Red Star Line

In meinem Bericht über die Bürgerfahrt nach Brasschaat habe ich schon von dem Museum „Red Star Line“ in Antwerpen erzählt. Das Museum fand ich so beeindruckend, dass ich noch näher und ausführlicher darauf eingehen will.

Dieses MuseumDSC04053a ist keines in dem Kunst zu sehen ist, sondern es berichtet von den Menschen die sich voll Hoffnung in diesen Hallen eingefunden haben um in eine bessere Zukunft zu gelangen. Für das Museum wurden die Originalhallen der Sammelstelle am Hafen von Antwerpen renoviert, so dass der Besucher einen besonders originären Eindruck erhält.

Red Star Line war eine Reederei, die den Linienverkehr zwischen Antwerpen und Nordamerika betrieb und in Antwerpen ihren Hauptsitz hatte. Von 1872 bis 1934 wurden von dieser Reederei rund 2 Millionen Menschen, die sich aus ganz Europa in Antwerpen einfanden, nach Amerika verschifft.

Im Laufe des Museums-Rundganges erfährt mensch sehr viel über den Ablauf, die Prozedur der Verschiffung. Gleichzeitig lernt mensch die Geschichten verschiedener Auswanderer kennen, sieht Fotos und Gegenstände. Amerika, das die Einwanderer haben wollte, verlangte, dass die Migrationswilligen schon am Ausgangsort „vorgesiebt“ wurden. Das Gepäck der Reisewilligen wurde in Dampfkessel gesteckt und mit Druck und heißem Dampf desinfiziert. Die Menschen selbst wurden zunächst äußerlich auf Läuse, ansteckende Krankheiten oder körperliche Defekte untersucht. Anschließend mussten sie sich komplett entkleiden und sich mehr als 1 Stunde lang, mit relativ heißem Wasser und viel Seife, duschen. So sollte sicher gestellt werden, dass einerseits keine Kranken auf die Schiffe gelangten und andererseits die Petschaften von Bakterien befreit waren. Soweit die Theorie. Unter den Reisebedingungen, die für die Armen auf den Schiffen herrschten, und die, vom Dampf noch feuchten Wäschestücke, sorgten dafür, dass viele Auswanderer krank wurden.

Die Museumsbesucher können alte Passagierlisten sehen (am Ende des Rundganges ist es möglich seinen Namen in den Computer einzugeben um zu sehen ob eigene Vorfahren auf diesem Weg ausgewandert sind), erfahren von den Einzelschicksalen – z.B. das Mädchen, einer Familie mit Mutter und drei Kindern, wurde wegen einer ansteckenden Augenkrankheit in Ellis Island zurückgeschickt und es gelang ihm erst nach 12 Jahren in die USA einzuwandern – oder erhalten einen Einblick in das Leben an Deck. Alte Bilder und Stiche zeigen hunderte Auswanderer, die vom Bahnhof Centraal Station aus durch die ganze Stadt marschieren und die volle Aufmerksamkeit der Bewohner, Künstler und Journalisten auf sich ziehen.

Ganz eindrücklich bei dem Museumskonzept ist der weite Bogen, der zwischen den Flüchtlingen und Auswanderern vorchristlicher Zeit bis in unsere Gegenwart gespannt wird. Schon immer waren Menschen auf der Flucht, wurden verfolgt oder verbannt, litten Hunger und hatten keine Hoffnung in der Heimat zu überleben.

Die rund 2 Millionen, die, allein mit der Red Star Line, die Fahrt nach den USA und Kanada antraten, taten dies in erster Linie deshalb, weil sie in der europäischen Heimat keine Überlebenschance mehr sahen (und wohl auch nicht hatten). Daran sollten wir uns erinnern, wenn jetzt die Einwanderer und Flüchtlinge zu uns kommen wollen. Seit urdenklichen Zeiten waren die Menschen unterwegs und es hat ein ständiger Austausch und eine fortwährende Vermischung der Ethnien und Kulturen gegeben.

Wer sich in der Nähe von Antwerpen aufhält sollte diesem Museum einen Besuch abstatten.

Es lohnt sich, und mensch hat viel zu sehen, zu erfahren und nachher zu bedenken.

 

 

1 Gedanke zu “Red Star Line”

  1. einfach glücklich sagte:

    Hallo! Danke für den interessanten und informativen Beitrag! Ja, auszuwandern war damals keine romantische Angelegenheit und es gibt wohl Parallelen zur heutigen Zeit! Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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