„Mara“ – eine musikalische Geschichte

Am Donnerstag letzter Woche fand in unserem Theatersaal eine Lesung mit Musik statt. Markus Rundel, Violoncello und Meri Tschabashwili, Klavier, umrahmten die von Madeleine Häusler vorgetragene Lesung aus der Erzählung „Mara“ von Wolf Wondratschek.

Mara, eines der drei berühmten Cellos des italienischen Geigenbauers Antonio Giacomo Stradivari (1648?-1737), die er im Jahr 1711 herstellte. Seine Instrumente gelten als das Nonplusultra der Geigenbaukunst.

Wolf Wondratschek (*1943) erzählt in der Ich-Form die erstaunliche Geschichte dieses über 300 Jahre alten Instrumentes.

Markus Rundel stammt aus Friedrichshafen, studierte in Basel, Köln und Wien. 1990 hatte er sein erstes Engagement bei der Philharmonia Hungarica Marl 1994 ging er als stellvertretender Solo-Cellist zum Beethoven-Orchester Bonn. Neben seiner Orchestertätigkeit konzertiert er in diversen Kammermusikformationen als Solist.

Meri Tschabaschwili, wurde in Georgien geboren. Schon mit fünf Jahren komponierte sie ihre ersten Klavierstücke und mit sechs Jahren spielte sie mit dem Georgischen Staatsorchester ein erstes Konzert. 1998 erhält sie den „Prometheus Stern“ der Stadt St. Petersburg, einen Preis für begabte Kinder. 2004 kommt sie an das Staatliche Konservatorium „Rimsky Korsakov“ und im Jahr darauf siedelt sie mit ihren Eltern als Spätaussiedler nach Deutschland über. In Köln, an der Hochschule für Musik und Tanz setzt sie ihr Studium fort. Konzerte mit der „Jungen Philharmonie Köln“ führen sie ab 2007 in die Schweiz, Spanien und quer durch Deutschland. Seit 2013 nimmt sie bei der Stiftung „Villa Musica“ an kammermusikalischen Projekten teil und spielt Solo- und Kammermusik in ganz Europa, China, Korea und Mexico.

Madeleine Häusler, die Kulturreferentin unseres Hauses war vor ihrem Wechsel nach Bad Neuenahr in Konstanz beheimatet, wo sie als Interimsindentantin der Südwestdeutschen Philharmonie tätig war. Davor war Frau Häusler als Spielleiterin für Oper und Ballet, sowie im Musikmanagement aktiv. An diesem Abend übernahm sie den Part der Vorleserin.

Den Auftakt machte das 1891 entstandene „Rondo op. 94“ von Antonín Leopold Dvořák (1841-1904). Dieses so eingängliche Musikstück, von den beiden Künstlern perfekt dargeboten, ließ vor meinen Augen Bilder aus Romeo und Julia erstehen.

Mara erzählt, dass ihr Name von ihrem ersten Eigentümer, Giovanni Mara hergeleitet ist. G. Mara war ein ganz guter Spieler, jedoch ein Trunkenbold und nur das Geld seiner Ehefrau war ihm wichtig. Als ihn diese verließ ging es bald mit ihm bergab und er musste das Instrument an John Crosdill verkaufen. 

Es folgte von Domenico Gabrielli (1651-1690), einem italienischen Cellisten und Komponisten, ein „Ricercar“ (1689) für Solo Violincello.

Mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen und auch Humor erzählt Mara von den Menschen für die sie eine Partnerin war, und die von ihr, mit ihr, und durch sie lebten.

Franz Danzi (1763-1826), ein deutscher Komponist und Kapellmeister, steuerte seine sehr schönen Variationen über ein Thema aus Don Giovanni von W. A. Mozart bei.

In der wechselvollen Geschichte Maras, schließlich war sie inzwischen über 200 Jahre alt, hatte sie viele verschiedene Cello-Spieler kennen, verachten oder lieben und bewundern gelernt,  ereignet sich im Jahr 1963 eine unvorstellbare Katastrophe. Ihr derzeitiger Eigentümer, Amadeo Baldovino, Cellist im weltbekannten „Trio di Trieste“, mit dem Mara glücklich war, befand sich auf einer Tournee in Südamerika. Wegen starken Nebels konnte kein Flugzeug starten und das Trio fuhr mit einem Schiff von Montevideo nach Buenos Aires, um von dort zu ihrem Auftritt in Rosario zu kommen. 50 km vor ihrem Zielhafen läuft das Schiff auf ein Wrack auf und gerät in Flammen. Im Bestreben sein Leben zu retten vergißt Badovino Mara in ihrem Kasten. Baldovino und seine Triokollegen überleben und erfahren, dass auf wundersame Weise auch Mara, total zertrümmert und fast nicht mehr zu erkennen, das Inferno überlebt hat. Wie durch ein Wunder gelingt jedoch die Restaurierung und Mara kann im altem Glanz erstrahlen und erklingen.

