Von Größen- und von Rassenwahn

Was im letzten Jahr ausfallen musste konnte unser Mitbewohner Norbert Weis gestern (24.05.2018) nachholen. Eine Fahrt zur ehemaligen „NS-Ordensburg Vogelsang“, heute  ein internationaler Platz mit der „NS-Dokumentation Vogelsang“, einer Dauerausstellung zum Thema „Von der Führerschule zum Internationalen Platz“.

Schon die Einfahrt auf das Gelände, bebaut mit einer Bruttogeschossfläche von über  50.000 m² was eine der größten baulichen Hinterlassenschaften (nach den Parteitagsbauten in Nürnberg) des Nazireiches bedeutet, war kolossal. Riesige Gebäudekomplexe, hier sollte unter anderem eines der größten Sportstadien Europas und ein Hotel mit 2000 Gästebetten entstehen. Zwei Rundwege erschließen das Gesamtgelände.

Die Ausstellung informiert gründlich und auf vielfältige Weise, mit Bildern, Modellen, Filmen und Redeausschnitten, über die Intention und Gedankenwelt der „Herrenmenschen“. In diesen Eliteschulen, eine weitere entstand in Krössinsee (Pommern) und Sonthofen (Allgäu), wurde die Indoktrination, die schon im Kindesalter begann, fortgesetzt, und hier sollte der Führungsnachwuchs der Partei herangezogen werden.

Lückenlos im Sinne der NSDAP ausbilden

Zeichnung und Modell von Vogelsang

Die Ausbildungsziele

Nach Kriegsbeginn wurde die Schule für die sogenannten „Adolf Hitler Schulen“ umgemünzt.

Andere Schüler, gleiches Ziel

Aber auch die Sportler wurden vereinnahmt und entsprechend dargestellt. Von der Kunst her ein Vorbild für die Künstler der Stalinzeit. Fast könnte mensch den Eindruck haben, dass die Sowjettruppen nur die Bildhauer, die Amerikaner aber die Raketenbauer abbekommen haben.

Sind sie nicht toll, die „Herrenmenschen-Sportler“? Modell für ein Großrelief

Eine ganz wichtige Abteilung dieser Ausstellung befasste sich mit der „Entgrenzung und Gewalt“, die von dieser Ideologie und Gesellschaft ausging. In Bild- und Tondokumenten waren die Erlebnisse deportierter Juden zu erfahren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen zunächst die britischen Streitkräfte den Komplex. Ab 1950 richteten die belgischen Truppen eine Kaserne, das Camp Vogelsang, ein und nutzten den Truppenübungsplatz bis zum Jahr 2005.

Wir, meine Frau und ich, machten nach dem Besuch der Ausstellung einen kleinen Rundgang, der auch, nach dem Gesehenen, dringend notwendig war.

Seit dem 1. Januar 2006 wurde die Anlage wieder öffentlich als „Vogelsang internationaler Platz“ zugänglich. Das mitten im Nationalpark Eifel gelegene Anwesen bietet mit seinem neuen Besucherzentrum nicht nur einen Blick in die dunkle Vergangenheit sondern auch Erholung und vielfältige Veranstaltungen.

Das neue Besucherzentrum in alte Bauten integriert.

Blick zum Rursee

Ehemaliger „Adlerhof“

Turm mit Ehrenhalle

Noch ein Blick zum See

Von Vogelsang aus fuhr unser Bus zur Anlegestelle in Einruhr. Im Hotel Seemöwe gab es, bevor die Seefahrt begann, leckeren Kuchen und Kaffee.

Das Hotel Seemöwe

Rundfahrtschiff: Katamaran mit Elektroantrieb

Idyllisch gelegenes Café

Dieser Vogel fehlt uns hier

Über die Nordeifel, unter Vermeidung der Autobahn, ging es dann zurück, wo ein sehr interessanter und auch wettermäßig schöner Tag zu Ende ging.

 

 

9 Gedanken zu „Von Größen- und von Rassenwahn

  1. Danke, lieber Herr Brandenburger, für die gelungene Zusammenfassung. Wie das jedoch leider so ist: Wer es nötig hätte, sich mit der Ausstellung vor Ort kritisch auseinanderzusetzen, wird es – von wegen dem bewußten Brett vorm Hirn – nicht tun.

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