Das klassische Lied – Teil Eins

2016 erhielt Klaus Mertens den Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg, eine jährlich verliehene Auszeichnung für besondere Leistungen bei Interpretation, Erforschung und Pflege des Lebens und Werkes von Georg Philipp Telemann. Der 1949 geborene Sänger in der Stimmlage Bass und Bassbariton nahm bereits während seiner Schulzeit Gesangsunterricht. Der Künstler tritt regelmäßig bei internationalen Musikfestspielen auf. So beispielsweise (lt. Wikipedia) beim Prager Frühling, auf dem Maggio Musicale Fiorentino, dem Festival d’Aix-en-Provence und bei den Salzburger Festspielen. 2006 sang er beim Rheingau Musik Festival die Basspartie in Bachs Matthäuspassion unter Leitung von Enoch zu Guttenberg. Mit dessen Ensembles Chorgemeinschaft Neubeuern und Orchester der KlangVerwaltung sang er 2009 beim 12. Beijing Music Festival große Werke von Joseph Haydn, Die Schöpfung, die Nelson-Messe und Die Jahreszeiten. Außerdem ist Klaus Mertens immer wieder als Liedsänger international und national unterwegs. Seit 4 Jahren begleitet ihn Volodymyr Lawrynenko, ein junger Klaviereleve, der zurzeit in Hamburg lebt und dort nächstes Jahr sein Musikstudium abschließen wird, gekonnt und einfühlsam auf dem Klavier. Lawrynenko, der in der Ukraine geboren wurde hat trotz seiner Jugend schon einige internationale Klavier-Wettbewerbe gewonnen.

Klaus Mertens und Volodymyr Lawrynenko (Gruß an WM)

Diese beiden Künstler präsentierten am 25.10.18 im Augustinum Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Liederabend mit dem Motto „Von J. S. Bach zu F. Mendelssohn-Bartholdy, das deutsche Lied in seiner Entwicklung vom Barock bis zur Romantik“. 

So begann der Abend auch mit Johann Sebastian Bach (1685-1750), dem in Eisenach geborenen Komponisten, Kantor, Orgel- und Cembalovirtuosen des Barocks. Von ihm stammen die Lieder „Willst du dein Herz mir schenken“ und „Die Tobakspfeife“. Zwei einfache und heitere Lieder.

Georg Philipp Telemann (1681-1767) kam in Magdeburg zur Welt. Auch er war ein Komponist des Barocks. Mit den Komponistenkollegen Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach pflegte er eine lebenslange Freundschaft. Von ihm waren die Lieder „Die Jugend“ und „Toback“ (der Tabak war im Barock wohl besonders beliebt).

Es folgte „Freude, du Lust der Götter und Menschen“ von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), dem ältesten und berühmtesten der Bachsöhne. 1741 wurde er von König Friedrich II. fest als Konzertcembalist in der Hofkapelle angestellt. 1746 stieg er zum Kammermusikus auf. Außerdem war er ein anerkannter Klavierlehrer. Der Liedtext basiert auf einem Gedicht von Ludwig Wieland (1777-1819), einem der zahlreichen Kinder des Dichters Christoph Martin Wieland. Ludwig Wieland nahm 1802 an einem Dichterwettstreit teil an dem auch Heinrich von Kleist (1777-1811) beteiligt war. Dieser wurde bei diesem Anlass zu seinem Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ animiert.

Nun folgte von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) dem Komponisten der Romantik, der als Dirigent neue Maßstäbe setzte. Ihm, dem Dirigenten ist es zu verdanken, dass die Werke Händels und Johann Sebastian Bach wieder aufgeführt und damit dem Vergessen entrissen wurden. Am Hof von Friedrich Wilhelm IV. war er Kapellmeister in Berlin. Der Tod seiner Schwester Fanny im Jahr 1847 traf ihn schwer und er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ein mehrmonatiger Erholungsaufenthalt in der Schweiz und Süddeutschland hatte jedoch keinen Erfolg. Nach mehreren Schlaganfällen verstarb er noch im gleichen Jahr in Leipzig. Lawrynenko spielte von ihm das „Charakterstück e-Moll, op. 7 Nr. 1“. das 1827 erschienen ist.

Joseph Haydn (1732-1809), das ältesten der drei Musikgenies – Haydn – Mozart – Beethoven – steuerte die Lieder „Das Leben ist ein Traum“ Hob. XXVI a-21 und „The Spirit’s Song“ Hob. XXVIa:41 bei. Seine erste Anstellung als Musikdirektor beim Grafen Morzin in Pilsen verlor Haydn als der Graf in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Schnell wurde er jedoch bei der Familie Esterhazy als Vizekapellmeister und nach dem Tod des Amtsinhabers als Kapellmeister angestellt. Nach dem Tod des Fürsten Nikolaus I. löste dessen Nachfolger die Hofmusik gänzlich auf. Haydn folgte darauf hin einem Ruf des Impresarios Johann Peter Salomon nach England, wo seine Sinfonien mit großem Erfolg aufgeführt wurden. Schließlich war es auch Haydn, der Beethoven nach Wien lotste. (Reisevorschlag von mir: das Haydn-Museum in Rohrau ist unbedingt besuchenswert). Der Text des ersten Liedes stammt von Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803), Dichter und Sammler der deutschen Aufklärung. Das zweite entstammt der Feder von Anne Hunter (1741-1821) einer britischen Dichterin, die eine musische Freundschaft mit Haydn pflegte.

Aus den Liedern ohne Worte spielte anschließend Lawrynenko das „Allegro leggiero, fis-Moll, op.67 Nr. 2“ von Mendelssohn-Bartholdy. Der Titel Lieder ohne Worte ist ganz eng mit Mendelssohn-Bartholdy verbunden. In 8 Heften notierte er jeweils 6 dieser Lieder ohne Worte. Wunderschöne Klavierstücke.

Diesem Zwischensolo folgten drei Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), dem allzufrüh verstorbenen Genie. Es waren dies „Die Verschwendung“ KV 518 (Text von Carl Friedrich Weisse); „Das Veilchen“ KV 476 (Text: Johann Wolfgang von Goethe); „Abendempfindung“ KV 523 (Dichter unbekannt). Drei typische Mozart und die Texte hatten es ebenfalls in sich. Das letzte Lied markierte auch das Ende des ersten Konzertteils.

Schon hier wurden die beiden Künstler mit viel Beifall zur wohlverdienten Pause geschickt.