Für Marx erwärmt

Zur Zeit findet in Trier, der Geburtsstadt von Karl Marx, zur Erinnerung an dessen 200. Geburtstag, eine umfassende Ausstellung statt, die sich, wie schon zu Nero (s. Beitrag vom 9.7.16), über mehrere Ausstellungsorte verteilt.

Meine Frau und ich hatten anlässlich dieses Ereignisses schon länger ein Hotelzimmer in Trier gebucht und so waren wir die letzte Woche, vom 22. bis 29. Juli, einer richtig warmen Woche, in dieser Stadt.

Mit der sogenannten Karl-Marx-Card für € 20,00 ist es möglich alle vier Ausstellungen, jede natürlich nur einmal, zu besuchen und das sogar zeitlich sehr unabhängig bis zu deren Ende am 21. Oktober 2018. Wir waren jedoch eine ganze Woche in Trier und haben jeden Tag eine andere Ausstellung besucht.

Begonnen haben wir, da sogar am Montag geöffnet, mit dem Geburtshaus

Geburtshaus

von Karl Marx, dem Museum Karl-Marx-Haus. Interessanterweise war Marx hier nur die ersten 15 Monate seines Lebens heimisch. Danach zog die Familie in das eigene Haus in der jetzigen Simeonstraße. Es ist schon etwas mehr als eine Ironie der Geschichte, dass in diesem Haus, in dem Marx bis zu seinem Studienbeginn in Bonn, heute ein Euro-Shop sich befindet. Gibt es ein besseres Symbol für die von ihm vorausgesagte globale Ausbeutung als dieser Shop?

Im Karl-Marx-Haus wird auf drei Etagen die neue Dauerausstellung „Von Trier in die Welt: Karl Marx, seine Ideen und ihre Wirkung bis heute“ gezeigt.  Das Haus selbst hat einen sehr heimeligen Innenhof und einen großen Garten. Im Marx-Haus durfte mensch ungehindert fotografieren, was in allen anderen drei Museen leider untersagt war. Das Geburtshaus von Karl Marx gehört der Friedrich-Ebert-Stiftung und so liegt der Schwerpunkt dieser Ausstellung auf Marx‘ Wirkung in der Arbeiterschaft.

Von den ausgestellten Exponaten hat uns besonders das „Filmbuch“ gefallen. Nach der Auswahl der Sprache konnte das Buch aufgeklappt werden und Bilder, Zeichnungen und Videos erklärten die Arbeitsweise und Resultate zu Marx‘ Werken. Gut war auch der Lesesessel von Marx. Ihm gegenüber konnte mensch sich hinsetzen und Informationen über Marx wurden vorgetragen.

Das zweite von uns besuchte Museum war das Stadtmuseum Simeonstift Trier mit der Ausstellung „Stationen eines Lebens“. In dieser Ausstellung war besonders interessant welche Personen und Netzwerke im Umfeld von Marx welchen Einfluss und welche Nähe zu ihm hatten.

Als nächstes gingen wir in das Museum am Dom. Hier war das Thema „LebensWert Arbeit“. Bei dieser Ausstellung war ein „Labor“ betitelter Raum besonders interessant. Die anwesende Designerin beantwortete gerne unsere Fragen und erzählte, dass die von ihr gestalteten Objekte aus diversen 3-D-Druckern aus einem Kunststoff bestehen der mit den Jahren abgebaut wird und recycelbar ist. Mit einem Zwinkern meinte sie: „nächstes Jahr hat Engels Geburtstag und dann werden die Marxköpfe zermalmt und Engelsköpfe daraus“. Weitere Exponate befassten sich mit der Zukunft der Arbeit (Pflegeroboter)

Pflege in Japan

und der Ausbeutung von vielen für einige wenige. Hervé Lesieur (1956) thematisierte Mensch und Maschine mit seiner Figur „Minotaurus“. Der Kopf ist ein Automotor und erinnert mit den herabhängenden Schläuchen an das Haupt der Medusa. Der Körper wurde aus Kohlen gestaltet und versinnbildlicht in der Verbindung von Kohle und Stahl die Industrialisierung.

Minotauros

Als letztes besuchten wir das Rheinische Landesmuseum Trier. Das Motto dieser Ausstellung ist „Leben. Werk. Zeit.“ In dieser Ausstellung wird dem Besucher die jeweilige wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation erklärt aus der heraus Marx seine Theorien entwickelte. Hier bietet sich nochmals eine Gesamtschau, die sehr gut gestaltet ist. Starke visuelle Eindrücke nehmen die BesucherIn mit in die Zeit von Karl Marx.

Ganz am Schluss liegen Zettel im A5 Format bereit, und die BesucherInnen werden inspiriert zu notieren was ihnen zu Karl Marx einfällt. Ich habe „Marx wird leider immer aktuell bleiben“ darauf geschrieben. Auf die Frage meiner Frau „Warum leider?“ habe ich gesagt: „Weil sich nichts ändert!“.

Wer nicht alle vier Ausstellungen besuchen möchte, dem würde ich – von meinen Eindrücken her – das Rheinische Landesmuseum besonders empfehlen.

So, zum Abschluss, schließlich waren wir nicht den ganzen Tag in den Museen, einige Impressionen von Trier

und Bernkastel-Kues, wo wir auf der Rückfahrt einen kurzen Halt eingelegt hatten.

 

 

 

 

 

15 Gedanken zu „Für Marx erwärmt

  1. Danke, lieber Herr Brandenburger, für die Anregung. Bei aller Bewunderung für Marx‘ kritisches Lebenswerk soll aber auch nicht übersehen werden, dass er selbst mit Kritik nicht allzu gut umgehen konnte. Mit allgemeinverbindenden humanistischen Wertvorstellungen hatte er wohl gewisse Probleme. Politische Gegner waren für ihn „Gesindel“, „Menschendreck“, „Menschenkehricht“, „Esel“, „Narren“, „jüdische Nigger“ usw.. Da Worten bekanntlich nicht selten Taten folgen, fragt man sich, in wie weit der Weg zum Gulag da schon vorgezeichnet ist…
    Ihre (wie immer) klasse Fotos ersetzen schon fast die Fahrt nach Trier. Ich werde mir trotzdem die Ausstellungen nicht entgegen lassen.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für das Lob. Was Marx‘ Wortwahl ganz speziell in der Causa Lasalle anbelangt bin auch ich erschrocken gewesen. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass gerade die beiden – obwohl doch eigentlich mit der gleichen Intention – erbitterte Feinde wurden. Dazu hat der Neid von Marx, der zusehen musste wie Lasalle populär und geliebt wurde, sicherlich den Hauptanteil. Marx jedoch für den Gulag verantwortlich machen zu wollen geht meiner Meinung nach doch zu weit. Da könnten andere berserkerhafte Wortwerfer wohl genauso in Frage kommen. Marx war im Gegenteil gerade in der aktiven revolutionären Aktion zurückhaltend und hielt z.B. von der Revolution in Russland garnichts. Er war da wesentlich pragmatischer.

      Gefällt 1 Person

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