„Dein ist mein ganzes Herz“

Ein bunten Strauß schöner Melodien war am 11.08. im Augustinum Bad Neuenahr-Ahrweiler zu hören. Gerd Winzer, an der Musikhochschule München klassisch ausgebildet und durch ein Studium der Unterhaltungsmusik an der Jazzschule München ergänzt, präsentierte zusammen mit der Sopranistin Julia Kamenik und dem Tenor Ferdinand Hoffmann Melodien aus der Welt der Oper und Operette.

Der Belcanto-Tenor Ferdinand Hoffmann,  besonders für für seine Interpretation italienischen Liedgutes bekannt, machte den Anfang mit der Arie „Lascia ch‘ io pianga“ aus Rinaldo, der ersten Oper von Georg Friedrich Händel (1685-1759), die er in London schrieb.

Ferdinand Hoffmann und Gerd Winzer

„Torna a surriento“ (Komm zurück nach Sorrent) ein neapolitanisches Lied, entstand in der Zusammenarbeit des Komponisten Ernesto de Curtis (1875-1937) und dem Textdichter Giambattista de Curtis (1860-1926). Wie viele große Sänger vor ihm, hat dieses populäre Lied an diesem Abend Ferdinand Hoffmann vorgetragen.

Es folgte „Vedrai carino“ (wenn du fein artig bist) aus der Oper Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). gesungen von Julia Kamenik, der in Wien geborenen Sopranistin. Während ihrer Zeit an der Oper in Bonn, 2002 bis 2013, feierte sie große Erfolge und erhielt sowohl von der Presse als auch vom Publikum viel Lob. Engagements führen sie in weite Teile der Welt.

Gerd Winzer und Julia Kamenik

Ruggero Leoncavallo (1857-1919), der italienische Komponist und Librettist, steuerte „Mattinata“, dieses unverwüstliche Lied bei, das von Ferdinand Hoffmann gesungen wurde.

Ihm folgte, wieder aus Mozarts Oper Don Giovanni, das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ (Là ci darem la mano). So manche Hand wanderte, ob in Gedanken oder Wirklichkeit zur Partnerin, zum Partner.

G. Winzer, F. Hoffmann und J. Kamenik

Von Lucio Dalla (1943-2012), dem italienischen Musiker, Sänger und Schauspieler stammt das Lied „Caruso“, über die letzten Tage des großen Sängers, das 1986 veröffentlicht wurde und überaus erfolgreich war. Interpreten und Interpretinnen aller Richtungen haben dieses Lied schon gesungen, das an diesem Abend von Ferdinand Hoffmann vorgetragen wurde.

Aus dem dritten Akt der Operette Die lustige Witwe von Franz Lehár (1870-1948), einem österreichischen Komponisten mit ungarischen Wurzeln, war danach das Duett „Lippen schweigen“ zu hören.

Und ebenfalls von Lehár erklang „Dein ist mein ganzes Herz“, eine Arie des dritten Aktes aus der Operette Das Land des Lächelns. Wieder gesungen von Ferdinand Hoffmann.

Julia Kamenik war wieder dran. Sie sang „Habanera“ (L’amour est un oiseau rebelle ‹dt. Die Liebe ist ein wilder Vogel›), eine Arie aus der Oper Carmen von Georges Bizet (1838-1875), dem französischen Komponisten der Romantik.

Umberto Giordano (1867-1948),  komponierte die Oper Fedora nach einem Libretto von Arturo Colautti das auf dem gleichnamigen Drama von Victorien Sardou basiert, einem französischen Dramatiker. Aus dieser Oper sang  Ferdinand Hoffmann die Arie „Amor ti vieta“ (Die Liebe verwehrt dir).

„Meine Lippen, sie küssen so heiß“, das Lieder der Giuditta aus der gleichnamigen Operette sang Julia Kamenik. Dieses Bühnenwerk war das letzte des Komponisten Franz Lehár. Bemerkenswerterweise wurde diese Operette am 20. Januar 1934 in der Wiener Staatsoper uraufgeführt, obwohl dies der damalige Direktor Clemens Krauss verhindern wollte. Die Premiere erspielte die bisher höchsten Einnahmen und war ein voller Erfolg.

Das für Tenor geschriebene Lied „Granada“ von dem mexikanischen Komponisten und Sänger Augustin Lara (1897-1970) wurde von Ferdinand Hoffmann interpretiert und entführte in die spanische Stadt. Das 1932 entstandene Lied ist Teil des Zyklus Suite española (Lieder über span. Städte und die Region Navarra).

Das Duo Julia Kamenik und Ferdinand Hoffmann sangen zum Programmabschluss „Vivo per lei“ (ich lebe für sie), das Lied des Komponisten Valerio Zelli, berühmt geworden durch Andrea Bocelli.

Pianist G. Winzer und die Sopranistin J. Kamenik mit dem Tenor F. Hoffmann

Als Zugaben erklangen noch von Ferdinand Hoffmann „O sole mio“ (Meine Sonne) des Komponisten Eduardo Di Capua (1865-1917) und von Julia Kamenik „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“, das 1916 von Robert Stolz (1880-1975) komponiert wurde. Das brachte mir die Erinnerung an das Interview von Robert Stolz zurück, in dem er mit seiner altershohen Stimme sagte: „Das verdanke ich alles meiner lieben Frau“.

Ein insgesamt gelungener Abend ging damit zu Ende.

Leider brachten die beiden großen Stimmen wieder einmal den Theatersaal und die Tonanlage des Augustinum an ihre Grenzen. Vielleicht sollte mal versucht werden die Tonalage bei Konzerten ganz abzuschalten.

Jeweils zum Schmunzeln brachte mich der Pianist und Moderator Gerd Winzer. Er trug an diesem Abend einen Frack und jedesmal wenn er sich auf den Klavierschemel setzte warf er die Rockschöße nach hinten, was mir prompt das Bild von Lehrer Lämpel (Wilhelm Busch) vor Augen führte.