Hierauf folgte „Salut d’amour“ von Sir Edward William Elgar (1857-1934), britischer Komponist (dessen bekanntestes Werk wohl „Land of Hope and Glory“ ist). Der „Liebesgruß“, 1888 ursprünglich für Klavier und Violine geschrieben, wurde wieder sehr schön und stimmungsvoll von den beiden Künstlern gespielt.

Wieder sind über 50 Jahre vergangen. Mara war Mitte der 1990er Jahre als Leihgabe in den Besitz von Heinrich Schiff (1951-2016), einem österreichischen Cellisten und Dirigenten, gelangt und mit diesem richtig glücklich, wenn sie auch ihre Auftritte mit einem zweiten Cello, dem „Sleeping Beauty“ von Montagnana (1686-1750), einem venezianischen Geigenbauer, teilen musste. Ihr 300ster Geburtstag nähert sich und der Konzertaklender von Heinrich Schiff war voll ausgebucht. Trotz heftiger Schmerzen in seinem rechten Arm und Schultergelenk erfüllte er alle Terminwünsche. Für Maras Geburtstag liefen schon die Vorbereitung, doch dann, im Jahr 2010, also ein Jahr vor dem historischen Tag, versagte sein Arm ganz. Mitten im Konzert musste er abbrechen und seine Solo-Karriere als Cellist war zu Ende.

Jetzt erklang der dritte Satz aus der „Sonate A-Dur für Klavier und Cello“ von Ludwig van Beethoven (1770-1827). Ein wunderbarer Dialog, großartig vorgetragen.

Nach dem Ende der Karriere von Heinrich Schiff kam Mara zur Versteigerung nach London. Ein Sammler, vermutlich aus Taiwan, der auch schon das Sleeping Beauty besaß, wollte das Instrument unbedingt nach Asien holen. Doch nach langem Hin und Her kam Mara in die Schweiz und von dort, auch wieder als Leihgabe, an den Cellisten Christian Poltéra (*1977) aus Zürich, einen Schüler von Heinrich Schiff. Und mit diesem neuen Partner kann Mara nun die nächsten 100 Jahr beruhigt angehen.

Noch einmal erklingt das Duo Rundel Tschabaschwili und spielt zum Abschluss von Manuel de Falla (1876-1946), dem spanischen Komponisten, „Suite populares espagnol“, spanische Volkslieder die de Falla 1914 für Mezzosopran und Klavier komponiert hatte und für Klavier und Cello arrangiert wurden. Die einzelnen Stücke sind: 1. El pano moruno (Der maurische Schal); 2. Nana (Wiegenlied); 3. Canción; 4. Polo; 5. Asturiana; und 6. Jota.

Es war ein schöner, stimmiger Abend. Die Musikstücke waren gut ausgewählt und von Markus Rundel und Meri Tschabaschwili großartig dargeboten. Und Madeleine Häusler verlieh Mara eine adäquate Stimme.

von links: Madeleine Häusler, Meri Tschabschwili und Markus Rundel, beim Schlussapplaus.

4 Gedanken zu „„Mara“ – eine musikalische Geschichte

  1. Ich fand diesen Abend auch ganz wunderbar und bin dankbar für den blog. Stradivari war mir immer als Instrumentenbauer bekannt.. Vornehmlich Violinen, davon soll er 1200 hergestellt haben. Heute gibt es noch rd. 600. Mir war auch bekannt, dass er außer Kontrabässen auch Celli und Bratschen gefertigt hat; aber dass es nur 3 Celli gab, war mir nicht bekannt. Ich habe in Duisburg die Entwicklung von Frank Peter Zimmermann vom Kind bis zum Weltstar verfolgen können. Bei ihm habe ich erstmalig ganz bewusst eine Strad – wie er immer sagt – gesehen und gehört. Die WestLB hatte ihm die geliehen. Als diese Weltbank pleite machte, musste er sie an das Nachfolgeinstitut zurückgeben, Den Versteigerungspreis konnte er natürlich nicht bezahlen. Inzwischen hat er aber eine neue Strad, die ihm ein reicher Chinese geliehen hat. Er hat auch einen Neubau – wie viele andere Stradbesitzer auch. Ich kann diese Instrumente nicht voneinander unterscheiden. Mit ist nur wichtig, dass wunderbar musiziert wird

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