Literaturkonzert

Sie waren schon öfter im Augustinum Bad Neuenahr zu Gast, Sibylle Bertsch und Marius Cosmin Boeru. Letzten Freitag nun präsentierten die beiden ihr neuestes Literaturkonzert „Mondsüchtig“, Musik und Texte die mit dem Mond, bzw. den Gefühlen die er auszulösen vermag, zu tun haben.

Und wie gewohnt hatten sie auch diesmal eine stimmige und sich ergänzende Auswahl an Texten und Musikstücken parat. Marius Cosmin Boeru, der 1979 in Craiova (Rumänien) geborene Pianist und Dozent an der Kölner Musikhochschule, spielte in seiner sparsamen Gestik wieder ausdrucksstark und einfühlsam die ausgewählten Stücke.

Die beiden Künstler

„O du mein holder Abendstern“ von Richard Wagner in der Transkription von Franz Liszt machte den Auftakt. Gefolgt von „Nocturne Nr. IV“ (Bad Phantome) von Francis Poulenc; „Leise flehen meine Lieder“ von Franz Schubert, wiederum von Liszt bearbeitet; „Nocturne op. 55 No.2“ von Frédeéric Chopin; dem „Prélude op. 34 No. 10“ von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch; eine Bearbeitung von „Die Forelle“ von Franz Schubert; „Clair de lune“ von Claude Debussy; nochmals Schostakowitsch mit seinem „Prélude op. 34 Nr. 2“; das „Notturno op 54“ von Edvard Grieg; und zum Schluss „Fly me to the moon“ von B. Howard in der bekannten Version von Frank Sinatra.

Dazwischen trug die Schauspielerin Sibylle Bertsch, die, neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit mit ihren Literaturkonzerten in ganz Deutschland tourt, Texte vor. Mit ihrer sprachlichen Präzision und wandelbaren Stimme gab sie jedem ihrer Texte, mal nachdenklich, mal gefühlvoll, mal heiter oder gedankenschwer einen Inhalt, der ihre Zuhörer immer wieder gefangen nahm. Ob diese nun romantisch oder mit klarem, beurteilenden Inhalt daherkamen, Sibylle Bertsch verstand es dies jeweils auch zu vermitteln.

Unter anderem waren Texte von Novalis, Charles Baudelaire, Friedrich Nietzsche und Paul Verlaine darunter.

Baudelaires „Macht euch trunken“

„Man muß immer trunken sein. Das ist alles: die einzige Lösung. Um nicht das furchtbare Joch der Zeit zu fühlen, das euere Schultern zerbricht und euch zur Erde beugt, müsset ihr euch berauschen, zügellos.

Doch womit? Mit Wein, mit Poesie oder mit Tugend, womit ihr wollt. Aber berauschet euch.

Und wenn ihr einmal auf den Stufen eines Palastes, auf dem grünen Grase eines Grabens, in der traurigen Einsamkeit eures Gemaches erwachet, der Rausch schon licht geworden oder verflogen ist, so fraget den Wind, die Woge, den Stern, den Vogel, die Uhr, alles was flieht, alles was seufzt, alles was vorüberrollt, alles was singt, alles was spricht, fraget sie: »Welche Zeit ist es?« und der Wind, die Woge, der Stern, der Vogel, die Uhr werden euch antworten: »Es ist Zeit, sich zu berauschen! Um nicht die gequälten Sklaven der Zeit zu sein, berauschet euch; berauschet euch ohne Ende; mit Wein, mit Poesie oder mit Tugend, womit ihr wollt.«

Paul Verlaines „Mondschein“

„Wie eine seltne Gegend ist dein Herz,
Wo Masken, die mit Bergamasken schreiten,
Zum Tanze spielen voll geheimem Schmerz
Im Truggewand, mit dem sie bunt sich kleiden.

Obgleich in weichem Ton sie singen, wie
Der Liebe Sieg dem Lebensglück sich eine,
So glauben doch nicht an die Freude sie,
Und ihr Gesang fliesst hin im Mondenscheine.

Im kalten Mondenschein, des trübe Pracht
Die Vögel träumen lässt auf ihren Zweigen,
Und der die Wasserstrahlen weinen macht,
Die schlank aus weissen Marmorschalen steigen.“

Es war ein stimmungsvoller, heiterer und berührender Abend und als Dank für den reichen Beifall las Sibylle Bertsch noch „Der Mann im Mond“ von Mascha Kaleko, und Cosmin Boeru spielte das „Abendlied“ von Matthias Claudius.

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