Kompetenz oder Bildung

Zur Diskussion dieser beiden Begriffe traf sich der philosophische Gesprächskreis am letzten Dienstag. Unter der Leitung von Dr. Thomas Ebers, Bonn, wurde zunächst, wie gewohnt ein Rückblick auf das zuletzt diskutierte Thema Digitalisierung, mit der Aktualität der DSGVO, vorgenommen. Dr. Ebers verwies in diesem Zusammenhang auf Literatur, die sich dem Thema „Alles ist schlecht und wird nur noch schwieriger“ mit dem Gegenentwurf einer positiven Einstellung widmet.

Zum Einstieg in das heutige Thema las eine der Teilnehmerinnen aus den aktuellen Abiturrichtlinien vor, wo es in allen Lehrplänen grundsätzlich nur um Kompetenz ging. Damit eine saubere Definition möglich wird, schlug Dr. Ebers vor, dass zuerst der Begriff Kompetenz geklärt wird und anschließend der der Bildung. Warum ist Kompetenz in unserer Zeit so wichtig geworden? Unterschieden wir die fachliche, überfachliche (Teamfähigkeit) und personale (der Umgang mit negativen Erfahrungen) Kompetenz.

Die seit dem Jahr 2000 in dreijährigem Rhythmus durchgeführten PISA-Studien (Entwicklung der schulischen Leistungen in den verschiedenen Ländern) wurde von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) initiiert. Um in der Bundesrepublik Deutschland einen Vergleich der einzelnen Bundesländer zu haben, wird zusätzlich die PISA-E (nationale Ergänzung) durchgeführt. Bei PISA geht es grundsätzlich um eine Vergleichsmessung, das heißt, Leistung wird anhand der verschiedenen Kompetenzen mess- und vergleichbar.

Ziel heutiger Ausbildung ist nicht mehr die reine Wissensvermittlung, denn Wissen verlangt Fakten, doch die Wissensbestände ändern sich ständig und immer schneller. Als Beispiel führte Dr. Ebers seine persönliche Erfahrung an, als er ein Computer-Programm entwickelte und darin absoluter Fachmann war. Dieses Wissen aber nach einigen erfolgreichen Jahren, quasi über Nacht, obsolet wurde, weil mit den Windows-Programmen diese Arbeit von jedem „Depp“ ausgeführt werden konnte.

Deshalb liegt heute das Ausbildungsziel darin, fähig zu werden sich Fähigkeiten anzueignen. Der Schüler soll lernen aus einem Text die Lösung herauszulesen und kompetent darin zu werden Probleme zu erkennen. Kompetenz ist zielgerichtet, während die Technik mit Wissen arbeitet.

Im Begriff der Bildung ist auch Herzensbildung, Selbstbildnis, sich ein Bild machen, enthalten. Im Mittelalter, als nur wenige Menschen lesen und schreiben konnten, waren Bilder die Informationsquelle für die Allgemeinheit. Einer Studie zufolge fällt es den heute jungen Erwachsenen leichter ein abstraktes Kunstwerk zu verstehen als eine alte Bildergeschichte, weil deren zu Grunde liegender Inhalt nicht mehr im Allgemeinwissen vorhanden ist.

War es zuerst die Bildung nach dem Abbild Gottes, so begann sich in der Renaissance der Mensch als eigenes Selbst zu begreifen. Erasmus von Rotterdam (1466?-1536) beförderte die Bildung mit seinen Büchern, der Buchdruck war erfunden und die Bücher fanden weite Verbreitung. Die Aufklärung im 18. Jhdt. stellte den Menschen dann gänzlich in den Mittelpunkt. Pestalozzi (1746-1827), Herder (17744-1803), Schiller (1759-1805), Goethe (1749-1832), Kant (1724-1804), und nicht zuletzt Wilhelm von Humboldt (1767-1835) forderten die menschliche Vervollkommnung durch Bildung.

Bildung ist Formung des Menschen und ein immerwährender Prozess. Der Mensch bildet sich selbst nach einem Bild, einem Vorbild, einem Konzept der eigenen Person. Sich wertend und nicht etwa wertfrei. Ob es noch Vorbilder im Sinne der klassischen humanitären Bildung gibt?, das muss jeder für sich entscheiden.

 

3 Gedanken zu „Kompetenz oder Bildung

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