Klavierrezital Eduard Stan

Eines kann mensch den Klassik-Konzerten im Augustinum Bad Neuenahr wirklich nicht absprechen: die außergewöhnlich hohe Qualität der Künstler und der Programme. Am Samstag, 22.09.2018, war wieder so ein Moment. Eduard Stan, 1967 in Brașov (Kronstadt in Siebenbürgen, Rumänien) geboren, kam als Elfjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland. Seit dieser Zeit gastiert er in Europa und den USA als Pianist „mit eminentem Klangfarbensinn“ wie die FAZ urteilte. Es gibt kaum eine renommierte Konzerthalle in der er noch nicht aufgetreten wäre. An diesem Abend trat Eduard Stan mit folgendem Programm vor das Publikum.

Von Johannes Brahms (1833-1897) die im Jahr 1893 entstandenen 6 Klavierstücke op. 118 und die im gleichen Zeitraum komponierten 4 Klavierstücke op. 119. Nach einer kurzen Pause kamen die im Jahr 1827 entstandenen 4 Impromptus D 935 von Franz Schubert (1797-1828) zur Aufführung.

Johannes Brahms war nun garnicht mit „einem goldenen Löffel im Munde“ geboren worden. Mit seinem Vater, einem Hamburger Stadtmusiker, musste er abends, zur Aufbesserung des familiären Einkommens, durch die Lokale ziehen und musizieren. Allerdings bekam er von dem Klaviervirtuosen und Komponisten Eduard Marxsen (1806-1887) gründlichen Unterricht in Klavier und Theorie. Das Ehepaar Schumann war von dem jungen Musiker begeistert und Robert Schumann kündigte ihn in seiner Neuen Zeitschrift für Musik frenetisch an. Da Brahms in Hamburg keine Dirigentenstelle erhielt ließ er  sich 1878 endgültig in Wien nieder.

Die Klavierstücke op. 118  tragen folgende Bezeichnungen: 1. Intermezzo: Allegro non assai, ma molto appassionato; 2. Intermezzo: Andante teneramente; 3. Ballade: Allegro energico; 4. Intermezzo: Allegretto un poco agitato; 5. Romanze: Andante; 6. Intermezzo: Andante, largo e mesto. Wunderbare, bewegende Stücke und ich muss gestehen, dass ich Brahms, der in meinem Kanon nicht ganz oben steht,  so noch nicht erlebt habe. was sicherlich nicht zuletzt dem Künstler zu danken ist. Die Klavierstücke des op. 119 sind folgendermaßen benannt: 1. Intermezzo: Adagio; 2. Intermezzo: Andantino un poco agitato; 3. Intermezzo: Grazioso e giocoso; 4. Rhapsodie: Allegro risoluto. Tempobezeichnungen, die schon alles sagen. Sie mussten nur noch entsprechend umgesetzt werden. Und das gelang Eduard Stan meisterhaft.

Franz Schubert wurde von seinem Vater, dem Direktor der Trivialschule in Liechtenthal bei Wien, mit elf Jahren dem Chor der Wiener Hofkapelle gegeben. Dort wurde Franz im Instrumentalspiel (Orgel, Klavier) und Komposition unterrichtet. Unter seinen Lehrern befand sich auch Antonio Salieri (1750-1825). Wegen Stimmbruch und ungenügender schulischer Leistungen schied er 1813 aus dem Konvikt der Hofkapelle aus und verdingte sich als Hilfslehrer an der Schule seines Vaters. 1814 vertonte er das erste Gedicht von Goethe „Gretchen am Spinnrad“. Doch schon vorher hatte er eine erste Sinfonie und die Oper „Des Teufels Lustschloss“  sowie eine Messe in F-Dur (D 105) komponiert. Bei den ab 1818 beginnenden „Schubertiaden“ bzw. „Kanvas-Abenden“ (so genannt weil jedem neuen Gast die Frage „Kann er was?“ vorgelegt wurde) stellte Schubert seine neuesten Kompositionen vor. Für Schubert war das Klavier selbstverständliches Kommunikationsmittel zwischen den Musikern. Schubert schrieb über 600 Lieder, Kammermusik und viele Klavierwerke zu vier Händen. Nur allzufrüh verlosch dieses Leben.

Die Impromptus D 935 tragen folgende Bezeichnungen: 1. Allegro moderato; 2. Allegretto; 3. Andante; 4. Allegro scherzando. Die ursprünglich mit den Nummern 5-8 versehenen Impromptus waren vermutlich als Fortsetzung der vorherigen Impromptus gedacht und bilden eine „Quasi-Sonate“ wie schon Robert Schumann bemerkte. Eduard Stan verstand es mit seinem meisterlichen Können das Klavier zum singen zu bringen. Wobei er, im Gegensatz zu Alfred Brendel, auf alle übertriebenen Körpereinsätze verzichtete.

Ein bemerkenswerter, großartiger Musikabend ging mit einem Auszug aus der Kantate von Johann Sebastian Bach (1685-1750) „Schafe können sicher weiden“  und mit viel Applaus für den Künstler zu Ende.