Brasschaat – zum dritten

Diesmal (Samstag 2. Juni 2018) waren meine Frau und ich wieder dabei, als sich der Bus, ein Fahrzeug der Firma Fulgraff, pünktlich um 7:00 Uhr Richtung Brasschaat (Belgien), der Partnerstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler, in Bewegung setzte. Geleitet wurde diese Fahrt wieder von Wolfang Horrmann dem Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees, der das Unternehmen wie gewohnt perfekt vorbereitet hatte. Diese wirklich gute, mit Leben erfüllte Partnerschaft wurde vor 30 Jahren besiegelt und bereits vor 35 Jahren initiiert. Jedes Jahr wird vom jeweiligen Partnerschaftskomitee ein Besuch der Partnergemeinde geplant und durchgeführt.

Das stand an der Frontscheibe unseres Buses

Nach der Ankunft in Brasschaat stiegen Carina und Anita, sowie als Neuzugang  Anika zu, um uns durch den Tag zu begleiten und über ihre Gemeinde zu informieren. Zuerst fuhr der Bus zum Perron Noord, einem sozialen Projekt, in dem Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt auf eine zukünftige Beschäftigung vorbereitet werden.Hier bekamen wir mit Käse oder Schinken belegte Brötchen und Kaffee zur Stärkung für den Tag. Der Perron Noord liegt auf einem ehemaligen Militärgelände, so dass auch dort an unsere dunkle Vergangenheit erinnert wird, und die ist keineswegs ein „Vogelschiss“ unserer Geschichte.

Erinnerung- und Mahnmal: über 80 Menschen wurden durch die deutschen Besatzer erschossen.

Nach dem Frühstück erfolgte eine kurze Rundfahrt durch Brasschaat.

Ich habe zwar schon einmal davon berichtet (s. Beitrag vom 29. Juni 2016), aber diese Schule, die sogenannte „Luftschule“ fasziniert mich ganz besonders. In dieser Schule sind sommers und winters die Fenster breit geöffnet. Die Schüler sind den Temperaturen entsprechend gekleidet – zwei drei Pullover und Handschuhe im Winter – und sind überdurchschnittlich gesund. Auch wird ein hohes Maß an Disziplin erwartet. Zuspätkommen oder zu frühes Weggehen werden nicht geduldet. Die Schulmappen bleiben vor der Tür, denn es wird vorausgesetzt, dass die Schüler ihre Utensilien und Unterlagen für die Schulstunde bereit haben. Die Nachfrage nach den Schulplätzen ist so groß, dass eine frühe Anmeldung, am besten gleich bei der Geburt, notwendig ist. Schlägereien auf dem Schulhof sind unbekannt.

Brasschaat ist eine sehr grüne Gemeinde mit vielen Alleen, Parks und Sportanlagen. Darüberhinaus ist diese Gemeinde sehr sozial organisiert. Noch ein Wort zu dem Begriff Gemeinde. Obwohl Brasschaat rund 10.000 Einwohner mehr als Bad Neuenahr- Ahrweiler hat ist und bleibt es eine Gemeinde. Nur wer zur Zeit der Staatsgründung Stadt war ist Stadt. Gemeinde bleibt Gemeinde auch wenn sie eine Million Einwohner hätte.

An die Rundfahrt schloss sich die Fahrt nach Antwerpen an, das nur 10 km entfernt liegt. Hier stand der Besuch des Diamanten-Museum DIVA auf dem Programm. DIVA ist übrigens keine Abkürzung für einen besonderen Begriff, sondern ganz einfach der Name des Museums, denn wer wird mit Diamanten in Beziehung gebracht wenn nicht die Diven. Das Museum wurde erst im Mai neu eingeweiht und Carina erzählte, dass noch vor Eröffnung unser Besuch vereinbart worden und von Seiten des Museums zugesagt war, dass Beschriftungen und der Audioguide auch in deutscher Sprache vorhanden wären. Bei ihrem Kontrollbesuch mussten sie jedoch erkennen, dass nur holländische, französische und englische Beschriftungen und Audioguides vorhanden waren. Da während der Audioführungen interessante Geschichten zu verschiedenen, besonderen Exponaten erzählt werden, baten Carina und Anita darum, diese Geschichten in Papierform zu erhalten, was jedoch zunächst abgelehnt wurde. Erst wenige Tage vor unserem Besuch bekamen sie dann doch die Texte – auf langes Bitten von Anita hin – und machten sich sofort daran diese ins deutsch zu übertragen. Durch viel Freizeitopfer wurde auch alles noch rechtzeitig bewerkstelligt. So wurden dann Carina und Anita unsere „Audioguides“ und Geschichtenerzählerinnen. Wofür  ihnen ein besonderer Dank gebührt.

Die Ausstellung war sehr interessant und mit den verschiedenen Hintergrundgeschichten auch unterhaltsam. Im Mittelpunkt der schönsten Preziosen befanden sich Kurtisanen und/oder unerreichte Lieben. Eine dieser Geschichten ging so: Bei einer Perle z.B. stand eine große ehrliche Liebe zwischen einem jungen Mann aus der oberen Gesellschaft und einer Liebesdienerin dahinter. Der Vater des Jünglings verhinderte die Hochzeit und entriss der Dame das geschenkte Kleinod. Eine Perle davon war jedoch bei dem Handgemenge auf den Boden gefallen. Diese Perle behielt die Kurtisane als bleibende Erinnerung an ihre Liebe. Die Brosche aber, auf deren Rückseite sich ein Bildnis der jungen Frau befand, wurde vom Vater  der Willibrord Kirche geschenkt, wo es den Marienaltar schmückt. Ob der Pfarrer wohl weiß, dass das Marienbild in Wirklichkeit das Bildnis einer Kurtisane ist?

Um die Strahlkraft der Diamanten nicht zu mindern befanden sich diese in sehr dunklen Räumen, was das fotografieren  erheblich erschwerte. Für die Bildqualität möchte ich mich daher entschuldigen. Aber ich wollte wenigstens einen kleinen Eintruck vermitteln. Im Museum konnte mensch auch sehr viel über die Diamantenfundorte, die Transportwege, die Herstellung und den Verkauf erfahren.

Nach dem Aufenthalt im Diamanten-Museum verbrachten wir noch einige Stunden in der schönen Stadt Antwerpen.

Rubensdenkmal vor Dom

Das Abendessen wurde wieder im Van der Valk Hotel Restaurant Dennenhof eingenommen. Einer Pastinaken-Kurkuma-Suppe folgte ein gutes Gemüsegericht mit gebackenem Käse. Den Höhepunkt bildete das Dessert vom Chef.

Dennenhof

Dessert mit Miniwindbeutel, Törtchen, Mouse au Chocolat, Eis, Erdbeeren und Vanillesauce

Um 21:00 Uhr fuhr der Bus wieder Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo wir kurz vor Mitternacht angelangt sind. Ein interessanter, informativer Tag war vorüber.