück einer großartigen Pianistin zu lauschen und ein großartiges Klavierkonzert zu erleben,  und für Jamina Gerl war es eine gute Einspielmöglichkeit vor Publikum.

Natürlich wurde eine Zugabe gefordert und auch gespielt. Es war eine wunderbare Ballade von Franz Liszt (1811-188), von einem unserer Mitbewohner gewünscht. Dass Jamina Gerl  um Erlaubnis (wegen der Länge von 12 Minuten) fragte fand ich sehr sympathisch. Selbstverständlich wurde diese auch mehr als gerne gewährt.

Jamina Gerl bedankt sich für den begeisterten Applaus.